Was krebskranke Kinder in Sayda finden

Ein Familienwochenende im Erzgebirge ist der Höhepunkt für Mädchen und Jungen, die in der Dresdner Uniklinik behandelt wurden. Seit 20 Jahren setzt sich der Gasthof Kleines Vorwerk und der Verein Sonnenstrahl für sie ein.

Sayda.

Sich austoben, auf andere Gedanken kommen, Entdeckungen machen: Seit 20 Jahren kommen krebskranke Kinder mit ihren Familien zum Altsächsischen Gasthof Kleines Vorwerk in Sayda, nachdem sie den Aufenthalt in der Universitätsklinik in Dresden hinter sich gebracht haben. Auch dieses Wochenende wird es auf dem Gelände bunt: Mehr als 200 Mädchen und Jungen erleben dort mit ihren Eltern ein abwechslungsreiches Wochenende mitten im Wald. Organisator der Familienfahrt für krebskranke Kinder und Jugendliche ist der Verein Sonnenstrahl mit Sitz in Dresden.

Die Kinder und Jugendlichen werden mit ihren Eltern am Lagerfeuer sitzen und ihren Knüppelteig in das Feuer halten, mit der Kutsche rund um Sayda fahren, die Kletterwand bezwingen, Angeln, Körbe flechten oder Pizza backen. Das sind nur einige von rund 40 Angeboten, die Lutz Peschel und sein Team vom Kleinen Vorwerk mitten im Wald organisieren. "Ich möchte, dass die Kinder hier drei erlebnisreiche Tage verbringen können, sie von ihrem Alltag mit Krankheit und Schmerzen abschalten können", so der 60-jährige Dresdner Lutz Peschel.


1998 hat er den Gasthof mit vielen Hektar Außengelände gekauft. An den Anfang erinnert er sich noch genau: "Ein Vorstandsmitglied vom Verein, das von diesem Gasthof und dem Gelände wusste, hat mich vor reichlich 20 Jahren angesprochen, ob ich mich hier engagieren würde. Ich habe nicht lange überlegt und zugesagt."

Das große Gelände eignet sich besonders zum Reiten, für Wiesenexkursionen, die Schafschur und vieles mehr. "Ich habe immer viel Wert darauf gelegt, dass Mitwirkende und Helfer aus der Region kommen. Viele sind schon seit Anfang an dabei, und wir freuen uns, dass sie jedes Jahr gern wiederkommen", sagt der Dresdner. So wie Antonio Lindner aus Brand-Erbisdorf mit seiner Holzbastelei, Korbmacherin Barbara Stimpel aus Freiberg und Kräuterfee Erika Mätzig aus Sayda. Sie geht schon seit 20 Jahren mit den Teilnehmern Kräuter sammeln, mit denen sie zum Mittagessen die Gerichte verfeinert. Zu den Aktionen gehören auch Keramikherstellung, die Kletterwand, die Saydaer Tanzgruppe, Bogenschießen, Kutschfahrten, Fußball spielen und ein gemütliches Beisammensein am Lagerfeuer.

"Was das Team an diesem Wochenende für uns zusammenstellt, ist kaum zu überbieten. Auf diese Familienfahrten, die auch für uns als Verein ein Höhepunkt darstellen, freuen sich die Kinder, Jugendlichen und Eltern schon das ganze Jahr", sagt Diana Uhlemann vom Verein.

Warum Lutz Peschel sich als Fördermitglied des Vereins so engagiert? "Ich stamme aus einfachen Verhältnissen und bin zum Teil bei meinen Großeltern auf einem Bauernhof aufgewachsen. Da haben mich Tiere und die Natur fasziniert. Mir und meiner Familie geht es gut, und da möchte ich etwas abgeben an jene, die nicht so viel Glück im Leben haben." Er betont aber, dass ohne das Engagement der Angestellten und der freiwilligen Helfer so ein Wochenende nicht zu stemmen wäre. "So lange wir können, wollen wir das weiter machen. In die strahlenden Kinderaugen zu sehen, das ist das Schönste, was auch mir und meiner Familie an diesem Wochenende Kraft für die weiteren Jahre geben wird", sagt er.


Jährlich 80 Neuerkrankungen

Der Verein Sonnenstrahl arbeitet gemeinnützig und betreut krebskranke Kinder und Jugendliche während und nach ihrem Aufenthalt in der Uniklinik Dresden. Er wurde 1990 auf Bestreben betroffener Familien, Ärzte und Pflegekräfte gegründet. Pro Jahr sind mehr als 350.000 Euro für die Arbeit des Vereines notwendig. Zu 90Prozent kommt das Geld aus Spendenmitteln und durch staatliche Zuschüsse zusammen.

Die Uniklinik in Dresden registriert jedes Jahr rund 80 Neuerkrankungen von Kindern und Jugendlichen. Deutschlandweit bewegen sich die Zahlen zwischen 1800 bis 2000 Neuerkrankungen im Jahr. Leukämie (Blutkrebs) ist die häufigste Krebserkrankung. (gel)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...