Weihnachtssingen im Rittergut: Wie 1999 alles anfing

Die Olbernhauer Veranstaltung feiert in diesem Jahr ihre 20. Auflage - und kann dabei auf eine Historie mit besonderen Höhepunkten zurückschauen.

Olbernhau.

Zahlreiche Besucher werden am Donnerstag in Olbernhau erwartet: Zum mittlerweile 20. Mal singt im dortigen Rittergut der große Weihnachtschor, der aus eben jenen Gästen besteht. Aber wie hat vor zwei Dekaden alles angefangen?

Es war der heute 51-jährige Guido Kolberg, der den Chor 1999 ins Leben rief. Das Vorbild für die Veranstaltung fand der Olbernhauer im Ausland: in der Schweiz. Warum so etwas nicht auch in Olbernhau auf den Weg bringen, fragte er sich. Schnell fand er mit Jens Kaltofen, dem musikalischen Leiter des Musikkorps, einen Verbündeten. Für verrückte Dinge habe er immer ein offenes Ohr, habe der Dirigent damals gesagt, berichtet Kolberg.

Nach einigen Beratungen wurde die Premiere für den 9. Dezember 1999 festgesetzt. "Ich war bereits um 8 Uhr im Rittergut und total aufgeregt, Adrenalin pur", so der 51-Jährige. Vieles war vor der Premiere noch ungewiss: Wie viele Menschen werden kommen? Ist an alles gedacht? Wird alles ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen? Und dann die Überraschung: Es kamen rund 3500 Gäste, die, begleitet vom Musikkorps, gemeinsam sechs Weihnachtslieder sangen. Entsprechend überwältigt war auch Dirigent Jens Kaltofen bei der Premiere. Mit so vielen Teilnehmern hatte niemand gerechnet. Die Organisatoren waren sich schnell einig: Dieses gemeinsame Musizieren soll eine Einmaligkeit bleiben - und so fiel deshalb im Jahr 2000 der Weihnachtschor aus.

"Da hatten wir aber die Rechnung ohne die Olbernhauer und ihre Gäste gemacht", sagt Guido Kolberg. Zahlreiche Nachfragen und Bitten erreichten den Olbernhauer, und so blieb den Organisatoren kaum eine andere Wahl, als 2001 mit dem Chor weiterzumachen. Doch auch die zweite Auflage startete mit einer Herausforderung: Minus 18 Grad Celsius herrschten damals. Extremtemperatur also - und seither absoluter Rekord. Trotzdem kam eine vierstellige Besucherzahl ins Rittergut. Die Olbernhauerin Ursula Maguhn war unter ihnen: "Das erste Mal hatte mich so begeistert, dass ich kaum ein Singen ausgelassen habe. Auch bei minus 18 Grad war ich dabei." Doch noch ein weiteres Weihnachtssingen ist Ursula Maguhn besonders im Gedächtnis geblieben: 2006 brachte der MDR Helene Fischer mit nach Olbernhau. Rund 3000 Sängerinnen und Sänger ließen sich diesen Auftritt im Rittergut nicht entgehen. Schließlich krönte der MDR auch den Olbernhauer Weihnachtschor zum besten in diesem Jahr innerhalb seiner Vergleichsreihe.

Manchmal musste beim Chorsingen allerdings auch improvisiert werden. Sängerin Mandy Bach trat 2009 im Tivoli auf, weil es den ganzen Nachmittag in Strömen regnete. Das war aber das einzige Mal in den 20 Jahren, dass der Weihnachtschor in einen Saal ausweichen musste.

Die Aufregung vor dem Weihnachtssingen hat sich bei Guido Kolberg in all den Jahren kaum gelegt. "Erst wenn das Singen vorüber ist, ziehen auch bei mir die Weihnachtsruhe und der Weihnachtsfrieden ein", sagt Kolberg. Für ihn ist der Weihnachtschor auch nach 20 Jahren längst kein Selbstläufer geworden, aber eine Veranstaltung "bei der alle Gäste tolle und zuverlässige Mitwirkende sind".


20. Auflage mit Überraschung

Jens Kaltofen leitet das Musikkorps der Stadt Olbernhau und dirigiert in dieser Funktion auch den Weihnachtschor. Mit ihm sprach Karlheinz Schlegel.

Freie Presse: Sie wählen seit 20 Jahren die Weihnachtslieder aus. Gibt es denn überhaupt welche, die bisher noch nicht gesungen wurden?

Jens Kaltofen: Ja, klar. Aber wir wollen uns auf die bekanntesten erzgebirgischen und deutschen Weihnachtslieder beschränken. Französische oder chilenische Lieder will ich dem Chor nicht angedeihen lassen.

Was bedeutet für Sie persönlich diese Veranstaltung?

Der Weihnachtschor ist für mich eine sehr schöne Aufgabe, und ich bin dafür dankbar, ihn schon so lange leiten zu dürfen.

Wird es am Donnerstag etwas Besonderes geben?

Der Chor ist das Besondere, denn dass sich so viele zum Singen treffen, ist doch einmalig. Guido Kolberg und unser Musikkorps haben sich für die 20. Auflage ein paar Überraschungen ausgedacht. Alle Sänger sollten unbedingt ein Schnapsglas (keine Zinkeimer) mit zum Chorsingen bringen. Auch lohnt es sich, rechtzeitig zu kommen, denn das Musikkorps wird auf der Bühne schon gegen 18.15 Uhr einen besonderen Kracher abliefern.

Gibt es Lieder, die jedes Jahr mit auf dem Textzettel stehen, den jeder Sänger erhält?

Ja, das ist das Rachermannel-Lied des Olbernhauer Kantors Erich Lang, der es 1937 schrieb. Das hat Kultstatus und wird jedes Jahr gesungen. Zudem beenden wir seit rund 15 Jahren unser Olbernhauer Weihnachtssingen mit dem Steigerlied. Das kann fast jeder Erzgebirger aus dem Kopf. Deshalb steht es auch nicht mit auf dem Textzettel.

Wird es auch 2020 wieder ein Weihnachtssingen geben ?

Wenn Weihnachten bis dahin nicht gestrichen wird, sicher. Wie immer, am Donnerstag zwischen dem zweiten und dritten Advent. Das wird 2020 der 10. Dezember sein. gel

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