Wenn bei fast 30 Grad der Wollpulli lockt

Wintermode bei Sommerwetter zu kaufen, kann zu einer heißen Angelegenheit werden. Wer dagegen leichte Bekleidung will, muss lange suchen. Ein Bummel durch die Chemnitzer Innenstadt.

Chemnitz.

Die Kundin in der Galeria Kaufhof im Stadtzentrum von Chemnitz ist etwas überrascht. "Zipfelmützen, überall Zipfelmützen", ruft sie nach einem Blick auf all die Herbst- und Wintermode. Warum aber nicht noch den langen Spätsommer nutzen? Doch bei fast 30 Grad Celsius und Dauer-Sonnenschein auf die Suche nach Kleid oder Badeanzug zu gehen, ist eine Herausforderung.

Zunächst gilt es, sich durch Daunenwesten mit Fellbesatz, Steppjacken, Strickponchos, Häkelmützen und Wollpullover zu kämpfen, um an einen der wenigen Kleidungsständer mit Sommerware zu gelangen. Zwar sind die Sachen meist preisgesenkt, doch die Auswahl ist beschränkt und alle Größen gibt es schon lange nicht mehr.

Während im Kaufhof so manche Marke die Sommersachen komplett verbannt hat, hängen auf Kleiderbügeln anderer Anbieter in Chemnitz ausreichend leichte Tops und dünne Hosen, Kleider aber weniger. Ob getupft, gestreift, unifarben oder bunt bedruckt - überraschend groß ist die Auswahl bei der Badebekleidung. Dort gibt es sogar noch neue Ware zu kaufen, verkünden Schilder. Im wiedereröffneten Blob-Store in der Rathaus-Passage ist es wesentlich kühler als draußen, das Thema Sommer ist dort durch. Wer genau sucht, findet aber noch das eine oder andere Oberteil.

Im Schaufenster von H & M bekommt eine Puppe gerade ein flauschiges Sweatshirt angezogen, doch die Kundinnen würdigen es keines Blickes. Auch der zwischen Sommerkleider gehängte Wintermantel hat es schwer, Beachtung zu finden. Mit Tops und Röcken geht es in die Umkleidekabine. Bei Peek & Cloppenburg interessieren sich die Kunden, selbst in kurze Hosen und T-Shirts gewandet, vor allem für die Ständer mit den Restposten der Sommerware. Anders im No. 1 Modeexpress. Dort haben Kundinnen vergangene Woche auch Daunenjacken probiert, erzählt die Verkäuferin. Der größte Teil des Ladens ist mit wärmender Kleidung gefüllt, nur an einer Seite hängen Shirts und dünne Hosen, aber keine Kleider. "Die schönsten Sachen und das größte Angebot an Herbst- und Wintermode gibt es jetzt", so die Chefin.

René Glaser, Leiter der Geschäftsstelle Chemnitz des Handelsverbandes Sachsen, will den seiner Meinung nach falschen Eindruck, dass es keine Sommermode mehr gibt, entkräften. "Es hängen genügend Shirts, Röcke und Badesachen in den Läden. Das sind topmodische, zum Teil gesenkte Teile, keine Restposten." Das Wetter könne man nicht planen. "Hätten wir 15 Grad, würden die Leute nach Herbstschuhen und -kleidung suchen. Die Läden ordern die Mode früh, deshalb wird sie relativ zeitig geliefert." Daran ändere sich wohl auch in Zukunft nichts.

Einen Rekord-September erwartet Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Diese Woche würden die Temperaturen bei 25 bis 30 Grad bleiben. Es könnte demnach der heißeste September seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden.

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