Wenn der Pressesprecher den sächsischen Kurfürsten gibt

Laiendarsteller sind auf der Zielgeraden für die Aufführung der "Marienberger Geschichten". Sie kommen nicht nur aus der Großen Kreisstadt.

Marienberg.

Wenn Blicke strafen könnten, dann müsste sich Stefan Tschök auf einiges gefasst machen. Der Chemnitzer, der sich gerade das Grinsen nicht verkneifen kann, ist Teil des Darstellerensembles, das am Sonnabend in Marienberg in einem Festspiel Geschichten aus der Historie Marienbergs erzählen wird.

Aber noch ist es nicht soweit, noch wird im Park der Baldauf-Villa geprobt. Dort ist es an diesem Tag sehr warm, und bei einigen Darstellern fehlt es etwas am Ernst. Stefan Tschök zum Beispiel wird den Kurfürsten Friedrich August III., den obersten Sachsen, darstellen, aber noch ist sein Auftreten nicht herrschaftlich. Und schon trifft ihn ein strafender Blick, nicht von Regisseur Gerd Schlott, sondern von Christine Zander, im Stück Maria Amalie, die Gemahlin Friedrich Augusts III.

Er führt sie an der Hand, das sieht schon mal ganz gut aus, aber dieses Lachen ... Wie soll das erst beim Auftritt auf dem Marienberger Markt werden? "Das wird schon, da habe ich keine Bedenken, wir haben ja noch etwas Zeit", sagt der Regisseur mit dem Brustton tiefster Überzeugung.

Im Festspiel der Bergstadt Marienberg widmet sich die Darstellerschar - es gibt insgesamt 35 Sprechrollen - einigen Episoden aus der Geschichte der Bergstadt. Dabei handelt es sich um historisch verbürgte Ereignisse, wie das erneute Berggeschrey 1767 beziehungsweise den Besuch des Kurfürsten Friedrich August III. im Jahr 1773.

Dafür wird eine Zeitreise unternommen ins Marienberg des 18. Jahrhunderts, als die feinen Damen noch aufwendige Kleider trugen. Und die Herren? "Tja, da werde ich wohl eine Perücke tragen müssen", sagt Stefan Tschök, und da ist wieder das ansteckende Lachen, das zu seiner Rolle gar nicht passt. "Du bist doch der Kurfürst", sagt Christine Zander, und der Chemnitzer Stefan Tschök gibt sich zerknirscht.

Der 61-Jährige war bei einer Veranstaltung in der Baldauf-Villa. Und in einem Gespräch kam heraus, dass noch jemand für die Rolle des Kurfürsten Friedrich August III. gesucht wurde. "Da fühlte ich mich sofort berufen, habe aber nicht geahnt, was dieser Job mit sich bringt. Seit der Schulzeit habe ich nicht mehr so viele Zahlen und Fakten auswendig lernen müssen", sagt der hauptberufliche Pressesprecher und Marketingleiter der Chemnitzer Verkehrs AG, der seine Sätze auch noch in "ziemlich angestaubter Sprache" vorbringen muss.

"Aber wer weiß, vielleicht kommen auch ein paar Talentscouts zur Aufführung", sagt Stefan Tschök, und da ist dieses herzliche ansteckende Lachen wieder, das auch alle anderen Laiendarsteller befällt. "Es ist einfach sehr warm", sagt der Regisseur und entlässt die kleine Darstellerschar in den Feierabend.


Viel Musik und Theater sind zu erleben

Das Festspiel findet auf dem Marienberger Marktplatz statt. Der Eintritt ist frei.

16 Uhr beginnt das historische Markttreiben mit viel Musik. De Chamtzer Bossen etwa bieten Spielmannsmusik dar, Jörg Heinicke Erzgebirgisches, russische Polka und eigene Lieder. Zu Gast sind unter anderem auch die Dudelsackfreunde aus Wolkenstein sowie das Wandertheater Caspar, Camillo und Co aus Frankenberg.

19.30 Uhr sind die Marienberger Geschichten unter der Regie von Gerd Schlott zu sehen.

Der Abend klingt musikalisch aus. (bz)

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