Wenn die Azubi-Suche bis nach Vietnam reicht

Nachwuchs ist für die Kurgesellschaft in Bad Schlema unerlässlich. Weil Bewerber jedoch rar gesät sind, bekommen nun zwei junge Männer aus Asien eine Chance, sich zu beweisen.

Aue-Bad Schlema.

Vor der Corona-Krise herrschte im Erzgebirge vor allem im Gastgewerbe Fachkräftemangel. "Es wird zunehmend schwieriger, deutsche Auszubildende für einen Gastronomieberuf zu begeistern", bestätigt Angela Puschmann, die Gastronomiemanagerin der Kurgesellschaft Bad Schlema. Deshalb hat man im Kurort jetzt auf alternative Möglichkeiten zurückgegriffen: Auszubildende aus dem Ausland.

Mit Khoa Nam Nguyen und Tuan Dat Pham haben Anfang März zwei junge Menschen aus Vietnam eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe bei der Kurgesellschaft Schlema begonnen. Bereits im Juli im vergangenen Jahres waren sie nach Deutschland gekommen, um einen Sprach- und Berufsvorbereitungskurs bei einer Schulgesellschaft in Annaberg-Buchholz zu absolvieren.

Als Prüferin bei der Industrie- und Handelskammer besitzt Angela Puschmann gute Kontakte zur Schulgesellschaft. "Alle Bewerber waren auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz", erzählt sie. "Wir haben bereits bei den Prüfungen sowie in Partnerhotels gute Erfahrungen mit vietnamesischen Auszubildenden gemacht. Sie sind fleißig, wissbegierig und lernwillig. Deshalb haben wir ihnen diese Chance gegeben." Ohne einen festen Vertrag hätten die zwei zudem in ihre Heimat zurückkehren müssen.

"Wir sind nach Deutschland gekommen, um hier eine bessere Ausbildung absolvieren zu können", berichten die jungen Vietnamesen. In ihrem Heimatland wäre die Lehre rein schulisch gewesen, ohne die Möglichkeit, Praxiserfahrung zu sammeln. Zudem ist sie mit Kosten verbunden. Nach seiner Ausbildung möchte sich Tuan Dat Pham gern zum Restaurantfachmann weiterbilden lassen. Khoa Nam Nguyen hingegen lässt seine weitere Ausbildung offen. Er weiß allerdings, dass er gern für immer in Deutschland arbeiten und leben möchte, da der Lebensstandard hier deutlich höher ist. Ein anderes Ziel verfolgt dagegen Tuan Dat Pham: "Ich möchte hier Berufserfahrung sammeln und anschließend ein Restaurant in Vietnam eröffnen."

Kennengelernt haben sich die zwei erst hier in Deutschland. Inzwischen wohnen sie zusammen in einer Wohngemeinschaft im Kulturhaus Aktivist und halten per Videoanruf einmal pro Woche Kontakt zu ihrer Familie. Eine junge Vietnamesin, die mit ihnen die Ausbildung in Bad Schlema begann, hat diese inzwischen abgebrochen und ist nach Berlin gezogen.

Während der zweijährigen Ausbildung sollen die jungen Leute in unterschiedlichen Restaurants eingesetzt werden. "Somit sind wir gezwungen, immer Deutsch zu sprechen", erklären sie. Ihren normalen Arbeitsalltag brachte zuletzt die Corona-Pandemie gehörig durcheinander. Weil auch in Bad Schlema Restaurants und Kurhotel schließen mussten, waren sie zuletzt vor allem mit Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten beschäftigt. Auch beim Lieferservice halfen sie mit.


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