Wetterwarte mitunter nachts nicht mehr besetzt

Nach dem angekündigten Aus haben sich inzwischen Mitarbeiter neu orientiert

Oberwiesenthal.

Erstmals in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte ist es in der Wetterwarte am Fichtelberg nachts dunkel geblieben. Das heißt, die Station kann nicht mehr rund um die Uhr besetzt werden, weil Personal fehlt. Von den ursprünglich sechs Mitarbeitern in der Warte stehen insgesamt noch vier zur Verfügung, sagt Leiter Gerd Franze.

Damit könne gerade in der Urlaubszeit ein 24-Stunden-Dienst nicht aufrechterhalten werden. Diese Tatsache bedeute Einschränkungen bei den Wetteraufzeichnungen. So fielen insbesondere die Augenbeobachtungen weg. Dazu gehören laut Franze etwa das Treffen von Aussagen zu Wolkenhöhen, der Sichtweite oder dem Bedeckungsgrad des Himmels.

Für die Vorsitzende des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen, Ulrike Kahl, ist damit eine Ära zu Ende gegangen: "Was keine zwei Weltkriege, kein Großbrand, keine heftigen Gewitter, Stürme oder sonstigen Witterungsunbilden da oben je vermocht haben, ist nun eingetreten", sagt sie. Die bislang einmaligen, für die Forschung wertvollen Klimareihen wiesen nun erstmals eine Lücke auf.

Um ein solches Szenario zu verhindern, hatten die Grünen bereits im Dezember 2016 eine Petition zum Erhalt der Wetterwarte auf dem Fichtelberg gestartet und mit mehr als 6500 Unterstützern den personellen Weiterbetrieb der Wetterwarte gefordert. Ende Juni 2017 war diese Petition im Bundestag übergeben worden. "Bis heute ist darüber jedoch nicht befunden worden", kritisiert Kahl.

Das Zeitfenster bis zur geplanten Vollautomatisierung der Wetterwarte ab 1. Januar 2019 schließe sich bald, obwohl noch immer keine funktionsfähigen Messeinrichtungen zur vollautomatischen Erfassung von Niederschlagsmenge, Schneehöhe, Wetterzustand, Sichtweite und ähnliches installiert seien. "Wir fordern daher im Namen aller Petenten, dass die Mitglieder des Petitionsausschusses sich ihrer Verantwortung bewusst sind und alsbald zu einem Vor-Ort-Termin auf den Fichtelberg kommen", verlangt Kahl.

Dass jetzt weniger Personal auf der Warte zur Verfügung steht, liege unter anderem daran, dass sich die Kollegen neu orientiert haben, sagt Franze. Und das nicht nur innerhalb des Deutschen Wetterdienstes.

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