Wo Badusan auf Volkskunst trifft

Kleine Drogeriegeschäfte gehören zu den Exoten im Handel. Rita Thiel führt in Neuhausen ein solches Geschäft - und behauptet sich seit fast 25 Jahren.

Neuhausen.

Zu DDR-Zeiten hat Rita Thiel Lebensmittel und Schreibwaren im Konsum in Neuhausen verkauft. Dann wurde sie arbeitslos. Zufällig hörte sie, dass für die Drogerie an der Brüxer Straße ein neuer Besitzer gesucht wird. "Eine gute Bekannte hat mir zugesprochen, das Geschäft zu übernehmen. Nach Beratung mit der Familie habe ich den Schritt gewagt und den Entschluss bis heute nicht bereut", erzählt sie. Das war im Sommer des Jahres 1992.

Aller Anfang war schwer. Rita Thiel absolvierte Lehrgänge, machte den Drogerieschein, musste mit der Entwicklung der Sortimente Schritt halten, und verkraften, dass sich eine große Drogeriekette 100 Meter neben ihrem Geschäft ansiedelte. "Doch die Stammkunden blieben", erinnert sich die Geschäftsfrau. Sie beschritt neue Wege, erweiterte das Sortiment. Rund 3000 Artikel finden sich heute auf rund 75 Quadratmeter in den Regalen des Hauses, in dem bereits um die Jahrhundertwende Drogerieartikel verkauft wurden. In den 1950er-Jahren war es HO-Drogerie.

Unter Kosmetikartikeln, Parfüm, Waschmittel, Sämereien sowie über 50 Sorten Tee finden sich zahlreiche ehemalige DDR-Produkte wie Novum Seife, Badusan, Linda-Neutral, Fit ... Die meisten Parfüme probiere sie selbst aus. Ich muss ja wissen, was ich meinen Kunden anbiete" erzählt Rita Thiel, die zudem Postsachen zum weiteren Versand annimmt. Außerdem verkauft sie Briefmarken. "Dies ist mein zweites Standbein", sagt sie. Auch Pass- und Bewerbungsfotos kann man bei Rita Thiel machen lassen. Dazu habe sie ihr Mann Karl-Heinz animiert. Darauf, dass sie das Fotografieren so gut hinbekommen hat, ist die Neuhausenerin ein wenig stolz, verrät sie.

Über die Jahre hat sie immer neue Produkte in ihr Sortiment aufgenommen, "weil die Nachfrage da war". Sie nennt Badeschuhe, Ansichtskarten, Regenschirme, Kleinlederwaren, Schals, erzgebirgische Volkskunstartikel. Dabei habe sie stets nach dem Motto "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" gehandelt. "Das hat mir meist bei meinen Entscheidungen geholfen, damit bin ich gut gefahren und bleibe dem Grundsatz deshalb treu."

Veronika Matthes ist eine ihrer Stammkundinnen. "Ich kenne Rita Thiel schon seit vielen Jahren, gehe gern in ihr Geschäft und schätze ihre immer freundliche Art. Wenn es etwas nicht gibt, bestellt sie es", erzählt die 67-Jährige. Zudem sei es die einzige Poststelle im Ort.

Neben zahlreichen Neuhausenern kommen auch Durchreisende in ihr Geschäft, erzählt Rita Thiel. "Bei Ihnen riecht es wie früher." "Dass es so etwas noch gibt." "Halten sie bloß durch": über solche Kommentare freue sich die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Oma mit zwei Enkeln ganz besonders. Ans Aufhören denkt Rita Thiel noch lange nicht. Auch wenn sie nicht reich werde, "es freut mich, wenn ich meinen Kunden und in gewissem Sinne auch meinem Heimatort helfen kann".

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