Wolkenstein schultert Extraaufgaben

Eigentlich hatte sich die Stadt viel vorgenommen, dann kam 2013 das Hochwasser. Die meisten Schäden sind mittlerweile behoben, und mit ihren Vorhaben liegt die Kommune trotzdem gut im Plan.

Wolkenstein.

Als wortwörtlich "höhere Gewalt" kann das Hochwasser von 2013 aus Wolkensteiner Sicht bezeichnet werden. Zahlreiche Schäden hinterließen die Wassermassen und sorgten so dafür, dass geplante Bauarbeiten zurückgestellt werden mussten. Die Sanierungs- und Rekonstruktionsarbeiten waren während der aktuellen Legislaturperiode immer wieder Thema im Stadtrat. Knapp vier Millionen Euro hatte Wolkenstein für den Wiederaufbau aufwenden müssen.

Dass die Stadt dennoch mehrere geplante Vorhaben verwirklichen konnte, nennt Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos) die größte Leistung des Wolkensteiner Stadtrates. Allen voran stellt Liebing den Ausbau der Kindertagesstätte in Schönbrunn. Die Einrichtung wurde im laufenden Betrieb für rund zwei Millionen Euro saniert. 90 Plätze bietet die Kita nun. Zudem haben die Kinder einige Extras bekommen, wie etwa eine Kneipp-Anlage im Außenbereich.


Ein besonderes Ereignis in der aktuellen Legislaturperiode ist für den Rathauschef die Aufwertung Warmbads zum Heilbad. "Unser Ortsteil darf sich nun mit dem höchsten Zertifikat in dieser Kategorie schmücken", freut sich Liebing. Ein hervorzuhebendes Anliegen ist für den Wolkensteiner Bürgermeister die Sicherstellung des Brandschutzes in den zehn Ortsteilen der Stadt. "Ich kann nur immer wieder dazu aufrufen, sich bei den Kameraden zu engagieren", betont Liebing. Zuletzt konnte die Wolkensteiner Wehr nicht mehr alle Dienste abdecken.

Doch auch für das am 26. Mai neugewählte Gremium kommen zahlreiche Aufgaben zu. Aktuell saniert die Stadt das Dach des Schlosses. 1,66 Millionen Euro sind für das Bauvorhaben vorgesehen. Das Schloss gehöre seit 800 Jahren zu Wolkenstein und sei deshalb ein wichtiger kultureller Faktor. Durch das historische Gebäude würde die Stadt auch überregional wahrgenommen werden. Zuletzt waren der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Bildungsministerin Eva-Marie Stange (SPD) in Wolkenstein zu Gast. "Die würden nirgendwo hinfahren, wo sie sich blamieren könnten", ist sich Liebing sicher.

Beim Thema Breitbandausbau sieht der Wolkensteiner Bürgermeister Handlungsbedarf. Es gebe noch weiße Flecken im Stadtgebiet, so Liebing. "Allerdings ist die Stadt kein Telekommunikationsunternehmen." Der Bürgermeister sieht vor allem die Telekom in der Pflicht, den Ausbau voranzutreiben.

Drittes großes Vorhaben für den neu gewählten Stadtrat stellt der Bau einer weiteren Kindertagesstätte im Ortsteil Gehringswalde dar. Dazu plant die Stadt die Aufnahme eines Kredits. "Trotzdem wollen wir auch weiter versuchen, beim Schuldenabbau auf Kurs zu bleiben", so der Bürgermeister.

Ein unklarer Faktor bleibt unterdessen die geplante Ortsumgehung. In der Planung sei vieles nicht berücksichtigt worden, es gebe deshalb eine offene Stellungnahme des Stadtrates, sagt Liebing. Nun sei der Freistaat am Zuge und müsse einen Korridor für die Fahrbahn finden. Bis Ende des Jahres werde ein Konzept erwartet. "Es sollte den Verantwortlichen jedoch klar sein, dass viele Wolkensteiner und Schönbrunner den aktuellen Plan ablehnen", so Liebing.


Was sich Bürger wünschen

Philipp Theisinger, 40,Vertriebsinnendienst: "Ich wünsche mir, dass die Mitglieder des Stadtrates mit gleicher Sprache sprechen. Entscheidungen müssen von allen gemeinsam getragen werden. Die Stadt lebt durch Vereine. Deshalb sollten die Nutzungsentgelte für die städtischen Sportanlagen zugunsten der Vereine überdacht werden. Im Gewerbe sollten weitere Unternehmen angesiedelt werden, um die Infrastruktur zu verbessern."


Anne Stadelmeyer , 42, Buchhalterin: "Als Mutter von drei Kindern wünsche ich mir, dass die Spielgeräte, die im Bauhof lagern, schnell aufgebaut werden. Schaukel und Sandkasten machen die Kleinen glücklich. Um den Einzelhandel zu erhalten und neu zu beleben, sollte der Stadtrat Anreize schaffen. Um die Stadt baulich weiter zu entwickeln und das Stadtbild zu erhalten, sollten auch weiterhin städtebauliche Fördermittel in den Haushalt eingestellt werden."


Christian Zießler , 41, Berufsfeuerwehrmann: "Bei den Feuerwehren sollte der Stadtrat einen klaren Standpunkt zur Zusammenlegung haben: wenn ja, welche Wehren. Auch zur Ortsumgehung muss ein klares Ja oder Nein formuliert werden. Den Neubau einer Kita zentral in Wolkenstein wünsche ich mir. Der Kurort Warmbad sollte erweitert werden und Wolkenstein schnellstmöglich wieder eine eigene Arztpraxis bekommen." (faso)


Die 21 Kandidaten

Demokratische Wählervereinigung Wolkenstein (DWV)

Reinhard Seidel

Bernd Sachse

Daniel Pautz

Birgit Schwarz

Andreas Kastner

Frank Oehmige

Ulrich Tauber

Heiko Grunewald

Diana Ihle

Benjamin Petzold

Ronny Schwarz

Carmen Wolf

Johannes Wolf

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Lutz Bruchhold

Kay Hofmann

Matthias Lorenz

Kerstin Pohl

Peter Weber

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Dana Schwarz

Cornelia Meyer

Bündnis 90/Die Grünen

Kerstin Gellrich

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