Dunkle Geschichten in der Fichtelbergbahn

Krimilesungen im Waggon wurden am Wochenende zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal angeboten. Auch Volkslieder spielten dabei eine Rolle.

Cranzahl/Oberwiesenthal.

Die Fichtelbergbahn lud am Wochenende zu ihrer zweiten Krimilesung auf vier Fahrten zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal ein. Leser Rüdiger Kempt und Gerd Schlott und Autor Thomas Häntsch nahmen die Gäste in einem voll besetzten Waggon mit hinein in dunkle Geschichten und Abgründe menschlicher Fantasie. "Schatten über dem Erzgebirge II" heißt der Titel einer deutsch/tschechischen Publikation, die Autoren aus der Region eine Plattform gibt. Deutsche und tschechische Schriftsteller haben Kriminelles aus den Gebirgsregionen beiderseits der Grenze aufgeschrieben, unter anderem Lothar Hoffmann, Katja Martens, Ralf Alex Fichtner oder Milan Hloušek. Es sind Geschichten von Mord, Totschlag und raffinierten Winkelzügen einiger Erzgebirger, die so oder auch anders hätten geschehen können.

Rüdiger Kempt las von einem verprellten Ehemann, der mit Hilfe des giftigen Grünen Knollenblätterpilzes den Liebhaber seiner Frau zur Strecke bringen will. Kempt musste laut und ausdrucksstark lesen, um gegen die Zuggeräusche und das muntere Geplauder der Mitreisenden anzukämpfen. "Gerade das ist die Herausforderung" sagt Kempt. "Und das macht außerordentlich Spaß!"

Drei Geschichten hörten die Fahrgäste entlang der Strecke. Zwischen dem literarischen Banküberfall und der Suche nach dem versteckten Bernsteinzimmer sang Franz Severa aus dem tschechischen Trinksaiffen vom "Vugelbeerbaam", spielte den "Schneewalzer" und andere, bekannte Volkslieder. Die Köpfe schaukelten, die Füße wippten. Dass der Zug immer mal zum Stehen kam, Gäste aus- und zustiegen und am Abteilfenster schönste Aussichten in die Ort- und Landschaften vorbeizogen, war fast nebensächlich. Christel Schimmer und ihrem Partner aus Potsdam gefiel gerade das. "Wir fahren zum 1. Mal mit der Fichtelbergbahn. Diese Mischung von Musik und Literatur hätten wir heute hier nicht erwartet. Das gefällt uns außerordentlich" sagten die beiden. Im anderen Teil des Waggons hatte eine Großfamilie aus Landshut Platz genommen. "Wir sind hier, um den 50. Geburtstag unseres jüngsten Sohnes zu feiern, erklärte die Mutter der Familie stolz. Die Krimilesung sei ein gelungenes Zusatzerlebnis, das die Familie so gar nicht vorhatte. "Wir haben uns spontan in den Waggon gesetzt und haben es nicht bereut." Anke Neubert von der Fichtelbergbahn bestätigt das. "Die von uns gewünschten Anmeldungen laufen eher immer spärlich ein. Aber wir haben in der Regel viele Fahrgäste, die sich spontan auf das Angebot einlassen", hat die Mitarbeiterin erfahren.

Die musikalische Lesetour gilt als eine Veranstaltung des Kulturraumes Erzgebirge. Integriert sind die Baldauf-Villa Marienberg, der tschechische Literaturverein St. Joachim und die Fichtelbergbahn. Das Buch mit den kriminellen Kurzgeschichten wird auch auf der tschechischen Seite des Gebirges bekannt gemacht. Orte wie Sokolov, Kraslice, und Most sind neben Carlsfeld, Deutschneudorf und Kühnhaide nur einige, an denen auch Geschichten aus dem Buch gelesen werden.

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