Zuckertüten-Fabrik punktet mit Einhörnern, Dinos und Co

Zwei Millionen Schultüten werden bei der Firma Nestler in Ehrenfriedersdorf jedes Jahr hergestellt. Mehr als 100 Motive stehen zur Wahl. Gekauft werden sie aber nicht nur für Schulanfänger.

Ehrenfriedersdorf.

Schulanfang ohne Zuckertüte? Das können sich hierzulande wohl nur die wenigsten Kinder vorstellen. Einer der bekanntesten Hersteller der bunt-bedruckten Tüten ist die Firma Nestler aus Ehrenfriedersdorf. Etwa zwei Millionen Schultüten verlassen Jahr für Jahr die Fabrik im Gewerbegebiet an der B 95. Bedient wird damit vor allem der Markt in Deutschland und Österreich. Das liege daran, dass die Tradition der Zuckertüte etwas typisch Deutsches ist. "Wir haben manchmal kleinere Bestellungen aus anderen Ländern", sagt Geschäftsführerin Bettina Nestler. Das seien aber eher Ausnahmen und dann oft auch für Kunden mit deutschen Wurzeln bestimmt.

Im Trend seien nach wie vor Motive aus bekannten Trickfilmen, Fernsehserien und von Spielzeug. Um Bilder von Barbie, Lillifee, Minions, Star Wars und Cars verwenden zu dürfen, erwirbt das erzgebirgische Unternehmen Lizenzen. Immer mehr seien aber auch neutralere Themen im Kommen, sagt Christiane Beck. Sie designt die Zuckertüten. In diesem Bereich gibt es ganz klassische Motiv-Lieblinge. Dazu gehörten Dinosaurier, Feen, Pferde und natürlich Einhörner.

Doch woher wissen die Zuckertüten-Designer, was bei den Schulanfängern gerade gefragt ist? Da wären zum einen die Messen, auf denen sich schon frühzeitig neue Trends herausbilden. Die wichtigste für die Firma Nestler ist dabei die "Insights-X" - Fachmesse für Papier-, Büro- und Schreibwaren in Nürnberg. Aber auch auf der Nürnberger Spielwarenmesse sind die Ehrenfriedersdorfer dabei. Nicht zu unterschätzen sei zudem der direkte Kontakt mit Kindern. So bietet die Nestler GmbH Feinkartonagen beispielsweise Führungen für Kindergartengruppen an. "Das machen wir schon viele Jahre", sagt Bettina Nestler. In diesem Jahr habe es sogar so viele Anfragen gegeben, dass alle Termine ausgebucht waren. Dabei werden die kleinen Besucher auch nach ihren Lieblingsmotiven und Vorlieben befragt. Quasi der direkte Kontakt zur Zielgruppe.

Bevor es ein neues Motiv auf einen Papprohling schafft, ist allerdings die Design-Abteilung gefragt. Mehrere Entwürfe werden gemacht, einer setzt sich dann durch. Dabei müssen die erwachsenen Zuckertüten-Macher allerdings mit den Augen von Kindern gestalten. "Wir denken oft zu stylisch", sagt Christiane Beck. Bei Kindern darf es ruhig mal etwas knalliger sein - und auch blinken. Mit einbezogen werde dabei auch der Vertrieb. Immerhin wissen diese Kollegen am besten, was die Kunden wünschen und welche Motive am besten ankommen.

Neben den klassischen bedruckten Zuckertüten für Schulanfänger verkauft die Firma Nestler immer mehr Exemplare für Erwachsene. Wechselt jemand die Arbeitsstelle oder besteht die Fahrprüfung, werden heute auch gern Schultüten verschenkt. Die Motive und Farben unterscheiden sich dabei aber von denen für die Kinder. "Für Erwachsene darf es etwas dunkler sein", so Bettina Nestler. Auch Vintage-Motive seien in diesem Bereich gefragt. Immer wichtiger werde zudem der Business-to-Business-Bereich. Firmen bestellen für ihre Kunden Spezialanfertigungen -zum Beispiel mit dem Firmenlogo.

Und auch wenn der Schulanfang erst noch vor der Tür steht: Die diesjährige Zuckertütensaison ist bei Nestler eigentlich schon durch. Weihnachtskugeln und Papp-Ostereier dominieren derzeit die Produktion. Doch bereits im Herbst dreht sich wieder alles um die acht bis 100 Zentimeter großen Tüten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...