Erzgebirgs-Safari im roten Jeep

Tolle Landschaften und fantastische Ausblicke - das gibt es quasi vor der Haustür. Wo, das weiß Ines Weigel.

Eibenstock.

Nebel liegt über den Erzgebirgstälern. Aber schon kämpft sich die Sonne durch den Dunst. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. "Ich fahre bei jedem Wetter", sagt Ines Weigel. Die 56-Jährige nimmt Leute mit auf Erzgebirgs-Safari. So heißt ihr Unternehmen, das sie seit zehn Jahren betreibt.

In den roten Landrover Defender passen acht Passagiere. Beim Start - in der Regel um 10 Uhr - gibt es eine kleine Ansprache an die Fahrgäste. Ines Weigel besteht darauf, dass sich die Leute in ihrem Auto duzen. "Das bringt eine lockerere Atmosphäre, und für mich ist das Handling auch einfacher." Seit diesem Jahr übernimmt auch Ines Weigels 29-jähriger Sohn Anton Touren auf Erzgebirgs-Safari. Dafür wurde ein weiteres Auto angeschafft. Damit können größere Gruppen bis zu 16 Leuten gefahren werden. "Noch mehr geht auch, da leihe ich mir zwei Kleinbusse von einem Autohaus", erzählt die Eibenstockerin.

Wer mit ihr auf Tour geht, der bekommt in acht Stunden tolle Landschaften, fantastische Aussichten und spannende Erlebnisse geboten. Buchen kann man unter anderem Wirtshaustouren, Bergwerkstouren, Lichtertouren (in der Adventszeit), Handwerkertouren. Mittlerweile hat Ines Weigel eine ganze Reihe von Partnern in der Region. Sie schaut bei Handschuhmachern, Schnitzern oder Instrumentenmachern vorbei. Bei Wirtsleuten der Region können ihre Fahrgäste eine Brotzeit nehmen. Sie fährt die Leute zu Schaubergwerken oder zur Schmalspurbahn.

"Tourismus funktioniert nicht, wenn du es nur für dich allein versuchst und nur auf deinen Vorteil bedacht bist", lautet ihre Erfahrung. Wer bei ihr bucht, will oft auch in der Region übernachten, dann vermittelt sie Kontakte zu Hotels und Pensionen. "Es hat sich schnell herausgestellt, mit wem man gut zusammenarbeiten kann", sagt sie.

Auch wenn die Eibenstockerin mit dem Jeep unterwegs ist, bedeutet das nicht, dass sie Offroad-Safaris anbietet. Sie nutzt die Straßen, selten mal einen Waldweg. "Ausnahmegenehmigungen brauche ich nicht. Das, was ich fahre, ist auch für Otto Normalverbraucher erreichbar." Maximal 10 bis 15 Minuten am Stück fährt sie, dann wird Station gemacht, etwas angeschaut oder erklärt. Ins Schwärmen gerät sie auf dem Hochplateau bei Oberjugel. "Ist das nicht ein herrlicher Ausblick?"

Mittlerweile hat sich Ines Weigel viel Wissen über die erzgebirgische Heimat angeeignet. Zum Beispiel kann sie die Entstehung des Kleinen Kranichsees als Hochmoor erklären. "Ein Fahrgast hat mal gesagt: Das war ein schöner Tag mit viel Heimatkunde und viel Spaß."

Die Eibenstockerin fährt nur dort, wo sie sich auskennt. "Vom Auersberg bis Annaberg", sagt sie. Ihr Jeep, Baujahr 2005, hat 211.000 Kilometer auf der Uhr. "Ich hänge an meinem Auto, ich werde es wohl fahren, bis ich auseinanderfalle", scherzt sie. Das Gute an ihrem Job sei, dass sie es immer mit freundlichen, gut gelaunten Leuten zu tun habe.

Perspektivisch will sie trotzdem das Unternehmen an ihren Sohn übergeben. "Wenn ich an zwei Tagen nacheinander gefahren bin und mit den Leuten 12 bis 15 Stunden zusammen bin, bin ich fertig." Ihr Sohn fährt zurzeit noch nebenberuflich auf Safari. Dass er das kann, hat er dem Entgegenkommen von seinem Chef Frank Schmutzler von der Werkzeugbau GbR Alberoda zu verdanken, der ihn dafür stundenweise freistellt. Sie selbst hat bei der IHK den Abschluss für Taxi- und Mietwagengewerbe gemacht, der berechtigt dazu, das Unternehmen zu führen. Seit diesem Jahr ist es Ines Weigels Haupterwerbszweig. Vorher war sie Anzeigenberaterin und im Finanzwesen tätig. Da es im Winter kaum Anfragen wegen einer Safari im Landrover gibt, arbeitet die Eibenstockerin dann stundenweise in der Küche der Lifthütte in Carlsfeld.

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