Hilfswerk konzentriert sich 2020 auf Erhalt seiner Einrichtungen

Der seit drei Jahrzehnten bestehende und in Erla-Crandorf ansässige Verein hat 125 Hilfstransporte organisiert. Nächstes Jahr belädt er keine Lastwagen. Derzeit reichen Kraft und Geld nur für die laufenden Projekte in Rumänien.

Erla-Crandorf.

In und um Botosani im Nordosten von Rumänien, aber auch jenseits der Grenze in Moldawien kennen viele Menschen einen Verein aus Erla-Crandorf: das Erzgebirgische Hilfswerk Deutschland (EHD). "Im nächsten Jahr wollen wir erstmals keine Lkw mehr beladen und auf die weite Fahrt Richtung Südosten schicken", sagt Vereinsvorsitzender Eberhard Dürigen. "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, aber Kraft und Geld reichen derzeit nicht aus. Deshalb nehmen wir bis auf Weiteres auch keine Sachspenden an. Dafür bitten wir die Leute, die uns immer unterstützen, um Verständnis."

Im Jahr 2020 will sich das EHD auf den Erhalt und die Betreibung seiner Einrichtungen in Rumänien konzentrieren: Kinderheime in Botosani und Oneaga, eine Physiotherapie in Botosani, das Medizinzentrum in Vorona. Auch langjährige Familienkontakte und Freundschaften werden aufrecht erhalten.

Was im November 1989 auf einer Kundgebung in Schwarzenberg begann und kurz darauf in eine Vereinsgründung mündete, hat in den zurückliegenden 30 Jahren in den genannten Regionen Rumäniens und Moldawiens viel bewegt. "Wir haben 125 Hilfstransporte organisiert und etliche Projekte angeschoben, aber auch hier bei uns Aktionen gestartet und Hilfe geleistet", sagt Vereinsvorsitzender Eberhard Dürigen. "All das hat viel Kraft gekostet. Der Großteil unserer aktiven Mitglieder sind Senioren. Wir hoffen dringend auf junge Mitstreiter. Das EHD soll es weiter geben."

2019 haben die Erzgebirger zum Beispiel einer behinderten jungen Frau aus Dorohoi im Landkreis Botosani geholfen. Sie erhielt in Chemnitz ein neues Korsett und einen Elektrorollstuhl. "Viele Leute aus unserer Region waren an der Aktion beteiligt", so Dürigen. Transport und Unterbringung der Frau, ihrer Eltern und des Dolmetschers mussten organisiert werden. In drei Tagen wurde mit vielen freiwilligen Überstunden das Korsett hergestellt und alles angepasst. Nun kann Madalina dank der Hilfe aus dem Erzgebirge selbstständig zur Arbeit in der Stadtverwaltung Dorohoi fahren.

"Solche Krankengeschichten haben wir viele. Alle benötigen Nachsorge", erklärt der EHD-Vorsitzende. "Unsere Physiotherapie in Botosani läuft immer noch gut, weil wir nach wie vor Verbrauchsmaterialien liefern und alle Geräte überprüfen." Das große Waisenhaus in Oneaga hat Fortschritte gemacht, beim Termin der Fertigstellung aber war das Hilfswerk zu optimistisch. "Ein Teil der Räume ist in super Qualität fertiggestellt. Ein Großteil des Materials liegt auf der Baustelle und wartet auf die Verarbeitung. Das Problem: Es gibt keine Fachleute und Betriebe mehr; fast alle sind im westlichen Ausland arbeiten", berichtet Dürigen. "Vielleicht sollten wir uns in rumänischer Geduld üben, uns über den jetzigen Stand freuen und das Ganze in Ruhe weiterhin begleiten."

Das kleine Kinderheim in Botosani konnte vom EHD erhalten werden, nachdem die Behörden viele Auflagen nach EU-Recht erlassen hatten. Im Auftrag des Hilfswerks wurden eine Erdungsanlage, die gesamte Elektroinstallation sowie die kaputte Außenwandtherme erneuert. Für die Komplettsanierung der Heizungsanlage im Frühjahr gab es Angebote, der Auftrag ist ausgelöst.

Benefizkonzert Eine große Hilfe für das Hilfswerk ist das jährliche Benefizkonzert in der St.-Georgen-Kirche in Schwarzenberg. Termin 2020 ist der 26. Januar, 17 Uhr. Dazu ist jedermann herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird herzlich gebeten.


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