Leser helfen Ulli: Bauerlaubnis für Fahrstuhl-Anbau erteilt

Rund 60.000 Euro haben die "Freie Presse"-Leser für die Schneeberger Familie gespendet, damit ein Fahrstuhl ans Haus angebaut werden kann. Die Vorfreude auf die Erleichterung ist riesig.

Schneeberg.

Die gute Nachricht der Woche kommt aus dem Rathaus von Schneeberg. Und sie lautet: Der Technische Ausschuss der Stadt hat dem Bau eines Fahrstuhlanbaus ans Wohnhaus der Familie Müller auf dem Gleesberg zugestimmt.

Ein Fahrstuhl - das ist es, was die Familie dringend benötigt, um ihren kranken Jungen sicher von der Wohnung bis zur Haustür zu transportieren. Schließlich müssen sie mindestens einmal pro Woche zu Therapien außer Haus. Bislang tragen die Eltern den Zehnjährigen, bei dem seit Sommer 2017 ein schwerer Gendefekt festgestellt wurde, stets zu zweit zwei steile und sehr enge Treppen hinab. Einer hinten, einer vorn. Doch das gleicht jedes Mal einer halsbrecherischen Aktion.

Torsten Kleditzsch

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Ulli leidet an Adrenaler Leukodystrophie (ALD). Bei dieser Krankheit wird die Myelinschicht, die schützend alle Nervenbahnen und -zellen umgibt, allmählich zerstört. Oft hat Ulli heftige Krämpfe im ganzen Körper, er ist sehr reizempfindlich und wetterfühlig. Doch dank der aufopferungsvollen Pflege seiner Familie geht es ihm im Moment gut. Wenn Besuch kommt, freut er sich. Und dass er den Inhalten von Gesprächen folgen kann, zeigt, dass er lacht, wenn über lustige Begebenheiten berichtet wird.

Dank zahlreicher und großzügiger Spenden für die "Leser helfen"-Aktion der "Freien Presse" kam Ende 2018 die stolze Summe von rund 60.000 Euro zusammen, womit die Finanzierung des Fahrstuhls gesichert sein dürfte. "Das hätten wir nie für möglich gehalten, dass so viel Geld zusammen kommt. Wir können immer nur Danke sagen", sagt Mutter Silke Müller. Sie liest ihrem Sohn tatsächlich jeden Wunsch von den Augen ab. Sie weiß, was ihn entspannt, und dass die Krämpfe dann ganz schlimm werden, wenn der Sturm wie in den vergangenen Tagen so kräftig um den Aussichtsturm auf dem Gleesberg pfeift.

Noch stehen die Baupläne für den Fahrstuhl nur auf dem Papier. Denn das Wetter vor ihrem Haus lässt keine Bautätigkeit zu: Noch liegt Schnee auf dem Gleesberg in Schneeberg.

Mit der erteilten Baugenehmigung ist aber die nächste Hürde genommen. Die Freude darüber ist groß. Jetzt steht lediglich die bange Frage im Raum, ob im Mai, wenn es vielleicht richtig losgehen kann, die Bauleute dann auch Zeit und Kapazitäten haben, den Fahrstuhlschacht zu errichten. Bis dahin können und wollen die Müllers im Inneren des Hauses bereits alles vorbereiten. Schließlich müssen auch auf den Etagen die entsprechenden Bereiche für die benötigten Lifttüren freigeräumt werden.

Für Ulli wird der Bau eine spannende und anstrengende Zeit. Schließlich hegt der große Lego-Fan schon immer ein Faible fürs Baugeschehen. Gesundheitlich habe er sich in den vergangenen Wochen stabilisiert, so Mutter Silke. Bezüglich der hochwertigen und kostenintensiven Nahrungsergänzungsmittel, die der Junge zusätzlich benötigt, um die Symptome der Krankheit einzudämmen, helfen finanziell nach wie vor eine Unternehmerin aus Bad Schlema mit einer monatlichen Zuwendung sowie die Aktion Kinderherzen. "Das werden wir auch weiterhin tun", versichert Christine Matko, die Schirmherrin der Aktion. Und so denken viele an Ulli, der sein Schicksal tapfer erträgt. In dieser Woche kam nicht nur sein Schulfreund Konstantin mal wieder auf Besuch vorbei. "Jetzt kommen sogar Gymnasiasten vom Herder-Gymnasium und lesen ihm nachmittags vor", erzählt Ullis Mutter. Dem ganzen ersten Band von Harry Potter habe er schon gelauscht. "Jetzt wird die Lektüre anspruchsvoller", sagt sie mit einem optimistischen Lächeln.

Besonders geholfen habe den Müllers, dass die Stadt Schneeberg den Winterdienst geschultert hat.

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