Luise Egermann: "Volksmusik ist weit mehr als Trallala"

Das Erzgebirge ist einzig - auch wegen der Sprache. "Freie Presse" und Erzgebirgsverein schauen dem Volk aufs Maul. Heute: Luise Egermann aus Beierfeld schafft den Spagat zwischen Mundartliedern und Metal-Sound.

Beierfeld.

Musik ist Heimat - dieses Schaffensgefühl begleitet Luise Egermann in ihrem künstlerischen Wirken. Seit geraumer Zeit pflegt die Beierfelderin zur Freude eines generationenübergreifenden Publikums als Sängerin und Musikerin das hiesige Liedgut. Ungezählte, vom Leben in der Montanregion getragene Veranstaltungen hat sie in den zurückliegenden Jahren als Solistin und in Ensembles mitgestaltet. Dabei erwärmt sich die 35-Jährige als Vertreterin der Computergeneration und des digitalen Kommunizierens durchaus für die heimischen Melodien à la Anton Günther, Hans Soph und Co. Für Kenner der Mundartszenerie ist beispielsweise die Formation Is Barggeschrei aus Aue mit Luise Egermann, Frank Mädler und Thomas Baldauf längst ein Markenzeichen für handgemachte Tonkunst mit Herz.

Doch Luise Egermann kann auch anders, beherrscht mehr als ein Weihnachtsprogramm. Denn neben dem heimischen Dialekt begeistert sich die junge Frau für das Englische ebenso wie für hochdeutsch Gereimtes. Zunehmend stammt dies sogar aus eigener Feder. Die Erzgebirgerin ist eine genreübergreifende Weltenbummlerin. "Meine Begeisterung gehört genauso dem zupackenden, von hämmernden Bässen und krassen Gitarrenklängen bestimmten Symphonic-Metal-Sound, den ich in der Band Natussummori spiele. Genauso leidenschaftlich bringe ich mich in das Projekt Shamrock Sheep ein, einer im Erzgebirge beheimateten Irish-Folk-Formation", skizziert Luise Egermann ihre Bandbreite. Auch auf der klassischen Schiene ist sie zuhause, so spielt die gebürtige Schwarzenbergerin in sinfonischen Orchestern genauso mit, wie sie kammermusikalische Gruppen verstärkt.

Was für Außenstehende einer thematisch widerstreitenden Tonkombination gleicht, ist für Luisa Egermann keine Dissonanz. "Ich denke nicht in Schubladen. Für mich ist die thematische Tiefe eines Vorhabens wichtig, egal welche Stilistik, es muss mir Spaß machen und mich inspirieren. In den von mir verfolgten Vorhaben fühle ich mich gut aufgehoben, es herrscht sowohl unter den Mitwirkenden als auch mit dem jeweiligen Publikum ein aufgeschlossenes Miteinander. Man fühlt sich angenommen und umarmt, eben Familienatmosphäre. Das gibt schöpferische Kraft", so Luise Egermann, für die die Musik die geeignete Gelegenheit ist, sich zu artikulieren. "Und da braucht es noch nicht einmal der Worte."

Die Pflege der Muttersprache sei für sie eine Selbstverständlichkeit. "Mit Erzgebirgisch bin ich groß geworden, in unserer Großfamilie wurde die Hausmusik gepflegt. Die überlieferten Weisen unserer Vorfahren zu spielen, dasist weit mehr, als die von so manchem spöttisch als Trallala bezeichnete Volksmusik aufzuführen. Sie bringt ein oft von Naturbeobachtungen und Lebensweisheiten bestimmtes Lebensgefühl zum Ausdruck. Als ich klein war und noch nicht sprechen konnte, nahm mich meine Urgroßmutter oft auf ihren Schoß und sang mir Lieder vor. Sie besaß ein Klavier, und da war es ganz selbstverständlich, dass ich es spielen lernte."

Mit Opa Gotthard Neubert hatte die Enkelin einen heimatverbundenen Wanderleiter im örtlichen Erzgebirgszweigverein an der Seite, der das Interesse für heimisches Brauchtum und Lebensart der Erzgebirger schon früh bei der Kleinen zu wecken verstand. "Ich sang in der Kurrende, im Kirchen- und im Schulchor, nahm weitere Klavierstunden bei Lehrern der klassischen und der Popularmusik. Ich erinnere mich an die Teilnahme an den erzgebirgischen Jugendkulturtagen in Annaberg, wo ich mit meinen Darbietungen selbst gestandenen Kollegen aufgefallen bin."

Doch nicht der Musik galt nach dem Abitur die berufliche Orientierung. "Um in der Heimat zu bleiben, habe ich an der Technischen Universität Chemnitz meinen Magister in Germanistik und grafischer Technik gemacht. Damit war die solide Basis für meine selbstständige Tätigkeit als Medien- und Eventgestalterin gelegt." Als solche hat die 35-Jährige die nicht einfachen Berufseinsteigerjahre gemeistert und sich etabliert, da sie es versteht, mit kreativen Marketingideen Zielgruppen zu finden. "Das reicht vom Gestalten von Visitenkarten bis hin zum Aufbau von Internetpräsentationen."

Unter der Vielzahl der aktuellen Projekte verfolgt Luise Egermann jetzt zielstrebiger ihr Soloprogramm. "Gerade in den zurückliegenden Corona-Stillstandstagen habe ich die Gelegenheit genutzt, daran zu feilen, mein Repertoire zu überarbeiten, neue Ziele zu setzen." Zu bevorstehenden Auftritten gehört die zehnte Auflage der Erzgebirgischen Liedertour, die pandemiebedingt am 13. September 2020 rund um Olbernhau mit 13 Wander- und Musikstationen über die Bühne im Grünen gehen wird.


So läuft der Mundartwettbewerb 2020

Diese Neuauflage der Suche nach dem erzgebirgischen Wort, gemeinsam organisiert von "Freie Presse" und Erzgebirgsverein, hat es in sich:Dieses Mal geht es nicht allein um einfache Worte, sondern auch um Reime und einen Song.

Wie immer gesucht: Ihr Lieblingswort in erzgebirgischer Mundart, diesmal zum Thema Hobby & Freizeit.

Zudem können Sie, liebe Leser, Ihrer Reim-Ader Zucker geben: für eine Hommage an Ihren Wohn- oder Lieblingsort im Erzgebirge. Mundart-Musiker Hendrik Seibt hat die Melodie komponiert und einen Beispiel-Reim gemacht - natürlich auf seinen Heimatort Gelenau. Erstmals zu hören ist der neue Erzgebirgssong wohl zur Abschlussveranstaltung Ende Oktober.

Nun ist es an Ihnen. Bringen Sie Ihren Wohn- oder Lieblingsort humorvoll in acht sich reimenden Zeilen in erzgebirgischer Mundart auf den Punkt. Eine Jury wird die schönsten Reime auswählen. Ihre Mundartworte und/oder Ihren Achtzeiler, gern auch in einem Video vorgetragen, senden Sie bitte an: "Freie Presse", Lokalredaktion Aue, 08280, Schneeberger Straße 17, oder per E-Mail an: red.aue@freiepresse.de.

Einsendeschlussist der 1. September. Teilnehmer erklären sich gegenüber der CVD GmbH & Co. KG einverstanden, dass ihre Zusendungen kostenfrei veröffentlicht werden können - in gedruckter wie digitaler Form. (alu)

Alle bisherigen Zusendungen finden Sie unter: www.freiepresse.de/mundart

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