Mordfall Christopher - Ein Täter äußert sich zum Motiv

Am Dienstag beantworteten zwei der Angeklagten Fragen zur Tat. Dann sprachen die Rechtsmediziner. Die Liste der Verletzungen des Opfers ist mehrere Seite lang.

Aue/Chemnitz.

Dieses Frage- und Antwortspiel hat sich drei Monate hingezogen. Weil die Verteidiger Fragen an ihre Mandanten nur schriftlich zugelassen haben und die Antworten zwingend von bestimmten Gutachtern gehört werden mussten, deren Terminkalender nicht einfach zu koordinieren waren, wurden am gestrigen Dienstag Fragen auf Antworten gegeben, die im Februar gestellt worden sind.

Zwei der drei Angeklagten machten dabei vor dem Landgericht Chemnitz noch einmal Angaben zur Ermordung von Christopher W. (29), der im April 2018 in einem abbruchreifen Gebäude am alten Güterbahnhof in Aue von den drei jungen Männern, die er für seine Freunde hielt, totgeprügelt worden ist.

Christoph Ulrich

Ulrichs Bilanz:Der „Freie Presse“-Wirtschaftsnewsletter von Chef­korrespondent Christoph Ulrich

kostenlos bestellen

Stephan H. (22) ließ seinen Anwalt Hans-Ulrich Biernert vortragen, er habe geglaubt, Christopher habe etwas damit zu tun, dass seine Freundin Schluss gemacht hat. Das habe ihm Terenc H. erzählt. Deshalb habe er auf Christopher eingeschlagen. "Die anderen beiden wurden immer aggressiver", las Biernert. "Es schien mir, als sei es für sie das Normalste, jemanden umzubringen. Ich schäme mich immer mehr dafür."

Nach Darstellung von Stephan H. legte Jens H. (22) den Kopf des Opfers auf die Stahlkante einer Grube. Terenc H. (27) soll dann mehrfach auf Christophers Hinterkopf getreten haben - das war eine der brutalsten Gewalteinwirkungen, die das Opfer erlitten hat. Terenc H. ließ durch seinen Anwalt Uwe Lang erklären, er erinnere sich nicht an das Geschehen an der Grubenkante, könne sich jedoch nicht vorstellen, dass er den Geschädigten derart getreten hat. Terenc H. und Christopher W. galten in Aue als beste Freunde. Dass er Stephan H. mit einer Lüge angestiftet hat, bestreitet Terenc H.: "Ich wusste bis zur Verhandlung nicht einmal, dass der H. eine Freundin hat", sagte er.

Der Blutspuren-Experte Benjamin Ondruschka legte dar, dass die Täter Christopher W. mit Schlägen durch zwei Räume getrieben haben. An der Grube, in der später die Leiche gefunden wurde, sei das Epizentrum der Gewalt gewesen.

Der Rechtsmediziner Christian König, der den Leichnam obduziert hatte, beschrieb die Verletzungen des Toten. Seine Aufzählung füllte mehrere Seiten voller Brüche, Risse, Quetschungen, Zertrümmerungen, Abschürfungen, Zerreißungen und Einblutungen bis hin zum "Eindringen von Knochenfragmenten ins Hirngewebe". Das alles habe Christopher W. binnen Minuten erlitten. "Maximal 15 bis 20 Minuten", sagte König. Das Opfer starb schließlich an einer Hirnstammprellung- und -zertrümmerung. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...