Pläne eines Bio-Bauern stören Siedlungsidylle auf Hammerberg

In Rittersgrün will ein Landwirtschaftsbetrieb Heumilch herstellen. Dafür sind Trocknungszelte und Lagermöglichkeiten nötig. Die Baugenehmigung liegt vor - doch Anwohner legten Widerspruch ein.

Rittersgrün.

Der Hammerberg in Rittersgrün ist ein herrliches Fleckchen Erde. Schöne Ausblicke, viel Natur und keine Bebauung in Reih und Glied - wer dort sein Häuschen hat, darf sich glücklich schätzen. Doch hinter der Idylle der Streusiedlung brodelt es: Grund sind Baupläne des Bio-Landwirtschaftsbetriebs Nestler, der ebenfalls auf dem Hammerberg ansässig ist. Weil dieser Familienbetrieb zukünftig Heumilch produzieren will, benötigt er Trocknungszelte und Lagermöglichkeiten. "Mittlerweile haben 36 Personen gegen die Baugenehmigung Widerspruch eingelegt", sagt Anwohner Nils Hauer.

"Das sollen riesige grüne Plastikzelte werden - nur wenige Meter von den Einfamilienhäusern entfernt", umreißt Anwohnerin Christiane Weitzel das Problem. Längst habe sich eine Art Bürgerinitiative zusammengefunden, die gegen die Pläne mobil macht. "Das kann uns doch nicht egal sein. Andere Bauprojekte auf dem Hammerberg wurden abgelehnt, und jetzt sollen uns diese Zelte direkt vor die Nase gesetzt werden", ärgert sich Weitzel. Und weil ihr der Bebauungsplan vorliegt, ahnt sie jetzt schon, wie die drei bis zu 7,5 Meter hohen Zelte nahe der Wohnanlage wirken würden. "Zwei davon sind 45 Meter lang", sagt sie.

Christoph Ulrich

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Margita Wurlitzer, ebenfalls betroffen, weil eines der Zelte nur etwa zehn Meter von ihrem Haus entfernt stehen würde, ist enttäuscht. "Wir haben jahrelang mit dem Bauern sympathisiert und in Frieden miteinander gelebt, aber so geht das nicht", so Wurlitzer. Sie stört sich nicht nur am Aussehen der Zelte, befürchtet auch Beeinträchtigungen durch große Ventilatoren, ein Notstromaggregat und einen Melk-Roboter. "Allein die Ventilatoren entwickeln bis zu 85 Dezibel - das ist, als hätten wir eine Hauptstraße vor dem Haus", so Hauer. Ärgerlich sei, dass der Lärmschutz erst nach Fertigstellung überprüft werden soll.

"Auch die Entwässerung ist fragwürdig. Das ist ja alles versiegelte Fläche", bringt Weitzel einen weiteren Aspekt ins Spiel. Besonders aber ärgert die Anwohner, dass im Vorfeld der Baugenehmigung nichts zu ihnen - wie sie selbst sagen - durchgedrungen sei. "Eine Angelegenheit der laufenden Verwaltung sei das gewesen, ist in den Akten vermerkt", sagt Weitzel. Ein Unding aus ihrer Sicht, denn diese Formulierung bedeute ja, dass sich der Gemeinderat nicht damit beschäftigen musste.

Bürgermeister Ralf Fischer (CDU) weist solche Vorwürfe allerdings strikt von sich: "Natürlich gibt es einen Beschluss dazu." Auch versteht er die Aufregung nicht. "Der Gemeinderat Breitenbrunn und der Ortschaftsrat Rittersgrün haben dem Bauvorhaben mehrheitlich zugestimmt. Im Vorfeld gab es einen ausführlichen und konstruktiven Meinungsstreit mit allen Beteiligten", so Fischer. "Und im Ergebnis einen zusätzlichen Grundstückskauf und eine Projektänderung." Aus seiner Sicht sei das ein guter Kompromiss. Was jetzt hochkoche, sei das Problem einzelner Anwohner des Hammerbergs und kein Problem der gesamten Siedlung. "Es bleibt - weil es keinen Bebauungsplan für das Gebiet gibt und es sich um eine Streusiedlung handelt - einfach ein Risiko. Die Anwohner müssen damit leben, da immer von Fall zu Fall entschieden wird", sagt Fischer und verweist darauf, dass das Bauvorhaben des Landwirtschaftsbetriebs zu den privilegierten Vorhaben gehört.

Landwirt Jörg Nestler ärgert sich über den rauen Wind, der ihm momentan am Hammerberg entgegenweht. "Wir haben unsere Vorhaben angepasst und ein zusätzliches Stück Land gekauft. Damit rücken wir ausreichend von den letzten Wohnhäusern und den öffentlichen Straßen weg. Ich habe den Eindruck, dass das gar keinen interessiert", sagt Nestler. "Egal, was wir machen, ein paar Leuten passt es nie."

Aus Weitzels Sicht jedoch verschiebt sich das Problem nur weiter nach oben: "Uns wurde schon so viel versprochen. Warum sollen Nestlers jetzt gerade das einhalten?" 30 Nachbarn wollen juristische Schritte einleiten und haben einen Anwalt mit dem Fall beauftragt.

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