Stillstand gibt es bei "Maschine" nicht

Der langjährige Frontmann der Puhdys kommt für zwei Konzerte mit den Erzgebirgischen Philharmonikern in die Region

Aue.

"Kino für die Ohren" verspricht das 3. Philharmonische Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie. Dabei dreht sich alles um Filmmusik-Klassiker. Der Bogen wird gespannt von "Frozen" über "Titanic" bis zu "Die Legende von Paul und Paula". Der Film, der diesem Abend zwei besondere Gäste beschert: Peter Gotthard, Autor der bekannten Filmmusik, und Dieter "Maschine" Birr, langjähriger Frontmann der Puhdys. Redakteurin Antje Flath hat im Vorfeld mit Birr gesprochen.

Freie Presse: Der Name Dieter "Maschine" Birr ist untrennbar mit den Puhdys verbunden. Die Band hat fast 50 Jahre auf der Bühne gestanden. Vermissen Sie Ihre ehemaligen Bandkollegen?

Dieter Birr: Ich blicke gern zurück auf die gemeinsame Zeit und bin immer wieder überrascht, was wir alles gemacht haben. Aber vermissen - nein.

Das Album "Neubeginner" steht für neue musikalische Wege, die Sie gehen. Welche sind das?

Ich habe wieder eine neue Band. Das heißt für mich auch, ich bin nun allein verantwortlich - sowohl musikalisch als auch geschäftlich. In der kommenden Woche - am 16. November - erscheint unsere neue CD "Alle Winter wieder". Damit geht es ab 1. Dezember auf Tour. Die führt uns am 22. Dezember unter anderem nach Chemnitz in die dortige Stadthalle.

Eine ganz neue musikalische Facette dürfte die Zusammenarbeit mit der Erzgebirgischen Philharmonie begründen. Oder hat es Ähnliches schon gegeben?

Mit den Erzgebirgern noch nicht. Aber ansonsten hat es ähnliche Projekte schon vielfach gegeben. Erst am Wochenende war ich beim Filmmusikfestival in Halle mit dabei - übrigens auch mit Peter Gotthard, dem dort der diesjährige Deutsche Filmmusikpreis national überreicht wurde. Dort habe ich zusammen mit der Staatskapelle Halle musiziert. Und bei unserer Konzertreihe Ostrock-Klassik haben wir viel mit dem Babelsberger Filmorchester zusammengearbeitet. Aber es ist trotzdem immer wieder spannend, vor solchen großen Klangkörpern zu stehen.

Einer der Klassiker, um die es in den beiden Philharmonischen Konzerten geht, ist der Film "Die Legende von Paul und Paula". Wie sehr hat dieser Film Ihren musikalischen Weg geprägt und prägt ihn möglicherweise auch heute noch?

Ich spiele diese beiden Titel, "Geh zu ihr" und "Wenn ein Mensch lebt", bis heute, und werde sie wohl auch noch bis an mein Lebensende spielen. Aber das ist schon in Ordnung. Haben doch diese beiden Songs die Puhdys bei einer breiten Masse populär gemacht - auch im Westen. Dass sich die Musik des Films so verselbstständigen würde, hat uns damals alle überrascht. Wichtig ist für mich aber, dass man sich nicht auf alten Erfolgen ausruht, sondern immer wieder Neues wagt.

Noch laufen die Proben. Dennoch die Frage: Wie fällt Ihr erstes Fazit zu diesem musikalischen Crossover-Projekt aus? Können Sie sich weitere vorstellen?

Durchaus, wir haben ja auch bei den Puhdys schon ganz unterschiedliche musikalische Richtungen bedient, zum Beispiel Weihnachtsmusik gemacht. Was die Proben angeht, machen das die Philharmoniker vorerst noch unter sich. Ich steige erst Samstagvormittag mit ein. Aber im Großen und Ganzen ist das ja für mich ein normaler Auftritt, bei dem ich zwei Lieder singe.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Erzgebirge?

Als Puhdys waren wir ja schon oft da. Ich war sogar als Schüler schon mal in der Region. Da habe ich in einer Spinnerei gearbeitet, um Geld zu verdienen. Leider weiß ich den Ort nicht mehr. Aber ich kann mich erinnern, es war ein bisschen langweilig und vor allem sehr laut.


Zur Person

Dieter "Maschine" Birr wurde 1944 in Köslin in Pommern geboren. Ausgebildet als Universalschleifer, hat er sich das Gitarrespielen selbst beigebracht. Von 1966 bis 1972 hat er dann an der Musikschule Friedrichshain in Ostberlin Tanzmusik, Musiktheorie und Gitarre studiert. Parallel dazu hat er bis 1969 schon in verschiedenen Bands gespielt. Bis sich 1969 die Puhdys gründeten, die sich in den folgenden Jahren zu einer der erfolgreichsten Rockbands der DDR entwickelten. Dieter Birr wurde ihr Gesicht: Frontmann, Sänger, Gitarrist und Komponist. Seinen Spitznamen "Maschine" hat er übrigens von Bandkollege Peter Meyer erhalten. Er soll einmal gesagt haben: "Er frisst für drei, 'ne richtige Fressmaschine." Dieter Birr wohnt in Berlin. (af)


"Kino für die Ohren"

Filmmusik-Klassiker stehen im Mittelpunkt des 3. Philharmonischen Konzertes der Erzgebirgischen Philharmonie. Das steht heute Abend im Kulturhaus in Aue und am Montagabend im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz, jeweils ab 19.30 Uhr, auf dem Programm. Allerdings ist die Veranstaltung im Theater bereits ausverkauft. Die musikalische Leitung des Konzertes liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi. Zweiter Solist der beiden Abende ist neben Dieter "Maschine" Birr der Solo- Klarinettist der Philharmonie Ronny Wiese. (af)

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