Studenten blicken über den Gartenzaun

Angehende Landschafts-architekten von der Fachhochschule Erfurt analysieren derzeit den Bestand der Kleingartenanlagen in Schwarzenberg und wagen einen Blick in die Zukunft. Für die Stadt ist diese schwierige Semesterarbeit ein echtes Schnäppchen.

Schwarzenberg.

Um es vorweg zu nehmen: Kein Kleingärtner aus Schwarzenberg muss sich ernsthaft Sorgen um den Fortbestand seiner Parzelle machen - so er sie weiterhin nutzen will. Doch die Vorsitzenden der insgesamt 22 Kleingartenanlagen, die es im Stadtgebiet gibt, wissen um die hohe Anzahl derer, die ihren Schrebergarten bereits altersbedingt aufgeben mussten. Nachnutzer sind heute rar geworden.

"Früher gab es Wartelisten, heute haben wir drei schöne Gärten frei, sogar nahe am Parkplatz", sagt Dieter Riegel. Er ist der Vorsitzende der Kleingartenanlage Rosenthal. Von den einst 171 Gärten dort sind aktuell noch 120 verpachtet. Inzwischen wurden bereits kleinere Parzellen zu größeren zusammengelegt. Und es gibt Leerstand, aktuell 20 Gärten. Die Pächter werden älter, die Arbeit, die in den Anlagen für alle Nutzer anfällt, damit auch beschwerlicher. "Wir denken über Rückbau nach. Und wir bräuchten Hilfe beim Wegebau oder auch beim Ausforsten."

Das alles erzählt Dieter Riegel den vier jungen Leuten, mit denen er am Tisch vor dem Vereinsheim sitzt. Vor ihnen liegt die Karte, in der alle Parzellen eingezeichnet sind. Die jungen Leute sind jedoch keine interessierten Anwärter für ein Gartengrundstück. Sie sind Studenten der Fachhochschule (FH) Erfurt und absolvieren derzeit das letzte Semester ihres Studiengangs zum Landschaftsarchitekten.

Doch wie kommen sie nach Schwarzenberg? Das Bindeglied ist Gerd Tschersich. Der diplomierte Landschaftsarchitekt hat schon mehrfach für die Stadt gearbeitet. Zudem ist er als Dozent an der FH in Erfurt tätig. Die Stadt Schwarzenberg, so erzählte Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU) zur Begrüßung der jungen Gäste in dieser Woche, habe bereits einige Male Anlauf genommen, um eine solche Zusammenarbeit mit Studenten einer Hochschule anzuschieben. Nun hat es geklappt. Tschersich hat das komplizierte Thema "Kleingartenanlagen, deren Zukunft und Funktion als grüner Ring um eine Stadt" zum Kern einer Semesterarbeit gemacht. Genau deshalb stecken die 25 Studenten, unter ihnen auch sechs junge Leute aus China, derzeit neugierig ihre Köpfe über die Gartenzäune in Schwarzenberg. Anne Lexow, die aus Leipzig stammt, erklärt: "Nach einer Bestandsanalyse wollen wir die Potenziale der Anlagen prüfen und später unsere Ideen einbringen, was man auf lange Sicht wie daraus entwickeln kann."

22 Kleinanlagen mit 1098 Gärten im Sinne des Bundeskleingartengesetzes gibt es in der Stadt. Gesamtfläche gut 44 Hektar. Davon befinden sich zwölf Anlagen auf städtischem Grund, fünf auf ausschließlich privatem Grund, und bei weiteren fünf Anlagen sind die Grundstücke teils städtisch, teils privat. Alles das müssen die Studenten bei ihrer Arbeit bedenken. Auch, wie die Menschen hier ticken. Einen groben Einblick in die mehr als 860-jährige Stadtgeschichte erhielten sie gleich zu Beginn des Projekts bei einer Stadtführung von Türmer Gerd Schlesinger.

Für Wei Yi, der aus China kommt, sind Kleingärten etwas komplett Neues. "Etwas Vergleichbares gibt es bei uns nicht", sagt der junge Mann. Für Vanessa Bornemann, die aus Köln stammt, ist es hier "ja generell schön grün". Doch Aufgabe bleibt Aufgabe, und so werden sich die angehenden Landschaftsarchitektinnen und -architekten sehr intensiv der schwierigen Sache widmen. Und das nicht nur, weil es ihre große Semesterarbeit ist. "Es ist spannend und keineswegs nur ein Schwarzenberger Problem", sagt Tschersich.

Im Rathaus der Stadt ist man sehr gespannt auf die jungen Ideen, die am Ende vielleicht in der zu erstellenden Konzeption stehen. Und zugleich packen die Studenten damit eine Mammutaufgabe an, für die in der Verwaltung bislang die Kapazität fehlte. "Und es wird nicht so teuer, als wenn wir ein Büro beauftragen würden", meint Hiemer.

Petra Kögler, die Geschäftsführerin des Verbands der Kleingärtner, hat alle Kontakte und Zuarbeiten geliefert. Auch sie ist neugierig auf das, was die 25 jungen Leute im Frühjahr 2019 in Erfurt den Schwarzenbergern über den grünen Gürtel ihrer Stadt und dessen Entwicklungsmöglichkeiten offenbaren werden.

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