Zweckverband: Kein Grund zur Sorge bei Trinkwasserversorgung

Zwei Tage Regen gleichen das Niederschlagsdefizit von Wochen nicht aus. An Gewässern gilt darum ein Schöpfverbot. Talsperren sind aber noch gut gefüllt.

Aue/Schwarzenberg.

Für einen Kubikmeter Trinkwasser bezahlen Kunden der Wasserwerke Westerzgebirge 1,95 Euro zuzüglich sieben Prozent Mehrwertsteuer. Kann es sich der Zweckverband, der hinter den Wasserwerken steht, und damit die Allgemeinheit leisten, in Zeiten lang anhaltender Trockenheit - da ändern zwei, drei Regentage kaum etwas - bei Rohrnetzspülungen eine halbe Stunde und länger Wasser in den Gully laufen zu lassen? Passiert ist das diese Woche in Schwarzenberg-Sonnenleithe, was prompt zu Anrufen verärgerter Bürger bei den Wasserwerken und auch am Lesertelefon der "Freien Presse" führte.

"Wir gehen mit dem Thema verantwortungsvoll um, denn Trinkwasser ist ein Lebensmittel", erklärt André Clauß, stellvertretender Geschäftsführer des in Schwarzenberg sitzenden Zweckverbandes Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW). "Die regelmäßigen Spülungen sind notwendig, wir müssen sie uns also leisten. Gerade auch dann, wenn sich der Boden erwärmt hat. Es darf nicht zu Keimbildungen in den Leitungen kommen", sagt Clauß. Die Vorgaben der deutschen Trinkwasserverordnung sind streng, regelmäßig nehmen die Gesundheitsämter Proben.


Der ZWW ist für die Trinkwasserversorgung in den Altkreisen Aue und Schwarzenberg zuständig, dazu in Zwönitz und Elterlein, jeweils inklusive einiger Ortsteile. Im Verbandsgebiet liegt ein 1677 Kilometer langes Trinkwasser-Rohrnetz. Davon sind 1117 Kilometer Haupt- und 560 Kilometer Anschlussleitung. Bei Spülungen soll laut Clauß einerseits die Versorgung im betroffenen Gebiet nicht zu lange unterbrochen werden, andererseits drehe man nicht einfach mal den Hydranten auf: "Es gibt Spülpläne." Im Vergleich zu früher sei die Anzahl der Spülungen reduziert worden, sie dauern aber mitunter etwas länger und sind oft mit einer Hydrantenmessung verbunden. "Die Netzverluste konnten wir 2018 auf 9 Prozent senken. 1990 waren es noch über 55 Prozent. Auch die Spülverluste gilt es weiter zu minimieren", so der Mann vom ZWW. "Ganz pragmatisch: Trinkwasser, das irgendwo versickert oder in den Gully läuft, können wir nicht verkaufen."

Dass dadurch aber die Wasserversorgung in Gefahr gerät, wo doch der Erzgebirgskreis, die Stadt Chemnitz und nun auch der Landkreis Zwickau Pump- und Schöpfverbote erlassen haben, um öffentlichen Gewässern nicht zusätzlich das Wasser abzugraben, verneint André Clauß. "In Sachen Trinkwasser gibt es keinen Grund zur Besorgnis, es ist auch angesichts der erneut angekündigten heißen Tage keine Rationierung erforderlich." Es gebe ein gut ausgebautes Fernwassersystem, und dies nutze man, um eigene Reservoire zu schonen. Und so werden auch hitzebedingte Spitzenverbräuche abgefedert, wie sie im Juni auftraten.

Der Blick auf die Trinkwassertalsperren im Westerzgebirge beruhigt ebenfalls: Sie sind gut gefüllt, nachdem sie 2018 viel Wasser hergeben mussten. "Sachsens Talsperren erfüllen derzeit genau den Zweck, für den sie gebaut wurden: Im niederschlagsreichen ersten Quartal dieses Jahres haben sie Wasser zwischengespeichert, das nun in einer eher trockenen Periode für die unterschiedlichen Nutzungen abgegeben wird", so Britta Andreas von der Landestalsperrenverwaltung. Aufgrund der geringen Niederschläge in den zurückliegenden Wochen sind die Zuflüsse in die Talsperren rückläufig, die Füllstände sinken langsam. "Das hat noch keine Auswirkungen auf die Rohwasserbereitstellung, weder für Trink- noch für Brauchwasser", sagt Andreas. Die Talsperre Eibenstock hat einen Füllstand von derzeit 93,7 Prozent, zur selben Zeit 2018 waren es 91 Prozent. Von der Talsperre Carlsfeld werden 97,9 Prozent (95,1) gemeldet, von der Talsperre Sosa gar 101,4Prozent (83,6), was wegen einer besonderen Bewirtschaftungssituation der Fall ist.

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