10 Jahre Landkreis: Das Erzgebirge feiert

Bei der Bergparade in der Kreisstadt kommt Gänsehaut-Atmosphäre auf. Der Zusammenhalt der Menschen in der Region wird im Festzelt an der Marienberger Baldauf-Villa beschworen.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Hunderte Menschen haben am Samstag in Annaberg-Buchholz zusammen mit ihren Gästen aus den Partnerlandkreisen den zehnten Geburtstag des Erzgebirgskreises gefeiert. Am 1. August 2008 war aus vier Altkreisen der bevölkerungsreichste Landkreis Sachsens entstanden. Im Vergleich zu anderen Teilen des Freistaates scheinen die Erzgebirger damit vor allem Positives zu verbinden. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung klang das Fest abends mit einem bergmännischen Zapfenstreich aus. Ein Teilnehmer sprach gar von Gänsehaut-Atmosphäre.

Die war schon zuvor auf dem Gelände der Baldauf-Villa in Marienberg spürbar. Als die Marienberger Mundartgruppe "De Pascher" das Anton-Günther-Stück "Wu de Wälder haamlich rauschen" anstimmten, summten die mehr als 100 geladenen Gäste im Festzelt mit. Und als zum Schluss der Steigermarsch erklang, standen alle auf und sangen die Strophen runter wie eine Fußballelf ihre Nationalhymne.

Diese Szene versinnbildlichte zugleich, was die Stärke der Erzgebirger ausmacht: ein tief in ihrer Bergbautradition verwurzeltes Zusammengehörigkeitsgefühl - nicht zuletzt entstanden aus Not, die zusammenschweißt. Die Stärke besteht auch im Stolz, gemeinsam Schwierigkeiten zu überwinden und etwas erreichen zu können. Darin dürfte ein Grund liegen, dass sich die Aufregung in Grenzen hielt, als die Identität der Erzgebirger 2008 in eine politisch-formelle Verwaltungsstruktur gegossen wurde. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer würdigte denn auch, dass man am ehesten im Erzgebirgskreis sehe, dass zehn Jahre nach der Kreisreform eine große Identifikation und Gemeinsamkeit entstanden sei.

"Manch einer meiner Kollegen schaut neidisch in Richtung Erzgebirge", sagte Landrat Frank Vogel und ging auf die hohe Industrie- und Handwerkerdichte sowie die im Kreis mit 4,6 Prozent niedrigste Arbeitslosenquote Sachsens ein. Vogel sprach von der touristischen Entwicklung und Lebensqualität, die auch junge Leute zu schätzen wüssten. In einem Gesprächskreis kamen denn auch junge Geschäftsleute und Crottendorfs Bürgermeister Sebastian Martin zu Wort, die aus dem Erzgebirge auszogen und später zu ihren Wurzeln zurückkehrten.

Zugleich wurden Probleme laut, die auf die Region zukommen. In zehn Jahren wachse der Bedarf an Arbeitskräften auf 50.000 an, prognostizierte Vogel. Er und Kretschmer hoben die Notwendigkeit eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes hervor. Die Anzahl derer, die in Rente gehen, sei bald doppelt so groß wie die derjenigen, die in den Arbeitsmarkt kommen, verdeutlichte der Ministerpräsident. Er hofft, dabei auch Menschen aus der Ukraine zu gewinnen, die gut zupacken könnten. Dass das Erzgebirge wegen seines erheblichen Lohngefälles zum Rest der Republik noch immer als Armenhaus Deutschlands gilt, kam in der Runde nicht zur Sprache.


Was andere am ERZ schätzen

Was bewundern Sie am Erzgebirgskreis? "Freie Presse" fragte bei Landräten aus Partnerkreisen nach.

Landrat Armin Kroder (Nürnberger Land): Toll findet er den Zusammenhalt der Menschen, die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit, mit der man jedes Mal empfangen werde. Ein wenig neidisch sei er schon - und zwar auf die erfolgreichen Sportler. Insbesondere im Wintersport mit so vielen Olympiasiegern. Gern hätte er auch solche Stützpunkte für den Hochleistungssport.

Landrat Helmut Weiß (Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim):Er ist beeindruckt, dass die starken traditionellen Wurzeln den Erzgebirgskreis nicht daran hindern, sich zu einem starken Standort mit modernsten Betrieben weiterzuentwickeln. Sehr gelungen findet er die Imagekampagne "Gedacht. Gemacht." Da sei der Erzgebirgskreis schon einen Schritt weiter.

Landrat Dr. Jürgen Ludwig (Ansbach): Ihm imponiert es sehr, wie der Erzgebirgskreis mit Mut und Innovationsgeist zahlreiche Veränderungen im letzten Jahrzehnt angepackt hat. Mit dem Erzgebirge habe der Erzgebirgskreis eine äußerst sympathische Dachmarke, so Ludwig, unter der sich alle Teile der Region wiederfinden können.

Landrat Hanno Hurth (Emmendingen): Er bewundert, dass die Menschen nach der Wende große Umbrüche und Veränderungen mit großer Flexibilität und Leistungsbereitschaft erfolgreich gemeistert haben. Der Erzgebirgskreis sei heute eine liebens- und lebenswerte Region, die gerade in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht habe. (fp)

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