Abschied vom Amt bedeutet nicht Abschied von der Musik

Orgelspiel im Gottesdienst, Kurrende, Leitung des Chores und Aufbau eines Orchesters - Wolfgang Franke hat die Dorfchemnitzer Kirchenmusik in vielen Bereichen zu etwas Besonderem gemacht. Am morgigen Sonntag wird er als Kantor verabschiedet.

Dorfchemnitz.

Im heimischen Wohnzimmer ist die geplante Neuerung noch nicht zu spüren: Das Klavier steht spielbereit, überall liegen stapelweise Noten. Doch das Krippenspiel des zurückliegenden Weihnachtsfestes war die letzte große musikalische Aufgabe von Wolfgang Franke. Beim morgigen Sonntagsgottesdienst wird der langjährige Dorfchemnitzer Kantor offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Die Musik ist für Wolfgang Franke seit seiner Jugend ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Sie ist seine Berufung, doch sein Beruf war sie nie. Als Kind hatte der 1943 geborene Franke zunächst Harmonium gelernt. Später kamen Klavier, Orgel und Geige dazu. Trotzdem hat er den Beruf des Elektromaschinenbauers ergriffen, später ein Ingenieurstudium absolviert. Parallel zum Brotberuf allerdings engagierte er sich immer in der Kirchenmusik.

Anfang der 1960er-Jahre absolvierte er dafür beim Karl-Marx-Städter Kirchenmusikdirektor Paul Geilsdorf eine Ausbildung zur Kirchenmusikalischen Hilfskraft, also zum sogenannten D-Kantor. Ab 1967 übernahm Franke in Dorfchemnitz erste Orgeldienste innerhalb der Gottesdienste. Als zwei Jahre später die Pfarrersfamilie wegzog, kam für ihn die Leitung der Kurrende hinzu. Ab 1977 dann war Franke endgültig zum Dreh- und Angelpunkt der lokalen Kirchenmusik geworden: Er übernahm die Leitung des Chores von einer altershalber ausscheidenden Klavierlehrerin. "So bin ich allmählich ins Dirigieren hineingewachsen."

Parallel dazu wurde der Grundstein des heute mehr als 20-köpfigen Laienorchesters gelegt: "Wir haben damals mit zwei Geigen angefangen." Eine davon spielte Franke selbst, die andere Wolfgang Gerlach. Doch der Kirchenmusiker hat seine Eleven stets ermutigt, ebenfalls zum Instrument zu greifen. Und so sind nach und nach weitere Instrumente dazugekommen. Mit mehr als 20 Mitgliedern ist das Ensemble inzwischen so groß und reif, dass auch größere Aufführungen in Dorfchemnitz seit Jahren mit Musikern aus dem eigenen Ort bestritten werden können. Diese Besonderheit hat speziell das jährliche Krippenspiel zu einem Ereignis gemacht, zu dem Besucher aus der gesamten Region kommen. Wolfgang Frankes Geheimnis für diesen Erfolg: Nachwuchsmusiker werden so schnell wie möglich ins Orchester integriert, indem sie mit leichteren Notensätzen ausgestattet werden, die ihrem Können entsprechen.

Inzwischen machen sich bei Wolfgang Franke jedoch erste Zipperlein bemerkbar. Die Hände sind nicht mehr so beweglich wie früher. "Es ist besser, wenn man das selber merkt", verdeutlicht er mit Blick auf seinen für viele Gemeindeglieder überraschenden Rückzug. Die Voraussetzungen fürs Kürzertreten sind zudem denkbar günstig, denn mit Mirjam Richter übernimmt nahtlos eine studierte Kirchenmusikerin den vakanten Posten. Franke: "Es ist für mich das i-Tüpfelchen, dass ich die Leitung jetzt in professionelle Hände geben kann."

Schon seit dem Frühjahr 2018 hatte er über seinen Rückzug nachgedacht, wollte den Dirigentenstab dann aber nicht gerade vor dem 125.Kirchweihjubiläum im Herbst aus der Hand legen.

Nun allerdings ist für den 75-jährigen Kantor Schluss. Jedenfalls mit der Leitung der Ensembles. "Ich bin froh, künftig ein bisschen mehr Freiheiten und Zeit für die Familie zu haben, ohne den Druck fester Termine." Treu bleiben wird Wolfgang Franke der Kirchenmusik dennoch. Zum einen wird er den Chor künftig als Bassbariton verstärken. Zum anderen will er sich auch weiterhin um die Stimmbildung bei der Kurrende kümmern.

Der Gottesdienst mit der Verabschiedung von Wolfgang Franke in den Ruhestand beginnt am morgigen Sonntag um 10 Uhr in der Kirche Dorfchemnitz.

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