Auch Spediteure tragen Maut-Konsequenzen

Ab morgen werden auch auf allen Bundesstraßen - auch im Altkreis Stollberg - Gebühren für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen erhoben. Doch was bedeutet das für die Landstraßen? Und eine weitere Frage lautet: Wer zahlt die Mehreinnahmen für den Staat?

Stollberg.

Noch immer bremsen Autofahrer, wenn sie die blau-grünen, vier Meter hohen Säulen am Straßenrand sehen. Aus Angst, geblitzt zu werden. Doch die Sorge ist unberechtigt. Andere Befürchtungen hingegen schon.

Es handelt sich um keine Geschwindigkeitsmesser, betont Antje Schätzel. Sie ist Pressesprecherin von Toll Collect - dem Unternehmen, das vom Bundesverkehrsministerium mit dem Aufstellen der Geräte beauftragt wurde. Ab morgen kontrollieren sie schwarze Schafe. Allerdings keine Tempo-, sondern Mautsünder. Ab dann gilt die satellitengesteuerte Lkw-Maut für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen nicht mehr nur auf allen deutschen Autobahnen, sondern auch auf jeder Bundesstraße. Im Erzgebirgskreis wurden dafür sechs Kontrollsäulen aufgebaut: an der B 180 in Meinersdorf, der B 174 zwischen Hohndorf und Großolbersdorf, der B 171 in Wolfsberg, der B 101 in Schwarzenberg, der B 180 in Weißbach und der B 95 Ortsausgang Annaberg-Buchholz in Richtung Oberwiesenthal.


Autofahrer können also beruhigt sein. Geblitzt wird an diesen Standorten nicht. Doch statt für schnelles Fahren geahndet zu werden, droht Schleichtempo auf anderen Strecken. Weichen Lkws nun von Bundes- auf Staats- oder Kommunalstraßen aus, um Mautgebühren zu umgehen? Jörg Petzold, Sprecher vom Auto Club Europa im Gebiet Sachsen-Süd, hält die Befürchtung zumindest für berechtigt. "Es hat sich erwiesen, dass nach der Mautpflicht auf Autobahnen mehr Lkws auf nahegelegene Bundesstraßen ausgewichen sind. Wieso sonst wird die Maut nun überhaupt erweitert", sagt der Verkehrsexperte aus Annaberg-Buchholz. Er hegt Zweifel an den Aussagen der Bundesregierung, dass kein Ausweichverkehr zu erwarten sei. "Wir müssen abwarten, wie es sich in den nächsten Monaten entwickelt", ergänzt Petzold.

Das sieht Stephan Kühn, Verkehrspolitiker Sprecher der Grünen im Bundestag, genauso: "Sollte es eine Mehrbelastung mit Lkw-Durchgangsverkehr geben, könnte mit Durchfahrtsverboten reagiert werden." Allerdings sei die Vermutung nur teilweise berechtigt. Transportunternehmen stehen unter Zeit- und Kostendruck, bevorzugen daher schnelle Verkehrswege. Kühn geht indes vielmehr davon aus, dass insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr Transporte auf kleinere Lkw verlagert werden könnten.

Mehrere Spediteure aus dem Erzgebirge erklären ihrerseits, dass kaum ein Transportunternehmen die Maut auf Staatsstraßen umgeht. "Zumindest nicht in Größenordnungen", sagt Frank Schubert, verantwortlich für Controlling bei der Spedition Arendt mit Sitz in Elterlein. Der Zeitdruck sei zu groß, um Umwege in Kauf zu nehmen. Er bestätigt hingegen, dass ein Großteil der neuen Kosten für die Nutzung der Bundesstraßen - der Mautsatz pro Kilometer reicht je nach Schadstoffklasse und Achszahl von 8,1 bis 21,8 Cent - an die Kunden weitergeleitet wird. "Wir bleiben auf 15 bis 20 Prozent der Gebühren sitzen", sagt Schubert.

Andere Speditionen aus dem Erzgebirge wollten sich gegenüber "Freie Presse" gar nicht äußern, ein Transportunternehmer aus Annaberg zumindest anonym. Seine Firma hat acht Lkw und transportiert im Auftrag mehrerer größerer Unternehmen Lebensmittel. "Manche berücksichtigen die Mehrkosten für die Spediteure gleich", so der Firmenchef. Bei anderen müsse jedoch lange verhandelt werden. Und: Die Preise in Sachsen seien vom hohen Druck durch polnische und tschechische Konkurrenz getrieben. Regionale Spediteure müssten sich also gut überlegen, wie vehement sie ihre Mautkosten auf ihre Kunden umlegen.

Christoph Neuberg von der Industrie- und Handelskammer Chemnitz sagt, dass die Erweiterung der Maut ein weiteres Umschwenken in der Politik sei, die Kosten auf die Verursacher umzulegen. Allerdings vollziehe sich diese Wende, ohne die pauschale Steuerfinanzierung abzusenken. "Insofern kritisieren wir die Maut als zusätzliche finanzielle Belastung für die Unternehmen", so Neuberg. (mit jan/svw)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...