Bei Tierschützern umstrittener Zirkus gastiert nun in Stollberg

Unzulässiges Anketten der Elefanten, mangelnde Beschäftigung, zu kalt im Stallzelt: Direktor Hardy Weisheit muss sich dieser Vorwürfe fast in jeder Stadt erwehren - nun auch in Stollberg. Ist die Kritik gerechtfertigt? Und was sagen die Behörden?

Stollberg.

Haben im 21. Jahrhundert - angesichts der höheren Sensibilität für Tierwohl in der Bevölkerung - Elefanten oder Löwen oder Eisbären noch irgendetwas in einem Zirkus zu suchen? Dazu hat Hardy Weisheit eine klare Meinung: "Ohne Tiere ist es nur Varieté. Und Varieté ist ausgestorben." Dagegen gebe es etwa 300 Zirkusse in Deutschland, so der Chef vom Circus Afrika. Seine Schlussfolgerung: Die Leute wollen Tiere im Zelt haben. "Ich spreche die an mich gerichtete Kritik auch in den Vorstellungen an. Die Leute sollen sich selbst ein Bild machen."

Diese Kritik kommt vor allem von der Tierschutzorganisation Peta - in harschen Worten: "Der Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes, fällt immer wieder negativ auf. Nun müssen endlich Konsequenzen folgen", so Biologin Yvonne Würz, die als Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta arbeitet. "Wir sehen zudem Kommunen und private Flächenvermieter in der Verantwortung, Zirkusbetrieben wie diesem zum Schutz von Mensch und Tier den Auftritt zu untersagen." Unzulässiges Anketten der Elefanten während des Tages, mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten, Temperaturen im Stallzelt nahe dem Gefrierpunkt: Die Liste wiederkehrender Verstöße und das damit verbundene Leid der Elefanten sei "schier endlos", so Peta weiter.


Egal, in welcher Stadt Zirkusdirektor Hardy Weisheit sein rotes Manegenzelt aufschlägt, Peta ist schneller - und schlägt Alarm. In Annaberg-Buchholz hat der Stadtrat einst beschlossen, generell Zirkussen mit Wildtieren kommunalen Flächen zu verweigern. Nun ist Weisheit in Stollberg angekommen, an der Auer Straße zwischen Firmengebäuden will er von heute bis Sonntag insgesamt fünf Vorstellungen geben. "Am Samstag um 16 Uhr ist sogar die Taufe unseres neun Wochen alten Kamels", freut sich Weisheit.

Nicht so freudig ist er über die Kritik von Tierschutzorganisationen. Peta speziell nennt er eine Sekte. Viele amtstierärztliche Kontrollen hätten ergeben, dass es seinen Elefanten gut gehe. Weil Peta trotzdem in jeder Stadt, in der sein Zirkus auftritt, harsche Schreiben an Bürgermeister verschicke, habe Weisheit sie wegen Rufmords angezeigt.

Die Stadt Stollberg geht nicht so weit wie Annaberg. Carmen Weidauer vom Liegenschaftsamt sagt, es gebe kein generelles Verbot für Zirkusse auf städtischen Flächen. Der Circus Afrika befinde sich jetzt aber auf einer privaten Fläche. "Im Ausschuss beraten wir regelmäßig, wie wir generell verfahren. Normalerweise lassen wir nur alle zwei Jahre einen Zirkus in die Stadt. Für die zwei großen in Deutschland stellen wir auch städtische Flächen zur Verfügung", so Weidauer. Diese würden ihre Tourneen langfristig planen - im Gegensatz zu kleinen Zirkussen.

Ob die Vorwürfe von Peta wirklich stimmen, ist noch unklar. Das Landratsamt sagte gestern, dass der Zirkus am 2. Mai routinemäßig durch das Veterinäramt des Erzgebirgskreises überprüft werden sollte. "Da der Verantwortliche allerdings nicht angetroffen wurde, konnte die Kontrolle nicht durchgeführt werden. Sie erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt", so Behördensprecher Stefan Pechfelder.

Und Ina Seibold, Leiterin vom Stollberger Ordnungsamt, sagt: "Die Polizei und ich waren gestern vor Ort beim Zirkus. Wir haben nichts auffälliges entdeckt." So würden die Tiere im frischen Stroh stehen, für Elefanten stünde eine kleine Weide zur Verfügung, die Wasserversorgung mache einen guten Eindruck. "Allerdings sind wir auch keine Veterinärmediziner."

Eine Multimedia-Reportage über den Circus Afrika lesen Sie, wenn Sie diesen Link klicken.

 


Kommentar: Mehr kritisch fragen

Kam früher ein Zirkus in die Stadt, freuten sich die Menschen. Heute eilt den bunten Wagen schon eine meterhohe Debattenwelle voraus. Nehmen wir diesen Auszug aus einem Kontrollbericht zum Tierschutz in einem Zirkus: "Einer Kette zur Fixierung der Tiere fehlte die Polsterung. Diesem Mangel konnte abgeholfen werden." Prima. Alles gut? Nein. Das Problem war nur die Polsterung. Nicht die Ketten. Wir aber sollten fragen: Sind die Gesetze zeitgemäß? Haben Tiere ein Recht auf Freiheit? Und: Warum sind wir zwar traurig - tun aber nichts? Handeln muss nicht so radikal sein wie es Peta macht. Kritische Fragen beim Zirkusbesuch - oder im Kuhstall, im Zoo - wären ein erster Schritt. Die Tiere selbst können es nicht.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    0
    cn3boj00
    09.05.2019

    Peta ist eine eher "militante" Tierschutzorganisation. Man kann sie unterstützen, wenn sie die Missstände bei Massentierhaltung und Schlachthöfen anprangern und dagegen Aktionen durchführen. Aber leider scheinen sie prinzipiell gegen jedwede Tierhaltung zu sein, egal wie die tatsächlichen Umstände sind.
    Festzustellen bleibt, dass Zirkustiere keine Wildtiere sind, auch wenn sie irgendwann mal wilde Vorfahren hatten. Wildtiere aber leben in der Wildnis und können dort auch überleben, ein Zirkustier kann das nicht, es lebt in Partnerschaft mit Menschen. Wie gut oder schlecht diese ist steht auf einem anderen Blatt. Wie auch bei anderen Haustieren. Auf jeden Fall geht es so gut wie jedem Tier, das am Ende auf dem Esstisch landet, schlechter als Zirkustieren! Und auch so manches Haustier in privatbesitz hat ein elenderes Dasein. Deshalb bin ich der meinung, dass man Zirkusse machen lassen soll, natürlich kontrolliert, und da diese ja keine tatsächlichen Wildtiere präsentieren dürfen (also Tiere welche direkt der Wildnis entnommen wurden) erledigt sich das Thema vielleicht sowieso.



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