Berufsschulen rechnen mit mehr Zulauf

Der Erzgebirgskreis investiert kräftig in seine Einrichtungen für den Berufsnachwuchs. Doch selbst beste Ausbildungsbedingungen können nicht alle Probleme klären.

Oelsnitz.

Maschinen zum Laufen bringen, ganze Anlagen programmieren, Systeme auf Funktionstüchtigkeit prüfen - das macht ein Mechatroniker. Auf der Suche nach einem spannenden Beruf kann diese Art Herausforderungen offensichtlich aktuell nur noch wenige junge Leute begeistern. So lagen jetzt an der Fachschule für Mechatronik in Aue zu wenige Anmeldungen vor, um eine diesbezügliche Ausbildung im kommenden Lehrjahr durchführen zu können.

Es ist jedoch laut Stefanie John von der Pressestelle des Landratsamtes der einzige Ausbildungsgang, der im Zuge mangelnder Nachfrage an den drei Berufsschulzentren (BSZ) im Erzgebirgskreis für das kommende Schuljahr abgeblasen werden musste. Auch nach der Neustrukturierung der Berufsschullandschaft im Jahr 2012, bei der die Anzahl der BSZ zwar halbiert wurden, jedoch die Standorte weitestgehend erhalten blieben, wird ein umfangreiches Angebot an Ausbildungsrichtungen für einen Großteil der im Erzgebirgskreis benötigten Fachkräfte vorgehalten.

Zugleich investiert der Erzgebirgskreis als der für das materielle Umfeld zuständige Schulträger große Summen, um die Ausbildungsstätten für den Berufsnachwuchs attraktiv zu machen. In den meisten Schulgebäuden laufen dafür auch aktuell Modernisierungsarbeiten: alte Fenster werden ausgewechselt, Duschen saniert, Kaputtes repariert. Aber auch größere Investitionen gibt es: Im BSZ Zschopau etwa wird die Sporthallen-Beleuchtung auf LED umgerüstet (171.000 Euro) und die technische Gebäudeausrüstung erneuert (533.000 Euro). Im BSZ in Schwarzenberg wiederum geht es um Brandschutz und Bau eines 2.Rettungsweges (65.000 Euro). Und weitere Investitionen für 2019 sind schon eingetaktet, so in die Modernisierung des BSZ Schwarzenberg in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Lob dafür gibt es vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub): "Auf die Werterhaltung wird seitens des Schulträgers großes Augenmerk gelegt", sagt Referentin Michaela Busch.

Auch die Zusicherung weiterer Investitionen durch den Kreis, etwa in eine leistungsstarke W-Lan-Versorgung, kommt beim Lasub gut an.

Derweil hat der Erzgebirgskreis schon einiges vorgelegt. So sind im BSZ Oelsnitz/Aue bereits 19 interaktive Tafeln vorhanden, im BSZ Schneeberg/Schwarzenberg neun und im BSZ Annaberg-Buchholz/ Zschopau fünf. Im BSZ Zschopau wurde das Datennetz aufgepeppt - Kostenpunkt 40.000 Euro. Insgesamt verfügen die Berufsschulzentren des Erzgebirgskreises mittlerweile über 58 Computerkabinette und viele weitere PC-Arbeitsplätze in den Werkstätten und Labors. Darüber hinaus stellt der Erzgebirgskreis den BSZ erhebliche finanzielle Mittel für die Anschaffung moderner Maschinen, Geräte und Schulausstattungen zur Verfügung. "Dafür werden jährlich Hundertausende Euro aufgewendet", so Pressesprecherin Stefanie John.

Mit all dem versucht der Landkreis beim künftigen Berufsnachwuchs zu punkten. Zwar liegen die endgültigen Anmeldezahlen für das kommende Lehrjahr erst Anfang Oktober vor, doch der Erzgebirgskreis ist optimistisch, dass auch 2018/19 mehr Schüler als in den jeweiligen Vorjahren eine Ausbildung an seinen drei BSZ aufnehmen. Im vergangenen Schuljahr 2017/18 war mit 4016 Schülern und Lehrlingen, davon 1052 im 1. Lehrjahr, erstmals wieder das Niveau des Schuljahres 2012/13 erreicht worden. In den Jahren dazwischen hatte die Schülerzahl zunächst abgenommen, sich dann aber Stück für Stück wieder erholt. Für das aktuelle Schuljahr wird sogar noch eine leichte Steigerung über den Wert aus dem Jahr 2012/13 hinaus erwartet. Von früheren Ausbildungszahlen ist der Erzgebirgskreis dennoch weit entfernt. Angesichts des Schülerschwunds hat sich die Anzahl der Auszubildenden in der Region von ehemals 10.000 im Jahr 2003 bis heute halbiert.

In der dualen Ausbildung sind die Lehrlingszahlen aber seit Jahren, etwa im Kfz-Bereich und bei den Erziehungsberufen, hoch und stabil. Aber auch in den vollzeitschulischen Angeboten, vor allem in der Schulart Berufliches Gymnasium, sind die Klassen meist voll belegt, so Pressesprecherin John. Doch nicht nur bei den Mechatronikern gebe es Probleme: Auch bei den Bäckern, in den Berufen des Hotel-und Gaststättenwesens sowie teilweise bei den Elektronikern und bei den Maurern seien viele Plätze für Auszubildende frei geblieben.


Berufsschulzentren (BSZ)

BSZ für Ernährung, Technik und Wirtschaft mit Standorten in Annaberg, Zschopau und Seiffen; Studienqualifizierende Angebote: Fachoberschule (Technik; Wirtschaft und Verwaltung) und Berufliches Gymnasium (Fachrichtung Wirtschaftswissenschaft); duale Berufsausbildung für Regel- und Förderberufe, Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ), Vorbereitungsklassen; 1050 Schüler

BSZ für Ernährung, Sozialwesen und Wirtschaft: Standorte in Schneeberg und Schwarzenberg mit Berufsschule, BVJ, Berufsfachschule, Fachoberschule, Berufliches Gymnasium, Fachschule; besonders nachgefragte Fachrichtungen sind Biotechnologie und Wirtschaftswissenschaften; aktuell 1090 Schüler.

BSZ Gesundheit, Technik, Wirtschaft mit Standorten in Oelsnitz und Aue; Angebote: Berufliches Gymnasium (Technikwissenschaften, Gesundheit und Sozialwesen, Informations- und Kommunikationstechnologie); Fachoberschule (Wirtschaft und Verwaltung), BVJ Bautechnik/Metalltechnik/Naturwissenschaften; Duale Ausbildung (BS); etwa 1950 Schüler.

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