Bevor die Scheibe kracht: Tipps gegen Einbrüche und Diebstahl

Polizisten touren in diesem Sommer erstmals durch die Region, um über Kriminalität aufzuklären. Welche Hilfe können Privatleute und Firmen in Anspruch nehmen?

Lugau.

Einmal konnte Andreas Pforte seinen Bekannten retten. Eine Frau näherte sich dem Mann, hielt ihm mit einer Hand einen Stadtplan vor das Gesicht, bat um Auskunft. Mit der anderen Hand öffnete sie die Bauchtasche des Mannes. Pforte, ein Polizeihauptmeister, sah die Szene aus ein paar Metern Entfernung und ging dazwischen. Die gescheiterte Diebin suchte das Weite.

Mit solchen Tricks kennt sich Andreas Pforte aus. Er ist bei der Polizeidirektion Chemnitz für Prävention zuständig. Am gestrigen Dienstag war er mit seinem Kollegen, Polizeihauptkommissar Uwe Nerger, zunächst in Lugau, später in Oelsnitz unterwegs, um Bürger darüber zu informieren, wie sie sich vor Diebstahl, Einbrüchen oder dem Enkeltrick schützen können. Unterstützt wurden sie von der Bürgerpolizistin Anja Demmler. Die Aktion war Teil einer Präventionstour, die in diesem Jahr erstmals in Sachsen organisiert wurde: Geplant sind 29Stationen in acht Wochen. Passend zu Reisezeit, in der viele Menschen ihre Häuser ohne Aufsicht zurücklassen. Und auch in Urlaubsorten auf Diebe treffen können.


Um Tricks wie den mit dem Stadtplan zu verhindern, rät Pforte: Abstand wahren. Wenn ein Unbekannter ungewöhnlich nah an einen herankommt, ist Vorsicht geboten. Anrempeln, bekleckern - der Polizeihauptmeister nennt verschiedene Maschen, die darauf beruhen, dass einer ablenkt, während ein Komplize zugreift. Auch auf Weihnachtsmärkten oder Volksfesten der Region sei das oft zu beobachten. "Das trifft nicht nur ältere Leute."

Uwe Nerger gehört zur Polizeilichen Beratungsstelle in Chemnitz. Dort arbeiten drei Beamte - für ein Gebiet, das sich von Oelsnitz bis Rechenberg-Bienenmühle erstreckt, von Döbeln bis nach Johanngeorgenstadt. So groß wie das Saarland. Auf Wunsch machen die Polizisten auch Hausbesuche. Kostenlos. In knapp einer Stunde erklären sie Bürgern oder Firmen, wie sie ihre Wohnungen und Läden sichern können. "Wie gehen von außen nach innen vor", sagt Nerger. Zunächst wird die Umfriedung untersucht. Wirkt das Gelände einladend? Gibt es Aufstiegshilfen wie Mülltonnen oder Gartenmöbel? Wie ist die Tür abgeschlossen? Dann geht es in den Innenbereich: Gibt es eine Alarmanlage? Brennt Licht, um Einbrecher abzuschrecken?

All das wird in einem Protokoll festgehalten. Bei Bedarf vermitteln die Polizisten zertifizierte Firmen, die Sicherheitstechnik einbauen. Sobald es auf die dunkle Jahreszeit zugeht, steigt auch die Nachfrage nach Information. "Im Herbst können wir uns vor Anfragen nicht retten", sagt Nerger.

Im Erzgebirgskreis wurden im vergangenen Jahr 117 Wohnungseinbrüche gezählt, dazu kamen 482Ladendiebstähle. Polizeihinweise wie etwa den, keine Fremden in die Wohnung zu lassen, liest man immer wieder. Aber was bringt die Aufklärung tatsächlich? Nerger verweist auf die sogenannte Kölner Studie, die 2018 erschienen ist. Demnach haben Prävention und verschiedene Öffentlichkeitskampagnen dazu beigetragen, dass Fälle von Wohnungseinbrüchen stark zurückgingen. Allerdings räumt Nerger ein: Oft muss erst was passieren, ehe sich Hausbesitzer an die Präventionsstelle wenden.

Am Dienstagvormittag war die Nachfrage groß. Kaum hatten die Polizisten ihren Stand am Lugauer Paletti-Park aufgebaut, kamen die ersten Bürger. Marita Schönherr, eine Lugauerin, will die Polizisten eventuell zu einem Vortrag über Prävention einladen - für sie und ihre Freundinnen. Mysteriöse Anrufe von Unbekannten habe sie auch schon bekommen. Der Enkeltrick? Nicht mit Marit Schönherr. "Ich leg da sofort auf", sagt sie.

Die Präventionstour wird am Freitag, 9 bis 12 Uhr auf dem Thalheimer Markt fortgesetzt. Die Polizeiliche Beratungsstelle ist zu erreichen unter: 0371 387 2990.

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