Der größte Arbeitgeber - und sein Ende

Der Gemeinnützige Förderverein hatte in Thalheim zeitweise bis zu 500 Leute beschäftigt. Nun wird er aufgelöst. Wie konnte es dazu kommen?

Thalheim.

Buden für den Weihnachtsmarkt, Sanierung der Zwönitz, Parkplatzbau am Stadtbad: Der Gemeinnützige Förderverein Thalheim/Erzgebirge (GFTE) war einst größter Arbeitgeber der Stadt - als Auffangbecken für Arbeitslose nach der Wende. Bis zu 500 Menschen seien dort tätig gewesen, so Uwe Fabian, der Ex-Vorsitzende. Doch nun wird der Verein aufgelöst. Warum? Laut Grit Drummer - die Rechtsanwältin ist für die Liquidation zuständig - spielt die Stadt eine fragwürdige Rolle: "Das Verhalten gegenüber dem Verein war nicht ganz fair."

Rückblick, Thalheim, 2014: Der Sitz des GFTE liegt noch an der Robert-Koch-Straße, hinter der ehemaligen Strumpffabrik, 1000 Quadratmeter groß. Der Verein nutzt mehrere Gebäude dort, auch einen Anbau der Fabrikruine. Als die Stadt beschließt, die Fabrik abzureißen, bietet sie dem Verein an, den Anbau gleich mit abzubrechen. Es gebe wohl Fördergelder. Für den GFTE interessant: Beim Verkauf an die Stadt würde Geld für die Vereinskasse herausspringen, und dort, wo der Anbau stand, könnten Parkflächen entstehen. Soweit die Idee. Der GFTE ist einverstanden, entkernt den Anbau.

Doch dann muss Bürgermeister Nico Dittmann dem Verein absagen. Die Fördergeldbedingungen seien neu. Laut Dittmann steht das Geld nur noch für das städtische Abrissprojekt zur Verfügung, also für die Strumpffabrik - nicht für den Anbau, der dem Verein gehört. Der Bürgermeister macht dem Verein ein neues Angebot: Dieser soll ins Berufsbildungszentrum (BBZ) umziehen - mietfrei. Im Gegenzug übernimmt die Stadt das gesamte Vereinsgelände - kostenlos. Zwar gehört das BBZ noch nicht der Stadt. Aber sie verhandelt bereits mit dem Besitzer, so der Bürgermeister.

Fragt man die Vorstandsmitglieder heute, sind einige überrascht. Fabian etwa weiß nichts davon. Nur Birgit Fröhlich, die damals Schriftführerin war, kann sich vage an Dittmanns Ideen erinnern. Jedoch: "Ein Wegzug vom ganzen Areal kam für uns nicht infrage. Wir wollten drin bleiben." Der GFTE zieht in der Tat nicht um. Später, bei einem Blick ins Grundbuch fällt auf, dass sechsstellige Schulden auf dem Fabrik-Anbau lasten. Zu hoch für den Verein.

Da kommt Martin Schweitzer ins Spiel, Chef der Firma SKS Kontakttechnik Niederdorf. Ihm gehört mittlerweile das BBZ. Er bietet dem Verein an, dorthin zu ziehen - mietfrei. Diesmal schlägt der GFTE zu, überlässt Schweitzer dafür das ganze Gelände samt Anbau. Als die Stadt die alte Fabrik abreißt, lässt Schweitzer auch den Anbau abbrechen. Was er mit dem Areal vorhat? Er redet nicht mit "Freie Presse".

Der Verein arbeitet dank Schweitzer weiter. Doch nicht lange. Schweitzer verkauft das BBZ bald - an die Stadt Thalheim. Die will eine Kita im Gebäude einrichten. Dittmann räumt dem Verein zwar nach wie vor eine ganze Etage ein. Aber diesmal will er 100 Euro Monatsmiete plus Nebenkosten. Auf Dauer nicht leistbar, so der GFTE.

Allerdings: Der Verein war schon vor Jahren in finanzielle Schieflage geraten. Einst finanzierte der GFTE seine Aktivitäten vor allem mit Geld vom Arbeitsamt. Das Geld ging an die Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder Minijobs, die der Verein organisierte. Diese Hilfe vom Arbeitsamt wurde dann stetig runtergefahren. Nicht zuletzt, weil die Klientel weiter schrumpfte. Als der Verein noch an der Robert-Koch-Straße war, wurden Garagen vermietet. Auch diese Einnahmequelle brach nach dem Umzug weg.

Und die Frage nach den Schulden ist bis heute unklar. Laut Anwältin Drummer hat sich Schweitzer zwar verpflichtet, den Fabrik-Anbau zu übernehmen. Doch die Übertragung im Grundbuch sei offen. Drummers Ziel: die Schulden löschen zu lassen.

Die Entscheidung, den GFTE aufzulösen, fällten die Mitglieder vor einem Jahr. 2018 verließ der Verein das BBZ. Aber Dittmann sagt: "Nichts ist verlustig gegangen." Die Bibliothek übernahm unverändert der Verein Teelicht. Teile, die aus der Möbel- und Kleiderkammer des GFTE übrig geblieben sind, hat der Stollberger Verein "Miteinander" übernommen. Und jüngst wurde im Stadtrat der GFTE-Vorstand für sein Engagement geehrt. "Ich bin dem Verein sehr dankbar", so Dittmann.

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