Der Pächter, der gleich aus drei Garagen für immer raus muss

Kein guter Umgang: Offenkundig hat die Stadt Stollberg bis heute die betroffenen Bürger nicht darüber informiert, dass deren Garagen bald verschwinden sollen. Ärgerlich ist das für die, die den Platz dringend brauchen. Besonders betroffen: Der 71-jährige Chef einer kleinen Elektrofirma.

Stollberg.

Horst Natschke hält einen Brief in der Hand. Das Papier ist blassgelb. Datum: 11. Februar 2013. "Mit ihrem Mut stärken sie unsere Region", steht da. Oder: "Sie haben einen maßgeblichen Anteil zur wirtschaftlichen Entwicklung im Erzgebirgskreis." Der prominente Absender damals war Landrat Frank Vogel, weil Natschkes Firma zwanzigjähriges Jubiläum hatte. "Von der Stadt habe ich so was nie bekommen."

Für den heute 71-Jährigen ist das mittlerweile schon fast typisch. "Ich habe manchmal den Eindruck: Diese Stadtverwaltung interessiert sich einfach nicht für uns Bürger", sagt der betagte Stollberger.

Denn schon wieder hat er keinen Brief aus dem Rathaus bekommen - und zwar diesmal in einer auch für ihn existenziellen Angelegenheit. Bis heute, so Natschke, wissen er und 15 weitere Garagenpächter an der Goethestraße offiziell nicht, dass sie nicht mehr erwünscht sind. Nur "Freie Presse" berichtete jüngst darüber: Vor knapp zwei Wochen hat der Stadtrat beschlossen, dass 17 Garagen an der Goethestraße und sieben weitere an der Lessingstraße vom Verpächter, also der Stadt, erst gekündigt und mittelfristig abgerissen werden.

Dabei ist Natschke gleich dreifach betroffen. "Eine Garage habe ich schon seit tiefsten DDR-Zeiten, zwei weitere habe ich nach der Wende noch erworben." Der Mann hat bis heute noch eine kleine Elektrofirma, aber viel zu wenig Platz. Etwa 30 Quadratmeter stehen dort als Lagerfläche bereit. Weil dort aber Transporter für die Materiallieferungen nur schlecht parken können, nutzt er die drei Garagen keinen Steinwurf entfernt - es sind auch noch mal 40 Quadratmeter. Dort hat er alles, was er braucht: Werkzeug, Kabel, Draht, Elektrogeräte, Firmenauto, Gerüste. Natschke habe schon die Elektroinstallation für Stahl- oder Metallbaufirmen in Stollberg übernommen. "Wenn ich jetzt hier raus muss, weiß ich nicht, wohin."

Rückblick: Die Stadt wollte hinsichtlich der Garagen-Kündigungen damals erst den Stadtrat informieren und beschließen lassen. Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt: "Denn die vom Rat sehe ich öfters und will es mir mit Ihnen nicht verderben." Danach sollten die bis dato noch ahnungslosen Pächter informiert werden. Doch bis heute ist - so Natschke und die anderen Pächter - nichts geschehen.

Dabei hat es die Stadt denkbar einfach. Denn 1995 trat das sogenannte Schuldenrechtsanpassungsgesetz in Kraft. Das besagt, dass ab 2007 alle Garagen aus DDR-Zeiten demjenigen gehören, auf dessen Grundstück sie gebaut wurden - fast immer ist das die Stadt. Entsprechende Verträge können so oftmals leicht gekündigt werden.

Rennfahrer Max Neukirchner will an der Goethe-/Ecke Schlachthofstraße investieren - sowohl in ein Wohnhaus mit acht Mietwohnungen als auch in eine neue Halle. Die soll, so die ersten Überlegungen, auch der Gemeinnützigen Aus-, Fortbildungs- und Umschulungsgesellschaft (Gafug) mit Sitz in Oberlungwitz als erweiterte und zu vermietende Fläche neben den jetzt schon in der Goethestraße 8 befindlichen Räume dienen. Schmidt: Gewerbe habe Vorrang vor Garagen.

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