Eibenberger Modell: Original ist nach drei Jahren am Netz

Der Zweckverband schließt abgelegene Orte an das Abwasserkanalnetz an und die Bürger beteiligen sich an den Kosten. Dieses Konzept nahm im Burkhardtsdorfer Ortsteil seinen Anfang und ist sachsenweit mittlerweile 63 Mal kopiert worden.

Burkhardtsdorf.

Sieben Jahre sind ins Land gegangen, ehe aus einem Grundsatzgespräch ein umgesetztes Projekt mit Strahlkraft geworden ist. Das sogenannte Eibenberger Modell hat den Anschluss eines öffentlich nicht zu versorgenden Gebiets an das Abwassernetz realisiert. Der Clou: Die Initiative ging von Bürgern im Burkhardtsdorfer Ortsteil aus, die bereit waren, für einen Anschluss in die eigene Tasche zu greifen. Mit 4500 Euro pro Hausanschluss beteiligen sich die Bürger an den Kosten. Bis gebaut werden konnte, waren ungezählte Gespräche notwendig.

Dabei saßen zunächst ziemlich ungleiche Gesprächspartner an einem Tisch. "Für uns war es neu, dass eine Bürgerinitiative für etwas ist und nicht gegen ein Projekt", räumte gestern der Verbandsvorsitzende Joachim Rudler bei der Festveranstaltung zur Einweihung des Modells ein. Doch auch die Bürger, denen Andreas Reuter und Stefan Förster Stimme und Gesicht gaben, mussten neue Erfahrungen machen. "Mit dem ersten Gespräch in Dresden waren wir überhaupt nicht zufrieden", erinnert sich Reuter. Dort seien sie auf keinerlei Entgegenkommen oder Flexibilität getroffen. Trotzdem haben sie weiter an ihrer Sache gearbeitet und in Frank Kippig einen guten Gesprächspartner gefunden. Beim Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW) habe Flexibilität stets an erster Stelle gestanden. Der Chemnitzer Umwelt-Bürgermeister Miko Runkel lobte den Einsatz der Bürger: "Sie haben Zeit investiert, Mühe investiert und Geld investiert - und Sie haben nie locker gelassen."


In den vergangenen drei Jahren sind 102 von 106 Eibenberger Grundstücken und mehrere weitere an der Eibenberger Straße im Chemnitzer Stadtteil Einsiedel an das neue Abwassersystem angeschlossen worden. Dabei sei die Kooperationsbereitschaft der Eibenberger ausschlaggebend für den Erfolg gewesen, sagt Kippig. Schließlich verliefen einige Rohre auch unter Gärten hindurch. Zu dem Projekt gehört auch ein knapp 300 Meter langer Regenwasserkanal und eine Verteilstelle. Insgesamt wurden rund 1,5 Millionen Euro verbaut. Damit blieb die Maßnahme unter der Kostenkalkulation von 1,6 Millionen Euro. Eingeleitet wird das Wasser in das Entwässerungssystem der Stadt Chemnitz. Dazu wurde das Abwassersystem in Einsiedel verlängert.

Für Landrat Frank Vogel dokumentiert dieser Umstand, die gute Zusammenarbeit zwischen dem Erzgebirgskreis und der Stadt Chemnitz. In Eibenberg sei die effizienteste Lösung realisiert worden - über Körperschaftsgrenzen hinweg. Analog zum Eibenberger Modell wurden laut Vogel mittlerweile 63 weitere Projekte in Sachsen realisiert. Allein der ZWW hat positive Verhandlungen mit fast 50 Bürgerinitiativen geführt und leistet einen Anteil von knapp 45 Millionen Euro.

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