Ein Hauch von Chemnitz 2025 weht bereits nach Oelsnitz

Es wächst zusammen, was sich in fünf Jahren idealerweise gemeinsam als Kulturhauptstadt europaweit präsentieren möchte. Der Weg ist noch lang.

Oelsnitz.

Der Funke scheint so langsam aber sicher auf das Chemnitzer Umland überzuspringen. Als am Mittwochnachmittag eine Kulturhauptstadt-Delegation aus internationalen Künstlerinnen und Künstlern mit einiger Verspätung hinter dem Bergbaumuseum ankam, wurden schon beim Aussteigen entschuldigende Worte an die Wartenden gerichtet: "Es tut uns leid. Die Leute in der Region sind so nett, die wollten uns gar nicht mehr gehen lassen."

Die mittlerweile mehr oder weniger verfallenen Gebäude des ehemaligen Schachtgeländes waren mit Bedacht als Stopp auf der Künstlerreise gewählt. "Hier soll sich 2025 unser Beitrag zur Kulturhauptstadt abspielen", erläuterte Oelsnitz' Bürgermeister Bernd Birkigt. Was genau vorgesehen ist, vertiefte der Kurator Alexander Ochs: "Wir wollen aus mehreren Industrieruinen ein neues Gebäude errichten." Sprich aus dem Schrott von Abrissgebäuden aus verschiedenen Orten soll in Augustusburg ein neues Gebäude entstehen. So solle Industriegeschichte bewahrt werden. Und da die Kulturhauptstadt-Bewerbung immer auch den großen Vergleich braucht, blickt Ochs weit in die deutsche Geschichte zurück: "Wir wollen so die Situation der Trümmerfrauen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgreifen."

Wie genau das neue Gebäude aussehen wird, steht freilich noch genauso in den Sternen, wie die Frage, welche Häuser der Abrissbirne zum Opfer fallen sollen. Ein Kandidat dafür allerdings steht in Oelsnitz: Halle 18, das ziemlich verfallene Schachtgebäude hinter der alten Schachtschmiede, die zurzeit einen Teil der Landesausstellung beherbergt. Nach dem Abriss könnte dort ein bisher noch nicht näher definierter Kulturort entstehen.

Doch den Gebäuden des ehemaligen Kaiserin-Augusta-Schachtes kommen noch weitere Verwendungsmöglichkeiten zu. Im früheren Kontorhaus soll Anastasia Khoroshilova, eine Fotokünstlerin aus Russland, arbeiten. Sie möchte Menschen, die eine Beziehung zu den jeweiligen Abrissgebäuden haben, porträtieren. Ihre Werke wiederum werden dann in einer weiteren ehemaligen Schachthalle ausgestellt.

Doch das alles ist erstmal Zukunftsmusik. Zunächst geht es darum, eine Jury davon zu überzeugen, Chemnitz und der Region den Titel der Kulturhauptstadt zu verleihen. Die an die Künstler gerichtete Begrüßungsrede von Bürgermeister Bernd Birkigt kam dabei allerdings etwas steif, fast provinziell daher. Da blitzte auf, wie lang der Weg noch ist von der Idee - für die Birkigt brennt - bis zur tatsächlichen Europäischen Kulturhauptstadt.

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