Erneuter Gastronomenwechsel: Aus "Kammgarn" wird "Maria's"

Ein griechisches Ehepaar hat Leipzig samt Familie und Personal für einen Neustart in Lugau verlassen. Sie wollen hier langfristig Fuß fassen - und stehen mit dieser Hoffnung nicht allein. Denn die Gaststätte im Paletti-Park hat zuletzt immer wieder neue Betreiber erlebt.

Lugau.

Sie haben für ihre Entscheidung einige Zeit gebraucht, gibt Maria Vrettopoulou, die Chefin des neuen "Maria's" im Lugauer Paletti-Park, zu. Denn für sie bedeutete dieser Schritt, ihre gut gehende Gaststätte "Mediterranien" in Leipzig aufzugeben, nicht nur einen beruflichen Neustart. "Wir haben in Leipzig viele Freunde und auch unsere Wohnung verlassen", sagt die 50-Jährige. Zumindest ihre Familie und das Personal des "Mediterranien" haben Maria Vrettopoulou und ihr Mann Sakis Koustandinidis mitgebracht - sie alle arbeiten jetzt nicht nur hier, sondern haben sich auch Wohnungen in Lugau gesucht.

Die neuen Betreiber haben schrittweise mit der Übernahme begonnen. Zunächst öffneten sie nur für die vom Vorgänger übernommenen Reservierungen in der Bowlingbahn und im Restaurant, seit etwa zwei Wochen betreiben sie das Bistro und seit dem Wochenende auch das Restaurant. Es sei in dieser Übergangsphase nicht einfach gewesen, immer die richtigen Mengen zu kaufen und zu kochen, sagt sie. Aber die Resonanz sei sehr gut gewesen. "Wir haben nur gute Worte gehört." Auch ein Treffen der gesamten Paletti-Mieterschaft fand bereits im "Maria's" statt und alle seien sehr zufrieden gewesen. "Wir fühlen uns gut aufgenommen."

Findet damit der ständige Gastronomenwechsel der vergangenen Jahre ein Ende? Geht es nach Maria Vrettopoulou und Sakis Koustandinidis, würden sie das "Maria's" gern auf lange Sicht betreiben. Das hoffen auch Christoph und Jens Haubold, die beiden Inhaber und Geschäftsführer des Paletti-Parks. Von ihnen war die Beendigung des Vertrags mit den vorherigen Gastronomen nach nur anderthalb Jahren ausgegangen, weil Haubolds Erwartungen an die Gastlichkeit und "hinsichtlich der Akzeptanz durch die Besucher und das Umfeld unerfüllt geblieben sind".

Jens Stahlmann - auch er war einst für knapp drei Jahre Betreiber des "Kammgarn" - glaubt, die Ursache für die häufigen Gastronomenwechsel zu kennen. Die Miete sei viel zu hoch und gerade in den Sommermonaten, wenn die Bowlingbahn wenig besucht werde, kaum zu erwirtschaften, sagt er. Das wollen Christoph Haubold und sein Sohn allerdings so nicht stehen lassen. "Das lag nicht an der Miete, es hat einfach die Gastlichkeit gefehlt", sagt Christoph Haubold. Jens Haubold ergänzt, dass der Mietvertrag mit dem aktuellen Betreibern langfristig und auch umsatzorientiert abgeschlossen worden sei. Zudem habe man Anfang dieses Jahres nochmals mehr als 30.000 Euro in die Bowlingbahn, insbesondere moderne Technik investiert, um sie attraktiver für die Gäste zu machen.

Dass sie ihre Suche nach neuen Gastronomen bis nach Leipzig ins "Mediterranien" führte, lag an einer Empfehlung. Zunächst waren sie inkognito dort zu Gast. Man habe nicht nur ein fantastisches Essen bekommen, sondern auch eine große Gastlichkeit und Herzlichkeit erlebt, sagt Christoph Haubold. Beim zweiten Besuch sprachen sie die Griechen wegen eines Wechsels nach Lugau an. Entgegen kam Maria Vrettopoulou und Sakis Koustandinidis, dass sie sich tatsächlich vergrößern wollten, weil der Platz im "Mediterranien" oft nicht ausreichte. "Wir haben einige Monate überlegt", sagt sie, "und dann gesagt: Okay, wir machen einen Neustart."

Auch wenn Lugau nicht mit Leipzig zu vergleichen sei, fühlen sie sich hier wohl, sagt Vrettopoulou. Es sei ruhiger hier und insbesondere ihr Mann liebe die Landschaft. Mit ihren Freunden und früheren Gästen stehe man weiter in engem Kontakt. "Viele waren auch schon hier."

Auch die griechische Familie, die die "Taverne zum Spiros" im Lugauer Sportlerheim betreibt, haben Vrettopoulou und Koustandinidis bereits kennengelernt. "Das sind sehr nette Leute", sagt Maria Vrettopoulou. Als Konkurrenz verstehe man sich nicht. "Wenn wir mal die Zeit finden, werden wir sie sicher besuchen und gemeinsam ein Glas Wein trinken."

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