Erzgebirger sind stark an der Murmel

Den WM-Titel beim Glaskugelspiel haben The Saxonia Globe Snippers bereits zurück in die Region geholt. Heute geht es los zur Deutschen Meisterschaft an der Nordsee. Da allerdings haben andere die Favoritenrolle inne.

Niederwürschnitz.

Wenn Andreas Mühlisch aus Niederwürschnitz über sein Hobby redet, gerät er geradezu ins Schwärmen. Er ist mehrfacher Weltmeister. Heute tritt er mit seinem Team "The Saxonia Globe Snippers" aus Klaffenbach als amtierender Titelträger den Weg zur Deutschen Meisterschaft in Uttum an. Die Favoritenrolle schiebt er allerdings weit von sich. Nicht ohne Grund. Aber dazu später. Die Rede ist vom Murmeln, jenem Kinderspiel, in dem seit Jahrzehnten Meisterschaften ausgespielt werden.

Seinen Ursprung hat die Murmelleidenschaft von Andreas Mühlisch und seiner Familie beim Brauereifest in Gersdorf. Dort wurde vor zig Jahren das Murmeln als Wettspiel präsentiert. "Wir waren damals sofort wie elektrifiziert und haben Termine am Nachmittag abgesagt", erinnert sich Mühlisch. Und dann sei man eben als Familie dabei geblieben.

Eine wichtige Rolle für das Hobby spielt das Greyhound Pub bei Gattwick in England. Dort wird seit Jahrzehnten die Murmel-Weltmeisterschaft ausgetragen. Der Austragungsort, eine Kneipe, lässt erahnen, dass es dabei nicht nur um Titel geht. "Bei uns steht der Spaß im Vordergrund und so halten es auch die Engländer", sagt Mühlisch. Im Greyhound Pub ist das Murmeln allerdings ein Spaß mit Tradition. Die Meisterschaft wird seit 1932 ausgespielt, immer am Karfreitag. Seither gibt es einen Pokal auf dem in jedem Jahr die Sieger eingraviert werden. "Als wir 2002 das erste Mal gewonnen haben, wollten die Engländer uns den Pokal gar nicht mitgeben", erinnert sich Mühlisch. Wohl aus Angst davor, ihn nie wiederzusehen. Doch die Erzgebirger kamen wieder. In diesem Jahr hat Mühlich mit den Snippers - nach langjähriger Spielpause - den zehnten WM-Titel seit 1977 ins Erzgebirge geholt - sechs gehen allerdings auf das Konto des 1st MC Erzgebirge, einem Verein aus Neukirchen. Doch in diesem Jahr triumphierte das Familienteam der Mühlischs zum vierten Mal.

Gespielt wird in England auf einer mit Sand bestreuten Betonplatte mit 180 Zentimeter Durchmesser. Beim englischen Ringspiel geht es darum, möglichst viele der 49 Spielkugeln mit dem Tolley, einer etwas größeren Schusskugel, von der Platte zu schnipsen. Genutzt werden dabei auch die Möglichkeiten eines Pubs, wie eine Regel im Greyhound belegt: Wer sich durch den Verzicht auf Biertrinken einen Vorteil verschafft, kann disqualifiziert werden. Ganz so eng wird allerdings auch diese Regel nicht ausgelegt. "Je weiter das Turnier fortgeschritten ist, desto ernster werden die Spiele", weiß Mühlisch.

Nun ist Murmeln aber nicht gleich Murmeln. So erklärt sich auch, dass der Weltmeister für die Deutsche Meisterschaft im Norden am Wochenende die Favoritenrolle ablehnt. Denn in Uttum bei Emden geht es um das sogenannte Lochklickern. Das heißt, die Spieler müssen nicht die Kugeln von der Platte schnipsen, sondern in einem Loch auf dem Spielfeld versenken. Dabei wird nicht geschnipst, sondern die Murmel angestoßen. Gespielt wird auf einem drei mal sechs Meter großen Feld mit einem Belag wie beim Sandplatztennis.

In Uttum treten 28 Teams an. Im Gegensatz zur WM wird alles etwas ernster genommen. Das zeigt schon der Austragungsort: Nicht eine Kneipe ist Ort des Geschehens, sondern ein Sportareal mit eigenem Murmelstadion. "Wie das so ist, in Deutschland muss alles hundertprozentig sein", sagt Mühlisch. "Da wird selbst der Platz regelmäßig abgezogen." Den Spaß lässt er sich dadurch nicht verderben. "Wir sehen das nicht so verbissen", betont der Niederwürschnitzer. In diesem Sinne: Kuller, kuller, roll, roll!

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