Firma plant Ausbau - Anwohner fürchten um Wiese

Der Chef des Autohauses Pfüller will seinen Standort in Thalheim erweitern. Zudem sollen zwei Wohnhäuser entstehen. In der Nachbarschaft regt sich Widerstand.

Thalheim.

Uwe Gräbner schaut auf eine Wiese an der Chemnitzer Straße in Thalheim. Links von ihm steht das Autohaus Pfüller, vor ihm fließt der Mühlgraben. "Es wäre schade, wenn die Fläche verschwindet", sagt Gräbner, der ein Haus in der Nachbarschaft vermietet.

Grund für Gräbners Befürchtungen sind die Pläne des Autohauses. Der Inhaber war für eine Auskunft bislang nicht erreichbar, aber nach Angaben der Stadtverwaltung will sich die Firma erweitern. Zudem sollen zwei Wohnhäuser entstehen. Ein erster Schritt ist bereits gemacht: Der Thalheimer Stadtrat hat in der jüngsten Sitzung den Flächennutzungsplan geändert.

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Bürgermeister Nico Dittmann musste sich danach gegen Kritik der Anlieger verteidigen. Gräbner sowie Armin und Inge Scherzer warfen ihm vor, dass die Stadt ihre Einwände zum Flächennutzungsplan nicht berücksichtigt habe. Gräbner hatte per Schreiben darauf hingewiesen, dass geschützte Arten wie Eisvögel und Schwarzspechte auf der Wiese leben. Scherzer zielte unter anderem darauf ab, dass die Wiese bei Hochwasser als Überflutungsfläche dient. Ob Scherzers Schreiben ordnungsgemäß und fristgerecht eingereicht wurde, ließ sich im Nachhinein nicht bestätigen.

Indirekt, sagt Dittmann, seien die Einwände der Anwohner jedoch schon beachtet worden, zumindest teilweise. Laut Dittmann decken sie sich mit Anmerkungen anderer Einrichtungen, wie etwa der Landesdirektion. Wird ein Flächennutzungsplan geändert, muss die Verwaltung Meinungen von verschiedenen Institutionen einholen. Zu jedem Einwand hat der Rat einen Abwägungsbeschluss gefällt. Und Dittmann betont: Aus dem Flächennutzungsplan geht noch kein Baurecht hervor. Ein Teil der Einwände wird erst relevant, wenn es um den nächsten Schritt des Verfahrens geht: den Bebauungsplan, kurz: B-Plan. Dann wird das Vorhaben konkreter.

Auch die Thalheimer Ortsgruppe des Naturschutzvereins Bund hat eine Stellungnahme abgegeben, und zwar fristgerecht. Die Vorsitzende, Peggy Toth, sagt, sie habe sich mit den Anwohnern unterhalten. "Aber so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht, ist es nicht."

Prinzipiell ist Toth als Naturschützerin gegen die Versiegelung von Grünflächen und gegen das Abholzen von Bäumen und Hecken. Doch in diesem Fall sieht sie keinen Ansatz, um die Pläne zu verhindern. Denn die Erweiterung des Autohauses betrifft weder ein Hochwasser- noch ein Naturschutzgebiet. Und geschützte Arten wie der Eisvogel oder der Schwarzspecht seien zwar gesichtet worden. Aber - und das ist entscheidend - sie brüten dort nicht. "Im Baurecht siegt in den meisten Fällen der Bauwillige", sagt Toth. Fast jeder Eingriff könne im Sinne des Naturschutzgesetzes ausgeglichen werden, etwa durch Pflanzungen an anderer Stelle.

Ein amtliches Artenschutzgutachten liegt noch nicht vor. Dittmann rechnet mit Ergebnissen im Mai. Eventuell wird noch in dieser Legislaturperiode über den B-Plan abgestimmt. Zuvor will Dittmann die betroffenen Anwohner zu den Vorberatungen in den Technischen Ausschuss einladen.

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