Gebäude erinnern an Zeiten der Strumpfindustrie

Strumpffabrikanten haben einst nicht nur für den wirtschaftlichen Aufschwung Thalheims gesorgt, sondern auch Fabriken und Villen gebaut, die das Stadtbild bis heute prägen. In der Stiftung Tholm wurden historische Fotos gezeigt.

Thalheim.

Hartmut Scheibner vom Heimatkundlichen Verein kennt sich mit der Historie der Strumpfwirkerei seiner Stadt bestens aus. An die 50 Fabrikanten hat er in seinem Vortrag "Thalheimer Fabriken und Villen" in der Stiftung Tholm vorgestellt oder zumindest erwähnt. Vollständigkeit ist damit aber nicht erreicht, wie Scheibner verdeutlicht: "Es gab noch viele kleine Quetschen, in denen mit nur zwei oder drei Maschinen gearbeitet wurde." Doch etliche der Fabrikanten waren geschäftlich so erfolgreich, dass sie sich prächtige Privathäuser gebaut haben. "Wir kennen 34 Villen und villenartige Gebäude." Die bekanntesten und auffallendsten sind vielen Thalheimern bekannt, darunter die Neukirchner Villa oder die Görner-Villa. Fabriken und Häuser waren über das ganze Stadtgebiet verteilt.

Den Schwerpunkt der Fabriken bildete das Tal entlang der Zwönitz und der Bahnlinie. Die Villen standen oft direkt neben der Fabrik, wurden manchmal aber auch in etwas exponierter Lage gebaut, wie die an der Gornsdorfer Straße gelegene Villa Minkos. Der Name dieses Hauses ist vermutlich auch manchem Ortsansässigen ein Rätsel, denn eine Minkos-Fabrik gab es in Thalheim nie. Hartmut Scheibner erklärt die Diskrepanz: Das Gebäude gehört zur 1877 gegründeten Görnerfabrik. Nachdem der Gründer Oswald Görner 1895 verstorben war, haben sein Sohn Paul Arthur und der Prokurist Oskar Minkos die Fabrik weitergeführt. Die 1905 erbaute Villa hat dann den Namen des Prokuristen bekommen, denn diesen hatte die Witwe inzwischen geheiratet. Nach dem Krieg war kurzzeitig die sowjetische Kommandantur in der Villa untergebracht, später war sie Kindererholungsheim und Logopädische Klinik. Inzwischen wird das Haus als Reha-Klinik genutzt.

Nicht alle Villen und Fabriken haben die Wirren der Zeit überstanden. So wurde die nahe der Minkos-Villa gelegene Villa Hofmann an der Gornsdorfer Straße 1905 abgerissen. Das prächtige Gebäude war 1921/22 von Max Richard Hofmann erbaut und nach 1945 als Parteischule der SED genutzt worden. Später waren Esda-Kindergarten und Hort darin untergebracht. Auch an Fabrik und Wohnhaus von Felix Emil Weißbach an der Jahnsdorfer Straße erinnern nur noch alte Schwarzweißaufnahmen. Speziell bei den Fabriken wurde bereits während der Hochzeit der Strumpfindustrie immer wieder an- und umgebaut. Viele der maroden Gebäude sind inzwischen abgerissen, zuletzt musste die Fabrik von Bruno Neukirchner weichen. Aber Scheibner sieht auch für die noch vorhandenen Industriebauten kaum eine Zukunft: "Welcher Betrieb will denn heute noch solche bis zu vierstöckigen Häuser?" Dennoch findet sich in der gesamten Stadt noch historische Bausubstanz. So gehörte die 1906 erbaute Villa Förster an der Salzstraße zur 1862 gegründeten Strumpffabrik von Christian Friedrich Förster. "Die Villa war damals ein Prunkbau. Inzwischen ist sie renoviert", so Hartmut Scheibner.

Während Scheibner erzählte hat Dieter Auerbach rund 150 Bilder aus dem Fundus des Heimatkundlichen Vereins und der Privatsammlung von Hartmut Scheibner gezeigt und auf markante Gebäude hingewiesen. Neben Schwarzweißfotos waren dabei auch Gemälde, kolorierte Postkarten und historische Werbeanzeigen zu sehen. Immer wieder waren von den rund 100 Zuhörern in der proppenvollen Stiftung Tholm erstauntes Raunen und zustimmende Kommentare zu hören.

Beim nächsten Abend mit dem Heimatkundlichen Verein am 27. November werden ab 17 Uhr alte Thalheimer Filme in der Stiftung Tholm gezeigt.

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