Gebürtiger Thalheimer saniert historische Görner-Villa

Nachdem sein Ausreiseantrag 1985 bewilligt worden war, musste Thomas Pomp seine Heimatstadt von heute auf morgen verlassen. Jetzt kehrt der 56-Jährige mit einem großen Projekt zurück. Und saniert eine der am besten erhaltenen Art-déco-Villen Sachsens.

Thalheim.

Der berufliche Start von Thomas Pomp war eher gewöhnlich. Der Thalheimer hatte Anfang der 1980er-Jahre Werkzeugmacher im damaligen VEB Technisch-Physikalische Werkstätten Thalheim gelernt. Danach allerdings ging sein Leben keineswegs seinen sprichwörtlichen "sozialistischen Gang", denn als 19-Jähriger hatte Thomas Pomp einen Ausreiseantrag gestellt. Zwei Jahre später hatte man ihn in den Westen gehen lassen. Von heute auf morgen musste er die DDR verlassen. Inzwischen ist Thomas Pomp 56 Jahre alt und lebt in Remscheid in Nordrhein-Westfalen. Vor einem Jahr hat er die Görner-Villa gekauft. Inzwischen lässt er das denkmalgeschützte Haus sanieren.

Der Start im Westen vor mehr als 30 Jahren war nicht ohne Tücken. "Ich hatte verschiedene Jobs. Aber die Bundesrepublik war für mich damals ein anderes Land mit einer anderen Kultur. Ich musste erst lernen, die Ellenbogen einzusetzen." Zunächst hatte Thomas Pomp eine Weiterbildung in einem noch jungen Beruf gemacht: "Ich habe das Programmieren von Werkzeugmaschinen in Herford gelernt. Meine zwei Berufe waren eine ideale Verbindung." Ein Zuckerschlecken war es trotzdem nicht: "Anfangs hatte ich nur eine kleine Wohnung und nichts zum Hineinstellen." Doch schon 1990 baute Pomp ein eigenes Haus, ein Reihenhaus. Er gibt zu: "Das war damals mutig, ich hatte ja noch nicht so viel Geld."


Beruflich kommt Pomp auf die richtige Spur, als er beim Holzbohrer-Hersteller Famag beginnt. Doch seine Karriere dort hat sich der umtriebige Thalheimer selbst zu verdanken. Die Famag ist ein Traditionsunternehmen. Es wurde bereits 1865 gegründet. Als Pomp dort 1990 Geschäftsführer wird, sind die Betriebsstrukturen veraltet. Viel zu vieles wird noch in aufwendiger Handarbeit erledigt. Pomp setzt auf automatisierte Produktion durch Roboter, wird später Mitinhaber des mittelständischen Betriebes.

Die Firma floriert inzwischen und er leitet sie bis heute. Auch deshalb kommt ein Umzug vom Bergischen Land zurück ins Erzgebirge nicht infrage. Doch noch immer leben seine Mutter, seine Schwester und die Neffen in der Drei-Tannen-Stadt. Und so wurde Pomp bei einem seiner Besuche auf eine Idee gebracht: "Wir saßen im Deutschen Eck, als mir Freunde vorschlugen: Kauf doch die alte Villa dort gegenüber." Diese Villa wurde es nicht. Doch Thomas Pomp hat nach einer passenden Immobilie gesucht. "Ich habe mir verschiedene Gebäude angeschaut. Die Görner-Villa war das schönste, aber auch das schwierigste Haus."

Als er vor einem Jahr die 1922 erbaute Villa des Textilfabrikanten Victor Görner kaufte, war noch nicht klar, wie groß die Herausforderung tatsächlich ist. Erst bei den Sanierungsarbeiten wurde die teils unter mehreren Schichten Tapete versteckte Wandmalerei entdeckt. Inzwischen hat das Denkmalamt bestätigt: Die Görner-Villa ist eine der am besten erhaltenen Art-déco-Villen Sachsens. Auch wenn die Sanierung damit deutlich aufwendiger wird, ist es für Thomas Pomp keine Frage: Er wird sich der Herausforderung stellen. In jeder der sechs entstehenden Wohnungen soll der Charakter des Hauses erkennbar bleiben, in jeder Wohnung wird es eine Wand geben, an der die Wandmalerei im Art-déco-Stil restauriert wird. Zudem plant Thomas Pomp zwei Ferienwohnungen. Er selbst will eine davon nutzen, wenn er in die alte Heimat kommt: "Ich will ja nicht am Ende an meinem eigenen Haus klingeln müssen, damit mir jemand aufmacht", sagt er schmunzelnd. Für Thomas Pomp birgt das Grundstück an der Unteren Hauptstraße eine Kindheitserinnerung: "Im Haus selbst war ich nur ein- oder zweimal. Meine Oma hat aber im benachbarten Gesindehaus gewohnt. Deshalb habe ich auf diesem Grundstück das Fahrradfahren gelernt."

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