Große Ziele unter Sparzwang - ein Spagat

Der vom Rat beschlossene Finanzplan von Stollberg gilt nun zwei Jahre. Für den 32-jährigen Kämmerer eine Herkulesaufgabe zwischen Stadtentwicklung und Schuldenabbau.

Stollberg.

Patrick Weikert spielt beim FC Stollberg. Und daher verfolgt er als Fußballfan auch, was im ganz großen Ballspielzirkus passiert. 222 Millionen Euro für den brasilianischen Fußballer Neymar, der 2017 zu Paris Saint Germain gewechselt ist? "Das war damals schon eine Ansage", sagt Fußballer Weikert.

Da kann der 32-Jährige nicht mithalten. Er hat gerade mal 44 Millionen Euro. Patrick Weikert ist bald auch neuer Kämmerer der Großen Kreisstadt Stollberg und hat nun einen jüngst vom Stadtrat verabschiedeten Doppelhaushalt zu verwalten. Pro Jahr 22 Millionen Euro. Eine große Aufgabe für den jungen Mann.

Zumal die Stadt gleichzeitig massiv Schulden abbauen muss. "Wir tilgen jedes Jahr etwa eine Million Euro", so Weikert. Das geht auch, weil in der Kalkulation des Haushalts genug Geld übrig bleibt, zwischen einer und zwei Millionen Euro pro Jahr. "Wir zahlen die Tilgungsraten aus eigener Kraft", so Weikert. Auch künftig soll das so bleiben. Bis Ende 2023 will die Stadt ihre einst 20 Millionen Euro Schulden halbiert haben und jeder Stollberger statistisch nur noch mit 888 Euro in der Kreide stehen. Eine Pro-Kopf-Verschuldung, die nur noch knapp über dem Landesdurchschnitt liegt.

Doch für diesen Eifer gibt es einen Grund. Das Landratsamt hat schon 2014 ein tragfähiges Konzept aus dem Rathaus gefordert, endlich Schulden abzubauen. Stollberg bewege sich auf dünnem Eis, so die Kommunalaufsicht damals. Hintergrund war ein Streit - im damals städtischen Doppelhaushalt steckten massive Umschuldungen mit Krediten, so das Landratsamt. Man stopfe ein Loch, indem woanders ein größeres Loch aufgerissen wird. Die Stadt sah dies - auch wegen damals schon günstiger Zinsen - anders. Lieber weiter aktiv in Steine investieren als immer nur Geld sparen, war die kommunale Devise. Weikert heute: "Wir konnten unsere Zinsaufwendungen von einst 504.000 Euro auf 380.000 Euro senken." Es gebe auch keine Neuverschuldung - die Schulden stammen aus den vor langem getätigten Investitionen für Gewerbegebiete.

Investieren wird die Stadt weiter: 25 Millionen Euro sind für 2019 und 2020 veranschlagt, inklusive 22 Millionen Euro Fördergeld. Beispiele: Eine Gewerbestraße für 1,8 Millionen Euro hinter dem ehemaligen Continentalareal, auf Hoheneck der Westflügel für das Theaterpädagogische Zentrum, 700.000 Euro für Feuerwehrfahrzeuge für Stollberg und Gablenz, millionenschwere Investitionen in Kinder - etwa Grundschule Beutha. Aber auch der Krippen-Neubau Seminarstraße - für 1,6 Millionen Euro. Das alles soll die Stadt - es herrscht de facto Vollbeschäftigung - attraktiver für pendelnde Gutverdiener machen. Ziel: Mehr Einnahmen aus Steuern generieren. Die Leute sollen nicht nur in den Stollberger Firmen arbeiten, sondern auch in Stollberg wohnen. Daher plant die Stadt beispielsweise auch auf Hoheneck eine Schwimmhalle und gleich in der Nähe 17 große Eigenheime.

Die Gewerbesteuer ist die noch immer mit Abstand größte Einnahmequelle Stollbergs. "Wir planen mit knapp sieben Millionen Euro pro Jahr. Wir planen moderat", so Weikert. Schließlich könne ein Kämmerer nur schätzen, was die Firmen letztlich zahlen. In 2018 etwa sei die Unbekannte der Sturm Friederike mit seinen Schäden bei Firmen. Vorsicht ist immer angesagt. 2014 etwa musste die Stadt an ein großes Unternehmen rund 1,5 Millionen Euro an Gewerbesteuer zurückerstatten - inklusive fast 340.000 Euro Zinsen. Das sorgte für eine weitere Delle: Das Jahr 2014 wurde mit gerade mal 3,4 Millionen Euro Gewerbesteuern abgerechnet.

Die jetzt geplanten, doppelt so hohen Einnahmen sind aber nur ein Standbein. Das andere: Der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer. Auf den hat eine Kommune Anrecht, er speist sich aus den Gehältern der eigenen Bürger. Daher Eigenheime auf Hoheneck, bessere Schulen und Kitas, Schwimmhalle, Schlachthof, Bürgergarten. "Dieses Jahre rechne ich mit einem Einkommenssteuer-Anteil von 3,5 Millionen Euro. Immerhin 800.000 Euro mehr als 2015", sagt Weikert. Das ist sicher ein erster Erfolg der Stadt, aber auch einer neuen gesetzlichen Regelung zu verdanken, wonach die Gemeinden mehr vom Steuerkuchen bekommen. Künftig will die Stadt aus eigener Kraft mehr Einkommensteuer einnehmen.

Neymar, der Fußballstar aus Paris, hat 2017 übrigens knapp 37 Millionen Euro verdient - so verschiedene Quellen. Das ist fast der ganze Haushalt der Großen Kreisstadt für zwei Jahre. "Vor unseren 44 Millionen Euro habe ich aber mehr Respekt. Es geht um unsere Stadt", so Weikert. Aber eben auch ein wenig um Fußball - 600.000 Euro soll ein neuer Kunstrasenplatz am Sportforum kosten. Dort spielt der FC Stollberg. Kreisklasse. Weikert spielt mit.

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