Gynäkologische Klinik am Kreiskrankenhaus stellt Arbeit ein

Das Aus der Geburtshilfe hat das Ende für die Frauenheilkunde eingeleitet - in reichlich zwei Wochen ist Schluss. Die Krankenhausleitung sieht hinter der negativen Nachricht aber auch eine Chance.

Stollberg.

Nachdem sich das Kreiskrankenhaus Stollberg gezwungen sah, mangels Hebammen die Geburtshilfliche Abteilung zu schließen, gibt es nun den nächsten Einschnitt: Ab dem 17. Dezember wird es am Kreiskrankenhaus keine Gynäkologische Klinik mehr geben. Wobei diese Entscheidung eine unmittelbare Folge der Stilllegung der Geburtshilfe ist.

Denn wie der Leitende Chefarzt des Kreiskrankenhauses, Dr. Gregor Hilger, erklärt, habe der Wegfall der Geburtshilfe im Nachgang zu Problemen bei der Besetzung von Arztstellen geführt. So hätten zwei Assistenzärzte schon gekündigt, als absehbar war, dass die Geburtshilfe nicht zu retten ist. Bei der dritten Assistenzärztin sei dieser Schritt absehbar gewesen. Für Hilger durchaus verständlich: "Ohne Geburtshilfe ist keine adäquate Ausbildung möglich". Auch Fachärzte ohne Geburtshilfliche Abteilung zu bekommen, sei schwer. "Wir haben erfolglos geworben, um die freien Stellen neu zu besetzen". Die Folge: Mit dieser ärztlichen Situation sei zu befürchten, dass eine Akutversorgung beziehungsweise Bereitschaftsdienste nicht mehr zu gewährleisten sind. "Mittelfristig ist das nicht tragbar und nicht verantwortbar", sagt er. Darum habe die Klinikleitung mit dem Aufsichtsrat gesprochen. Gemeinsam haben sie eine Schließung der kompletten Gynäkologischen Klinik empfohlen. Die Gesellschafter seien dieser Empfehlung nun gefolgt.

Letzter Arbeitstag in der Frauenheilkunde ist der 16. Dezember, erklärt der Leitende Chefarzt. Notaufnahmen seien daher nur bis zum 10. Dezember möglich, ab dem gleichen Tag werden auch keine größeren Operationen mehr gemacht.

Die personellen Konsequenzen sehen laut Hilger so aus, dass Chefarzt Dr. Nenad Dragoljic derzeit auf der Suche nach einer neuen Stelle ist. Oberärztin Claudia Weichel, die bereits an mehreren Tagen in der Woche im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) gearbeitet hat, wechselt komplett dorthin und übernimmt die gynäkologische Praxis, bleibt dabei aber im MVZ des Krankenhaus angestellt. Für die noch verbliebene Assistenzärztin habe man innerhalb der Krankenhausholding eine Lösung gefunden: Sie wechselt ins Erzgebirgsklinikum Annaberg. Bei den Schwestern - insgesamt gab es in der Frauenheilkunde neun Vollzeitstellen - habe man niemanden kündigen müssen, erklärt Hilger. Die Kinderkrankenschwestern hätten sich bereits Stellen in der Umgebung gesucht, die anderen wurden intern umgesetzt. Die Stationsschwester wechsle mit Oberärztin Weichel ans MVZ. Dort seien kurz- bis mittelfristig auch ambulante Operationen geplant, erklärt Hilger. Zudem werde Frauenärztin Weichel Patienten anderer Kliniken des Stollberger Kreiskrankenhauses, bei denen es gynäkologische Fragen gebe, konsularisch betreuen. Die hiesige Onkologie werde künftig eng mit dem Klinikum in der Kreisstadt zusammenarbeiten, die auch ein Brustzentrum hat.

Die Stollberger Klinikleitung will versuchen, "aus der negativen Situation, die sich schon Monate angedeutet hat, einen positiven Schub für das Haus hinzukriegen", sagt der Leitende Chefarzt. Sie sieht in der Veränderung auch eine Chance. Konkreter will Hilger noch nicht werden, zumal es zwar vielfältige Ideen für die frei werdenden Räume, aber noch keine fertige Planung gibt.

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