Hobbyviehhalter zahlt 700 Euro Bußgeld

Wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz hat sich gestern ein 60-Jähriger am Auer Amtsgericht verantwortet. Der Richter sprach von Anfängerfehlern.

Aue/Stollberg.

Ein ausgewachsenes männliches Rindvieh bringt schon einmal eine Tonne auf die Waage. So schwer war auch der Bulle eines Hobbyviehhalters aus dem Raum Stollberg. Ein Koloss aus Fleisch, Fell und Knochen. Und dennoch: Als der Tierarzt den Bullen mit Pfeil und Blasrohr betäuben wollte, schoss er daneben. Stattdessen traf er ein Kalb. Dessen Mutterkuh spielte verrückt, und als dann auch der zweite Pfeil daneben ging, drehte der Bulle durch. Damit war die Aktion geplatzt.

Diese Episode, die der Hobbyviehhalter gestern am Amtsgericht Aue erzählte, steht wie ein Sinnbild für das Chaos, das auf seinem Hof in den vergangenen Jahren herrschte. Der 60-Jährige hatte sich drei Verstöße gegen das Tierschutzgesetz geleistet. Weil er ein Bußgeld des Veterinäramts - 1500 Euro - nicht akzeptieren wollte, kam es gestern zur Verhandlung.

Einer der Verstöße hängt mit der Blasrohr-Geschichte zusammen. Der Bulle sollte nachträglich auf einen Virus untersucht werden. Diesen Standard-Test habe das zuständige Labor versäumt, ehe es der Hobbyviehhalter dem Vorbesitzer abkaufte. Erst dem hiesigen Veterinäramt fiel der Mangel in den Papieren auf. "Ich konnte das nicht wissen", sagte der Mann. Er wusste jedoch, dass er der Viehverkehrsverordnung zuwider handelte, indem er Rinder mit seinem eigenen Anhänger transportierte - ohne Zulassung. Das war der zweite Verstoß.

Dritter Verstoß: Bei einer Kontrolle seines Hofs bemerkten Mitarbeiter des Veterinäramts zwei Kälber, die keine Ohrmarken trugen. Halter sind verpflichtet, neugeborene Tiere innerhalb einer Woche zu kennzeichnen. Doch gut sechs Wochen später fehlten die Ohrmarken noch immer. Der Mann schob die Verzögerung gestern auf die Bürokratie. Er habe Marken bestellt. Aber: "Wir leben in Deutschland." Auch für die anderen Vergehen hatte er Erklärungen parat.

Den Richter konnte er so nicht überzeugen. "Sie stellen sich ständig in die Opferrolle." Ohrmarken, so der Richter, können Viehhalter auch auf Vorrat halten. Und was die anderen Ordnungswidrigkeiten anbelangt, meinte er: "Das sind Fehler, die Einsteigern passieren." Einem, der seit Jahrzehnten auf diesem Gebiet tätig ist, dürften solche Dinge nicht unterlaufen.

Der Richter hielt dem Mann jedoch zugute, dass er die Verstöße teilweise einräumte. Zudem stellte er dessen finanzielle Lage in Rechnung. Der 60-Jährige lebt derzeit von Hartz IV und einer Unfallrente. Aus diesen Gründen entschied der Richter, die Geldbuße auf 700 Euro zu reduzieren. Zwar akzeptierte der Mann die Summe, doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft kann die Entscheidung theoretisch anfechten.

Am Ende der Verhandlung bemängelte der Richter den Bußgeldbescheid, den die Mitarbeiter des Veterinäramts ausgestellt hatten. Die Angaben seien ungenau. Tatort und -zeitraum wurden laut Richter nicht präzise genug benannt.

Der 60-Jährige war zuvor schon oft mit dem Veterinäramt in Streit geraten. Seine Hobbyviehwirtschaft hat er nun aufgegeben.

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