Jahnsdorf will sich gegen Windkraft-Pläne wehren

Theoretisch können bis zu sechs Anlagen in der Nähe von Leukersdorf entstehen. Die Gemeinde sucht nach Auswegen, das zu verhindern.

Leukersdorf.

Die Gemeinde Jahnsdorf sträubt sich gegen einen Entwurf des Planungsverbands Chemnitz, wonach Windkraftanlagen bei Leukersdorf entstehen könnten. Das sagte Bürgermeister Albrecht Spindler. In dem Gebiet nahe der Autobahn (A 72) sind nach Angaben der Planer bis zu sechs Windräder möglich.

Teilweise gehört das Areal zu Neukirchen, wo die Firma Sabowind bereits konkrete Pläne vorantreibt: Eine 239 Meter hohe Windkraftanlage soll dort gebaut werden - zwischen dem Feldweg Am Hirschsteig und einem Waldstück, das im Volksmund als Müllerholz bekannt ist. Die Neukirchener Räte stimmten dagegen, aber die Entscheidung liegt beim Landratsamt. Die Behörde prüft einen Antrag der Firma.


Die Fläche, die im Leukersdorfer Gebiet liegt, gehört Spindler zufolge mehreren Grundstückseigentümern und ist verpachtet. Zwar existieren bislang keine konkreten Pläne oder Anträge. Und solange keine Windkraft-Firma Verträge mit den Besitzern schließt, haben die Leukersdorfer nichts zu befürchten. Doch um Windräder auch in Zukunft zu verhindern, sucht Spindler schon jetzt nach Auswegen.

Dabei sieht er drei Ansätze: Erstens verweist er auf die Störquellen, denen die Jahnsdorfer seit Jahren ausgesetzt seien: Die Autobahn zerschneide die Gemeinde. Vom Verkehrslandeplatz gehe Lärm aus. Der Steinbruch belaste Anwohner. Wobei Spindler sich darüber im Klaren ist, dass er den Planungsverband auf diese Weise kaum umstimmen kann. Es wäre eher ein Ansatz, um Politiker zu überzeugen, sagt er.

Darüber hinaus - zweiter Einwand - sei der Rotmilan, eine seltene Tierart, im Gebiet beobachtet worden. "Ob das trägt, weiß ich nicht", sagt Spindler. Schwerer wiegt das dritte Argument: Der Planungsverband habe Distanzen falsch berechnet. Dabei geht es um Abstände, die zwischen Windrädern und Wohngebieten oder anderen Ansiedlungen einzuhalten sind.

Der Leiter der Geschäftsstelle des Planungsverbands, Sebastian Kropop, konnte die Einwände des Bürgermeisters weder bestätigen noch zurückweisen. Der erste Entwurf des Verbands stammt aus dem Jahr 2016. Seitdem gingen etliche Stellungnahmen ein - von Firmen, Gemeinden und Privatleuten. Laut Kropop werden die Hinweise noch ausgewertet. Bis Anfang Oktober soll ein neuer Regionalplan stehen. Kommt es zu wesentlichen Änderungen, müsste auch die nächste Version öffentlich ausgelegt werden. Wieder könnten Firmen, Gemeinden und Privatleute Stellungnahmen abgeben.

Weil es nach 2016 nicht nur aus Jahnsdorf, sondern aus der gesamten Region viele Einwände gab, geht Sebastian Kropop davon aus, dass auch der neue Entwurf ausgelegt wird. Weniger als ein Prozent der Flächen im Planungsgebiet werde am Ende tatsächlich bebaut. Entsprechend groß ist der Konkurrenzdruck unter den Windkraft-Firmen. Das erklärt auch, warum sich die Unternehmen Grundstücke sichern und Genehmigungen einholen, obwohl der Regionalplan noch nicht fertig ist. (mit czd)

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    3
    Jägermeisterin
    29.04.2019

    Genau sowas hat uns hier noch gefehlt!

    Im Osten der Steinbruch, im Süden der Verkehrslandeplatz, im Westen die Autobahn und im Norden Ei-Frisch mit seinen Baracken.

  • 6
    2
    Haubi40
    29.04.2019

    @tfr: An welcher Stelle haben sich denn Jahnsdorf oder der Bürgermeister gegen Atomstrom oder Kohlestrom ausgesprochen? Im Übrigen macht es sehr wohl Sinn den Umweltschutz zu bemuhen, wenn es sich um direkten Umweltschutz handelt. Recherchieren Sie doch mal, welche Auswirkungen Windräder, insbesondere dieser Größenordnung, auf die Fauna haben! Es ist nicht alles gut, was die Grünen nicht bis zu Ende denken.

  • 4
    2
    Nixnuzz
    28.04.2019

    @cn3boj00: Nur im Osten??...Aber vielleicht würde eine Aufforstung eines Mischwaldes aus schnellwachsenden und langsameren Bäumen da einwenig Abhilfe schaffen. Die schnelleren nahe an die Bebauung, die langsameren im sicheren Abstand - hauptsache dicht und hoch. Die schnelleren können dann auch früher geschlagen werden und wieder Luft schaffen. Wie lange /Jahre planen die noch? Welche Verfahrensmängel sind noch zu beheben? Also: Buddeln und pflanzen.

  • 8
    8
    cn3boj00
    28.04.2019

    Hauptsache, wir sind erst mal dagegen, auch wenn wir nicht genau wissen gegen was und warum. Dagegen sein entspricht dem Zeitgefühl im Osten, Politiker die dagegen sind haben Aufwind.

  • 9
    5
    Zeitungss
    28.04.2019

    Eine neue Marktlücke ist entstanden, die Produktion von Hamsterrädern und für gehobene Ansprüche in Invertertechnik und das Zukunftsproblem ist gelöst.

  • 11
    8
    tfr
    27.04.2019

    Keine Windenergie, kein Atomstrom, kein Kohlestrom, dann muss Jahnsdorf eben Freie Energie nutzen. Ist sowieso viel sauberer.... Wird nicht gerade die Hochspannungsleitung am Rande von Jahnsdorf saniert, die muss bitte auch gleich mit weg.
    Um eine Windkraftanlage zu verhindern wird sogar der Umweltschutz bemüht. Das ist doch ein Pakt mit dem Teufel. Merkt das der Herr Bürgermeister nicht?
    Man muss sich wirklich wundern....



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