Jugendbeteiligung - mehr als Klimaschutz und U-18-Wahl

Wieder mehr Interesse an der Politik attestiert eine aktuelle Studie den Jugendlichen von heute. Eine Erfahrung, die auch das Team des Flexiblen Jugendmanagements im Erzgebirgskreis gemacht hat. Und hofft nach einem "spannenden Wahljahr" auf eine Fortsetzung.

Stollberg/Annaberg.

Die freitäglichen Demonstrationen junger Klimaschützer erreichen in Sachsen und speziell im Erzgebirge längst nicht die Dimensionen wie anderswo. Dennoch haben zur U-18-Wahl im Sommer die meisten der beteiligten jungen Sachsen ihre Stimme der Partei Bündnis 90/Die Grünen gegeben - 27,2 Prozent. Nicht allerdings im Erzgebirge. Da hat die AfD mit 30,4 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen erhalten. Liegt das in der Anfälligkeit der Jugend für Populismus begründet, die eine aktuelle Studie jetzt der Jugend von heute bescheinigt? Eine Antwort, die das Team des Flexiblen Jugendmanagements des Erzgebirgskreises so nicht stehen lassen will. Und schon gar nicht die Argumentation von der abgehängten Jugend im ländlichen Raum.

Vielmehr sei gerade im Zusammenhang mit der U-18-Wahl, die im Erzgebirge unter anderem vom Kreisjugendring begleitet wurde, viel von den Jugendlichen diskutiert worden, berichtet Melissa Roscher, die im Kreisjugendring Ansprechpartner für Annaberg-Buchholz und den Mittleren Erzgebirgskreis ist. Dabei sei es um ganz regionale Probleme, wie den in vielen Orten des Kreises fehlenden öffentlichen Personennahverkehr am Wochenende genauso gegangen, wie um globale Themen wie Tierschutz oder die Legalisierung von Cannabis. So hätten die Jugendlichen schließlich ihre Position gefunden. Dabei sei die Beteiligung und das Interesse der Jugendlichen sehr hoch gewesen.

Deshalb wird das Thema Wahlen das Team vom Flexiblen Jugendmanagement auch im nächsten Jahr wieder beschäftigen. Denn die Erfahrung aller Mitstreiterinnen und Mitstreiter besagt: Die Schülerinnen und Schüler kennen das Thema zwar von der theoretischen, nur wenig aber von der praktischen Seite. Deshalb sollen entsprechende Workshops zum Thema Wahlen auch unabhängig von solchen angeboten werden. Bisher gibt es die U-18-Wahlen lediglich vor Bundes- beziehungsweise Landtagswahlen. Mögliche Unsicherheiten diesbezüglich abzubauen, sei auch wichtig, um die Beteiligung der Jugend unmittelbar vor Ort mehr zu fördern. "Es braucht positive Erfahrungen, um Hemmschwellen abzubauen", sagt Katja Mehlhorn - für den Kreisjugendring im Altkreis Stollberg aktiv. Auch weil insbesondere in den Stadt- und Gemeinderäten in der Region der Anteil der älteren Generation oft deutlich überwiege.

Die Jugendbeteiligung auf diesem Gebiet zu fördern, nennt sie deshalb ein zweites wichtiges Anliegen des Flexiblen Jugendmanagements. Gute Erfahrungen gibt es mit dieser projektorientierten Beteiligungsform in Stollberg durch die Initiative Juleuka und in Annaberg-Buchholz durch den Jungen Runden Tisch. Dort können die Beteiligten mit der neu entstandenen Dirt-Bike-Strecke am Pöhlberg auf ein ganz konkretes Projekt verweisen, das auf ihre Initiative hin entstanden ist. 2020 soll das Thema Jugendbeteiligung mit dem Format "Support your City" auch in Oelsnitz angegangen werden.

Ein Potenzial, das vermehrt auch die Bürgermeister in der Region erkennen. "Wir spüren dort zunehmend Bemühen um eine aktive Jugendbeteiligung", machen Oliver Seidel und Constanze Speer deutlich. Sie komplettieren das Team des Flexiblen Jugendmanagements und sind Ansprechpartner für die Region Aue-Schwarzenberg. Würden doch die verantwortlichen Lokalpolitiker darin auch eine Chance sehen, junge Leute in der Region zu halten beziehungsweise sie möglicherweise zu einer Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Wenn es mitunter noch schwerfalle, den jungen Leuten Entscheidungsfreiheit zu geben und dann auch loszulassen. Und so hofft das Team nach einem "sehr spannenden Jahr" auf eine Fortsetzung.


Flexibles Jugendmanagement

Das vierköpfige Team des flexiblen Jugendmanagements innerhalb des Kreisjugendringes Erzgebirge fördert die gesellschaftliche Teilhabe, Beteiligung und Mitbestimmung von Jugendlichen. Es initiiert und begleitet demokratische Prozesse in der Jugendarbeit und vernetzt Akteure im Gemeinwesen. Es begleitet Konzeptentwicklungen und informiert neben dem Thema Demokratie auch über Toleranz und Zivilcourage sowie über Vereinsfragen. (af)

Mehr zum Team - einschließlich der jeweiligen Ansprechpartner - finden Sie im Internet. www.kjr-erz.de

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