Junge Lugauer auf Spurensuche

Das Bahnhofsgebäude wird für mehr als drei Millionen Euro umgebaut. Es bekommt ein neues Gesicht und eine neue Nutzung. Damit seine Vergangenheit aber nicht in Vergessenheit gerät, will eine Handvoll Jugendlicher die Bahnhofshistorie dokumentieren. Dafür wühlen die Jungen sogar im Dreck.

Lugau.

Für ihre Leidenschaft machen sich die 14- und 15-Jährigen richtig schmutzig, kämpfen sich durchs bauchhohe Unkraut zwischen den verlassenen Gleisen oder wühlen auf der Suche nach Relikten aus der Vergangenheit im Dreck. Die Freude, dass sie dabei beispielsweise eine alte Gleisschraube gefunden haben oder auch das Gewicht einer Weichenstellanlage ist groß. Das Motiv von Sebastian, Pascal, Kevin, Tim und Maxim: Sie sind "eisenbahnverrückt". Aber ihr Interesse gilt, wie in diesem Alter zu erwarten wäre, nicht nur Modelleisenbahnen oder Bahnhofsfesten, bei denen alte Dampfloks zu bestaunen sind. Sie packen selbst im früheren Lugauer Bahnhofsareal an - und sie beschäftigen sich auch mit der Historie.

Und zwar mit einem Elan, der Holger Junghans vom Kreisjugendring - der Streetworker ist allgemein nur als "Fritz" bekannt - begeistert. "Dieser Enthusiasmus ist in dieser Altersgruppe nicht selbstverständlich", sagt er. Wobei Junghans gar nicht von Anfang an involviert war - denn die Idee, die verwucherten Gleise freizulegen und "mal etwas Ordnung" zu machen, wie es Tim sagt, kam Maxim und Tim ganz von allein. Gut drei Jahre sei es her, erzählen die Jungen, da hat sie beim Stromern im Gelände gestört, wie es in dem Areal aussieht. Sie holten Sebastian und später auch Pascal und Maxim dazu - und begannen, dem Unkraut zu Leibe zu rücken. Später gingen sie auf "Fritz" zu, der zunächst von der Stadt die offizielle Erlaubnis einholte, dass die Jungen dort aktiv sein können. Und er brachte sie darauf, die Gruppe "Lugauer Eisenbahnfreunde" zu bilden. Als solche beschlossen sie später auch, eine Dokumentation zur Bahnhofsgeschichte auf die Beine zu stellen, in der nicht nur ihre Fundstücke präsentiert werden, sondern so viele Bahnhofserinnerungen wie nur möglich. Anlass für diese Idee war, dass damals gerade "160 Jahre Eisenbahnstrecke Wüstenbrand - Lugau" gefeiert wurde - und die Sanierungs- und Umbauarbeiten am Bahnhofsgebäude begonnen hatten.


Das Vorhaben der Jugendlichen wird inzwischen sogar über das Jugendprogramm "Spurensuche" der Sächsischen Jugendstiftung gefördert und damit vom sächsischen Sozialministerium mit 1250 Euro unterstützt. Das Geld soll unter anderem zur Finanzierung der Materialkosten für ein Bahnhofsmodell genutzt werden. Praktische Unterstützung bekommen sie dabei vom Verein "Gemeinsam stark", wobei aber dringend noch ein versierter Modellbauer gesucht wird, der Tipps geben kann, sagt Junghans. Überhaupt würde man sich über Unterstützung freuen - sei es mit Fotos oder Bahnhofsutensilien, oder aber mit Hinweisen zur Historie. Ein entsprechender Aufruf im Lugauer Amtsblatt habe leider so gut wie keine Resonanz gehabt, sagt er.

Weil sich der Bahnhofsumbau verzögert hat, soll die Ausstellung ab November zunächst in der Facius-Villa zu sehen sein und später ins Bahnhofsgebäude umziehen. Wie Bürgermeister Thomas Weikert auf der jüngsten Ratssitzung sagte, soll das bis auf die Gestaltung der Außenanlagen zum Jahresende fertig sein.

Die Bahnbegeisterung der fünf jungen Lugauer scheint indes anzustecken: Seit wenigen Tagen ist mit dem 14-Jährigen Louis noch ein Sechster hinzugekommen.

die Jugendlichen sind auf der Suche nach Fotos, Fahrplänen oder anderen Eisenbahnutensilien. Wer sie unterstützen möchte oder Geschichten zu erzählen weiß, die im Zusammenhang mit dem Bahnhof in Lugau stehen, möchte sich bitte bei Streetworker Fritz unter Telefon 0173 9067985 melden.

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