Kanadier hinterlässt für Schule in Schönheide 107.000 Euro

Der Mann ging in dem erzgebirgischen Dorf zur Schule und absolvierte eine Lehre zum Drogisten. In den 1950er-Jahren wanderte er aus. Wer war dieser Vern Langer? Eine Spurensuche.

Schönheide.

Über Werner Langer etwas herauszufinden, stellt sich als nicht so leicht dar. Das einfachste wäre doch, in alten Klassenbüchern an der Schule nachzuschauen, für die der Kanadier sein Geld verwendet wissen wollte. Also führt der erste Weg an die Geschwister-Scholl-Oberschule im Ort. Leiterin Gabriele Dobler hat in alten Klassenbüchern geblättert. Die ältesten, die in der Schule archiviert sind, sind von 1949/50. Ein Werner Langer findet sich darin nicht.

Martina Gutzeit, die mit Vern Langer befreundet war, kann mit der Information über ehemalige Klassenkameraden Langers helfen. Als Namen fallen Wolfgang Fuchs, Albin Putz und Karl Heinz. Fuchs ist vor Jahren tödlich verunglückt, Putz kann nicht viel erzählen. Karl Heinz erweist sich als richtige Adresse. Der 82-Jährige ist sofort bereit, über seinen Schulfreund von einst zu erzählen.

Geboren in Breslau, kamen die Langers 1943 über Berlin nach Schönheide. Der Vater wurde als Waffenmeister in einem Werk in Schönheide eingestellt. Nach dem Krieg war er wegen dieser Tätigkeit nicht gut angesehen. Das war der Grund, warum die Familie in den 1950er-Jahren in den Westen ging. Karl Heinz und Werner Langer hatten bis 1949 in einer Klasse die damalige Schönheider Hauptschule besucht. Danach absolvierte Langer eine Berufsausbildung in der Drogerie Pestel. "Unser damaliger Schulleiter, Bruno Jüpner, ein Neulehrer, hatte darauf gedrängt, dass wir uns alle fünf Jahre treffen. Und das war auch so, und auch Werner Langer kam fast immer", berichtet Karl Heinz. Von den einst 46 Schülern leben heute nur noch sechs. Von Langers Absicht, seiner Schule Geld zu hinterlassen, wusste Heinz nichts. "Er hat davon nie etwas erwähnt." Auch vom Tod des Schulfreundes ist er überrascht worden. "Wir haben aus der Zeitung davon erfahren."

Was mit den 107.303 Euro wird, darüber hat ein Kuratorium zu befinden, zu dem neben Martina Gutzeit der Leiter der Schule - aktuell Gabriele Dobler - und der Bürgermeister, jetzt Kai Wilhelm, gehören. Die Förderung der englischen Sprache an der Schule, die er einst besucht hat, war das Anliegen von Vern (Werner) Langer.

Viele Schönheider fragen sich, woher er das viele Geld hat. Martina Gutzeit kann aufklären: "Er hat in seiner neuen Heimat, in Stratford, eine Pension betrieben. Als er das aufgegeben hat, hat er das Haus verkauft." Langer war das letzte Mal 2005 in Schönheide zu Besuch, da war er schon von der Parkinson-Krankheit gezeichnet. Martina Gutzeit kann Langers Anliegen, die englische Sprache zu fördern, gut verstehen. "Bei seinen Besuchen bei mir hat er oft von seiner Idee gesprochen, Kinder in Schönheide beim Erlernen der englischen Sprache fördern zu wollen. Für ihn war es ja am Anfang auch lebenswichtig, Englisch zu lernen."

"In welchem Rhythmus, wofür und wie viel wir ausgeben, das muss in dem dreiköpfigen Gremium festgelegt werden", so Kai Wilhelm. Da in englischer Sprache sowohl leistungsstarke Schüler gefordert als auch leistungsschwache gefördert werden sollen, seien unter anderem Nachhilfeunterricht oder ein Theaterprojekt denkbar. Von der Idee, mit dem Geld aus dem Fonds Klassenfahrten nach England zu finanzieren, hält Wilhelm nicht viel. "Das wäre nicht im Sinne des Geldgebers."

Die Schulleiterin würde gern ein Stipendium für ein Auslandsjahr vergeben, weiß aber, wie schwer sich damit Schüler oft tun. "Wir haben uns erst einmal sehr gefreut, dass das Geld nun endlich in der Gemeinde angekommen ist", sagt sie. Nun könne man mit Beginn des neuen Schuljahres davon Gebrauch machen.

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