Karte zeigt Schloss Hoheneck im Laufe der Jahrhunderte

Im Zuge der Baumaßnahmen im Ex-Frauengefängnis waren auch Archäologen vor Ort. Das Landesamt hat jetzt einen Lageplan erstellt - gleich einer Zeitreise. Wie hat sich die Burg seit dem 13. Jahrhundert baulich verändert?

Stollberg.

1244 wurde die Stalburg erstmals urkundlich erwähnt. 772 Jahre später hat das Sächsische Landesamt für Archäologie die Reste dieser Burg gerettet, wenn auch für die Zukunft nur im kartografischen Sinne. Im vergangenen Jahr entdeckten Fachleute gut erhaltene Mauerreste der Originalburg. Doch wohin damit? Die Überbleibsel aus vergangener Zeit werden an Ort und Stelle gelassen - also im Zuge von Sanierung und Umbauten unter den jetzigen Gebäuden bleiben.

Die Archäologen sind wieder weg aus Hoheneck, aber das Landesamt hat alle gesicherten Daten, die es von den sieben Jahrhunderten des Areals auf Hoheneck hat, in eine Karte eingepflegt, die nun zeigt, wie sich die Burg seit dem 13. Jahrhundert baulich verändert hat. "Mir war das so als Lageplan noch nicht bekannt", staunt auch Stollbergs Stadtsprecher Rainer Kunz. Das Landesamt hat vier Zeitebenen benannt - hier ein Überblick der Experten:

Das 13. Jahrhundert: Die blau markierten Bereiche sind Überreste der Stalburg. Es wurden Scherben in der Baugrube des Bergfriedfundamentes gefunden, die in das 13./14. Jahrhundert datieren. Das passt, so die Experten, sehr gut mit der urkundlichen Ersterwähnung im 13. Jahrhundert zusammen. Nordöstlich der Bergfriedreste sind weitere Überbleibsel der Ringmauer: zwei Meter dicke, bogenförmige Fundamente mit ebenfalls zwei Meter dicken vorgelagerten Stützpfeilern. Bei den bis zu einem Meter dicken Resten innerhalb der Ringmauer handelt es sich wohl um eine ehemalige Rundhausbebauung, wie es sie im Hochmittelalter oft auf Burgen gab. Diese werden der Nachwelt nicht erhalten. Kunz: "Wir wollten Teile davon erst mit einer begehbaren Glasplatte sichtbar machen. Aber es droht alles wegen Bodenfeuchtigkeit zu schimmeln."

Anders bei Fundamentresten im Westteil des Nordflügels. Diese werden zumindest beim heutigen Umbau des Areals zu Gedenkstätte und Wissensschau Phänomenia auf dem Fußboden für die Gäste sichtbar. Kunz: "Auf den Gussasphalt des Fußbodens werden die tieferliegenden Reste andersfarbig markiert."

Das 16. Jahrhundert: Im Jahr 1564 kaufte Kurfürst August (1553-1586) die Herrschaft Stollberg und baute die Burg zum Jagdschloss und Verwaltungssitz um. Davon zeugt der heute noch sichtbare Wappenstein mit der Jahreszahl 1564 an der Nordostseite des Verwaltungsgebäudes, der dort mit der Jahreszahl 1887 neu eingemauert worden zu sein scheint. Der westliche Teil vom Nordflügel stammt aus dem 16. Jahrhundert, das ist durch Scherbenfunde datiert.

Das 19. Jahrhundert: Die Gestalt des Rent- und Justizamtes ist dem Landesamt nur aus zwei Planzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Es handelt sich um einen gerundeten Dreiseitenhof mit dem nach Westen erweiterten Nordflügel. Laut schriftlicher Quellen wurde das Rent- und Justizamt von 1816 bis 1856 auf dem Gelände des Schlosses Hoheneck untergebracht, was scheinbar mit größeren Um- und Neubaumaßnahmen einherging. Typisch für diese Bauphase: stark rötlicher Mörtel. Dieser wurde etwa beim Bau einer Zwischenmauer im Nordteil des Nordflügels verwendet - mit zwei Ausbuchtungen, die wohl einen Ofen einrahmten.

Wie es weiter ging, ist bekannt:Laut Landesamt geht aus einem Grundrissplan aus der Zeit der Planung des Gefängnisumbaus um 1862 hervor, dass der Westflügel in der Zeit nach dem Bau des Rent- und Justizamtes und vor dem Umbau zum Gefängnis errichtet wurde. Alle weiteren noch sichtbaren Gebäude sind ab 1862 in verschiedenen Bau- und Umbauphasen entstanden.

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