Kaum mehr vorstellbar: Einkaufsmeile Stollberger Straße

Nur vier Häuser soll es gegeben haben, in denen kein Laden sein Domizil hatte. Was ist aus ihnen geworden, wo kann man heute noch einkaufen und welches Gebäude steht schon gar nicht mehr? Die Ausstellung in der Villa Facius gibt Antworten - und weckt Erinnerungen.

Lugau.

Er hätte noch weitermachen können, der Lugauer Museumsfundus gab es her. Aber weder der Platz in der Villa Facius noch die Bilderrahmen hätten gereicht, sagt Jürgen Lang. Und so hat es der Lugauer bei knapp 100 Rahmen voller Lugauer Geschichte zum Thema "Gewerbe und Gewerke" belassen müssen.

Weil so viel Material da sei - der Großteil stammt aus der Sammlung des 2005 verstorbenen Emil Haubold - habe er das Thema "schon lange im Visier" gehabt, sagt Lang. In diesem Jahr nun hat er das riesige Pensum der Sichtung, Recherche und Zusammenstellung bewältigt. Der 69-Jährige ist eigentlich in der EDV zuhause, er kam 2009 über das Kommunalkombi-Projekt zur Stadt. Damals gehörte Lang zu denen, die den Umzug des Museums in die Villa Facius organisierten, dessen Fundus sichteten, sortierten und computertechnisch erfassten. Hier kam ihm sein Beruf zugute, die aufs Museum zugeschnittene Software habe er entwickelt, sagt er. Seit 2012 ist er stundenweise fürs Museum bei der Stadt angestellt - erledigt aber auch viel im Ehrenamt. Besonders bei der Vorbereitung von Ausstellungen sei er die gesamte Woche im Museum. "Aber wenn's Spaß macht, guckt man nicht so auf die Zeit."

Der Aufwand hat sich gelohnt. Seit Mitte September ist die Ausstellung zu sehen und es wiederholt sich, was schon bei "Historische Gaststätten in Lugau" im Vorjahr passierte: "Viele schwelgen hier richtig in Erinnerungen", sagt Lang. Etwa bis Anfang der 1960er-Jahre reichten diese oft - darum sei für die meisten Besucher auch interessant, was zuvor in dem Laden war, den sie noch persönlich kennen. Insbesondere die historische Ausstattung wecke großes Interesse. Susann Böhme, Leiterin der Villa Facius, prophezeit der Schau darum auch eine ähnliche Resonanz wie der zu den Gaststätten. "Die kam super gut an, sie wurde zweimal verlängert."

Betrachtet man die Bildtafeln, wird schnell klar: Die Stollberger Straße war einst eine Einkaufsmeile. Nur vier Häuser soll es in der Straße gegeben haben, in denen sich kein Geschäft befunden hat, weiß Stadtführer und Lugau-Kenner Günther Doveren. Und tatsächlich sind es auch in der Ausstellung oft gleich benachbarte Häuser, deren Läden vorgestellt werden.

In einigen ganz wenigen Fällen befindet sich heute noch die gleiche Art Geschäft im Haus wie einst, so in der Stollberger Straße 10. Ab 1898 befand sich hier das Geschäft eines Uhrmachers, 1929 übernahm es Uhrmachermeister und Optiker Kurt Böhm - unter dessen Namen es noch immer in Familienbesitz existiert. Völlig veränderte Angebote gibt es hingegen beispielsweise im Geschäftshaus Güterstraße 2. 1919 wurden hier neben Drogerieartikeln Farben und Lacke verkauft, später konnte man Haushalt- und Elektrowaren erwerben, nach der Wende wurde im Geschäft ein Video-Treff etabliert und aktuell hat hier ein Bestattungshaus seinen Sitz.

Einige frühere Geschäftshäuser sind indes als solche gar nicht mehr zu erkennen - wie die Wohnhäuser Südstraße 53 und 55, in denen sich einst eine Fleischerei beziehungsweise eine Lebensmittelhandlung und später ein Modegeschäft befanden. Das Kaufhaus in der Stollberger Straße gibt es zwar noch und es wird auch weiter als Handelseinrichtung genutzt, aber äußerlich wurde es im Dachbereich bereits zwischen seinem Baujahr 1905 und 1930 stark verändert. Wann genau und warum - das hat Jürgen Lang noch nicht herausgefunden.

Und dann gibt es noch jene Gebäude, die jüngere Lugauer schon gar nicht mehr kennen, weil sie abgerissen wurden. Typisches Beispiel: die Poststraße 7. Dort, wo einst unter anderem eine Butterhandlung war, befindet sich heute der Posthof. Und auch das Haus des Kolonialwarenhändlers Pitschel in der Unteren Hauptstraße 100 ist seit 2017 Geschichte.

Die Ausstellung "Historische Gewerbe und Gewerke in Lugau" ist bis 31. Dezember donnerstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: 2 Euro/ermäßigt 1 Euro.

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