Kein Museumsbesucher wird an ihnen vorbei kommen

Bis zum 24. April 2020 ist das Bergbaumuseum Oelsnitz wegen Umbaus geschlossen. Einige Exponate der künftigen Dauerausstellung stellt "Freie Presse" als "Objekt des Monats" vor. Aktuell sind es zwei Fotos.

Oelsnitz.

Der Bergmann Wenzel Seemann und die Weichenstellerin Klara Rast stehen stellvertretend für jene Menschen, die im Steinkohlenbergbau in Sachsen tätig waren. Darum wurden die Fotos der beiden als Objekt des Monats März ausgewählt. Zwar symbolisieren Schlägel und Eisen die körperliche Arbeit des Abbaus unter Tage, verkörpern Stolz und Tradition eines Berufsstandes, erklärt Deborah Weise, Projektmitarbeiterin im Bergbaumuseum Oelsnitz. Aber das Museum will sich als "Schauplatz Kohle" auch den Menschen dieses Montanzweiges widmen, sagt sie. "Sie waren der Träger und Gestalter des Steinkohlenbergbaus in Sachsen, der wiederum ihre Lebensgrundlage war." So hätten sich die beiden Schwarz-weiß-Aufnahmen nur wenige Wochen vor der Eröffnung der 4. Sächsischen Landesausstellung als Objekt für den Monat März qualifiziert.

Wenzel Seemann ist möglicherweise schon einigen "begegnet". Denn stellvertretend für die zahllosen Arbeiter unter und über Tage wurde er als Gesicht für die 4. Sächsische Landesausstellung ausgewählt. Weise: "Über den sympathisch blickenden Bergmann mit dem für die Region ungewöhnlichen Namen ist allerdings nicht viel bekannt." Die 1966 entstandene Aufnahme zeigt ihn, vermutlich nach Schichtende, auf dem Gelände des Deutschland-Schachtes in Oelsnitz vor dem markanten Förderturm. Einige wenige Informationen finden sich laut Weise in einer Ausgabe der Werkszeitschrift "Vereinte Kraft" des VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz von 1966, wo der Bergmann abgebildet war. Demnach war er Brigadeleiter und konnte gemeinsam mit seinen Kollegen hervorragende Arbeitsergebnisse bei der Steinkohlenförderung vorweisen.

Ähnlich wenig könne zur Abbildung Klara Rasts gesagt werden, denn auch ihr Bild prangte 1963 in der "Vereinten Kraft". Die Bildunterschrift liest sich wie folgt: "Eine Fahrt nach Prag für gute fachliche und gesellschaftliche Arbeit erhält die Kollegin Klara Rast, die als Weichenstellerin der BA (Anm. d. Red: Betriebsabteilung) 'Karl Liebknecht' tätig ist." Es handle sich dabei auch nicht um einen zufälligen Schnappschuss. Denn Heinz Steidl, der viele Jahre Werksfotograf des VEB Steinkohlenwerk Karl-Liebknecht gewesen war und ab 1959 ein eigenes Atelier in Lugau betrieb, war Urheber der Aufnahme. Klara Rast wurde sehr wahrscheinlich auf dem Betriebsgelände des Karl-Liebknecht-Schachtes, also des heutigen Bergbaumuseums, fotografiert. "Der genaue Standort konnte jedoch bis heute nicht ausfindig gemacht werden, da sich die gesamte Anlage seit Anfang der 1960er-Jahre verändert hat", erklärt Deborah Weise.

Leider habe man bis zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen oder Angaben zu beiden Personen ermitteln können, bedauert die Museumsmitarbeiterin. Allerdings seien auch längst noch nicht alle Informationsquellen ausgeschöpft und das Museumsteam habe seine Recherchearbeit auch noch nicht eingestellt. Weise: "Möglicherweise erkennt ja ein Leser eine der beiden Personen und kann nähere Informationen liefern?"

Ausgewählt wurden beide Werksmitarbeiter für die starke Symbolkraft der Bilder. Sie stehen exemplarisch für die vielen Bergarbeiter und Bergarbeiterinnen sowohl unter als auch über Tage. In der neuen Dauerausstellung des Bergbaumuseums werden sie einen ganz besonderen und markanten Platz einnehmen, kündigt Deborah Weise an. So viel sei bereits verraten: Kein zukünftiger Museumsbesucher wird es versäumen, ihnen im 2023 wieder eröffneten Museum zu begegnen.


Öffnung nur vorübergehend

Der Erzgebirgskreis saniert und modernisiert das Bergbaumuseum derzeit für rund 22 Millionen Euro. Weil die Arbeiten bis zur Landesausstellung nicht abgeschlossen sein können, wird das Museum zwar am 24. April 2020 für die Landesausstellung öffnen, aber danach erneut schließen.

Im Jahr 2023 soll dann die Wiedereröffnung der neuen Dauerausstellung stattfinden. (vh)

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