Kirche sucht Wege gegen Kürzungen

Der Kirchenbezirk Annaberg-Stollberg muss vier Pfarrstellen einsparen. Schon heute gerät das Ehrenamt an seine Grenze. Schwierig ist die Lage unter anderem in Jahnsdorf.

Annaberg-Buchholz/Stollberg.

Der Vorsitzende der Kirchenbezirkssynode, Wolfgang Andersky, hat zur Herbstsitzung des Gremiums mit Unverständnis auf das Fernbleiben vieler Abgeordneter reagiert. 74 Synodale trafen sich vor wenigen Tagen im Annaberger Gründerzentrum, wobei 25 Abgeordnete fehlten. Insgesamt 50 Kirchgemeinden in derzeit neun Regionen bilden den evangelisch-lutherischen Kirchenbezirk Annaberg-Stollberg, der im Wesentlichen die beiden ehemaligen Altkreise abbildet.

Immerhin ging es auch in dieser Sitzung um zukunftsträchtige Entscheidungen. Zum einen wurde der Haushalt 2019 vorgestellt und beschlossen. Zum anderen mussten die Abgeordneten über Kürzungen im Personalbereich abstimmen. Insgesamt 1,2 Millionen Euro beträgt das Haushaltsvolumen des Kirchenbezirkes. Knapp zwei Drittel der Ausgaben wird mithilfe von Mitteln der Landeskirche gestemmt. Und diese schrumpfen wegen sinkender Mitgliederzahlen in den Gemeinden beständig. Es gab auch alternative, unbequeme Lösungsvorschläge: Diethelm Eckhardt, Pfarrer in Schlettau, regte zum Beispiel an, die Bezüge der Hauptamtlichen zu senken, um Stellen zu erhalten. 2020 sollen laut Vorgabe der Landeskirche vier Pfarrstellen eingespart sowie zwei Gemeindepädagogenstellen gestrichen werden.

Die Situation in der Kirchenmusik ist, wie Kirchenmusikdirektor Matthias Süß es formulierte, dramatisch. "Mit der Kürzung von weiteren anderthalb Stellen kann man nicht mehr von einer Finanzdecke, sondern eher von einer Serviette sprechen", sagte der leitende Kantor. Auch aus diesem Grund ging der entsprechende Beschluss mit nur einer Mehrstimme im Gremium durch. "Auf lange Sicht wird die Landeskirche die bisher gewohnte Gemeindearbeit in unserer Region nicht mehr absichern können", schätzte denn auch Matthias Lißke als Mitglied der Kirchenbezirkssynode ein. "Wir müssen parallele Strukturen bilden und kreative Entscheidungen suchen."

Dort sind Ehrenamtliche fest eingeplant. Doch Ralf Kreißig aus Jahnsdorf machte deutlich, dass auch das seine Grenzen hat. "Wir warten seit zwei Jahren darauf, dass wir wieder einen Pfarrer bekommen. Die Gemeindearbeit läuft. Wir stemmen selbst die Gottesdienste zu 95 Prozent mit Ehrenamtlichen. Aber irgendwann ist die Luft dann mal raus."

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