Klinikum setzt bei Schlaganfall vom ersten Tag an auf Therapie

Im Zschopauer Krankenhaus soll die Behandlung von Patienten weiter verbessert werden. Dazu hat sich die Klinikleitung einen Neurologen ins Boot geholt. Eine komplexe Therapie ermöglicht bessere Heilungschancen.

Zschopau.

Die negativen Effekte des demografischen Wandels treffen besonders den Landkreis. Im Jahr 2030 werden die Bewohner im Erzgebirge und im Vogtlandkreis mit 52 Jahren sachsenweit das höchste Durchschnittsalter aufweisen. Das zumindest prognostiziert das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Weil mit zunehmendem Alter das Schlaganfall-Risiko steigt, müssen sich die Krankenhäuser auf wachsende Patientenzahlen einstellen. Auf diese Herausforderung reagiert auch das Klinikum Mittleres Erzgebirge.

Im vergangenen Jahr wurden in Zschopau 150 bis 200 akute Schlaganfall-Patienten behandelt, schätzt Dr. Axel Bauer. Der 40-jährige Neurologe ist 2017 vom Auer Helios-Klinikum ans Zschopauer Krankenhaus gewechselt. Auf der gerontopsychiatrischen Schwerpunktstation kümmern sich seitdem mit ihm und Dr. Mohamed Ali zwei leitende Oberärzte um ältere Patientinnen und Patienten.


Mit der Bindung von Dr. Bauer an das Haus verknüpft Knut Hinkel die Maßgabe, die nächste Stufe der Schlaganfall-Behandlung zu entwickeln. Der Klinikum-Geschäftsführer spricht von der Light-Version einer "Stroke Unit" (Schlaganfall-Einheit). Das ist eine auf Schlaganfall-Patienten spezialisierte Abteilung, in der sich ein Team aus mehreren Fachleuten um die Versorgung des Patienten - von der Akuttherapie über die frühe Rehabilitation bis hin zu sozialdienstlichen Leistungen - kümmert. Das verbessert die Überlebenschancen und kann oft Folgeschäden verhindern.

Gerade in der Therapie habe sich seit seinem Medizinstudium in den 1990er-Jahren viel bewegt, sagt Axel Bauer. Neu ist, dass Logopäde, Ergo- und Physiotherapeut schon vom ersten Tag am Bett stehen und sofort mit der Therapie beginnen. "Je früher das geschieht, umso größer ist der Behandlungserfolg", erklärt der Neurologe. Wichtig auch: Ein Schlaganfall ist ähnlich wie ein Herzinfarkt ein Notfall, der so schnell wie möglich behandelt werden muss. "Die ersten viereinhalb Stunden sind entscheidend", sagt der Chemnitzer. "Time is brain" (Zeit ist Gehirn), heißt es unter Fachkollegen. Die Redewendung macht deutlich, dass bei der Akutbehandlung jede Minute zählt. Je rascher der Blutfluss im Gehirn wieder normalisiert wird, umso geringer sind die Schäden.

Wer mit Verdacht auf Schlaganfall in der Notfallambulanz aufgenommen wird, muss sich zunächst einer Computertomografie (CT) unterziehen. Damit kann der Arzt mögliche Gehirnblutungen erkennen. Die Thrombolyse (kurz Lyse) - eine medikamentöse Therapie, die der Auflösung von Blutgerinnseln dient - gehört seit Jahren zur Akutbehandlung im Haus. Fortschritte gibt es zudem bei der Diagnostik. "Während mit Ultraschall früher nur Halsgefäße untersucht werden konnten, ist das jetzt auch bei Hirnarealen möglich", nennt Axel Bauer ein Beispiel. Für unverzichtbar hält er die Schluckuntersuchung. "Nach einem Schlaganfall kommt es häufig zu Schluckstörungen. Früher wurde das oft nicht erkannt", begründet Bauer.

Die Fortschritte in der Medizin kommen ebenso Patienten mit nur kurzzeitigen Ausfällen zugute. Behandelt werden inzwischen auch Menschen mit Lähmungserscheinungen, die sich schon während des Krankentransports wieder gegeben haben. Die Möglichkeiten im Zschopauer Krankenhaus führen letztlich dazu, dass weniger Erzgebirger im Chemnitzer Klinikum behandelt werden müssen, sagt Bauer.

Das schließt nicht aus, dass die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit dem Chemnitzer Haus im vergangenen Jahr intensiviert wurde. Die Spezialisten an der Flemmingstraße werden etwa benötigt, wenn es größere Gerinnsel im Gehirn aufzulösen gilt, bei denen die Lyse keinen Erfolg brachte. Dabei kommen winzige Katheter zum Einsatz, mit denen die Mediziner in die Gefäße des Gehirns vordringen. Knut Hinkel hebt ebenso eine enge Kooperation mit dem Annaberger Klinikum hervor.


Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko überproportional

Ein Schlaganfall - auch Gehirnschlag - ist eine plötzlich auftretende Störung der Blutversorgung des Gehirns, die oft zu einem länger anhaltenden Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems führt.

Auf 270.000 wird die jährliche Anzahl der Neuerkrankungen in Deutschland geschätzt. Grob unterscheiden lassen sich die plötzlich auftretende Minderdurchblutung (Ischämischer Schlaganfall oder Hirninfarkt) und die akute Hirnblutung (hämorrhagischer Infarkt oder Insult).

Die Unterscheidung ist erst durch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) sicher möglich.

Die Hälfte aller Schlaganfall-Patienten ist älter als 70 Jahre. Mit zunehmendem Alter steigt das Schlaganfallrisiko überproportional. Neben dem Alter spielt auch das Geschlecht eine Rolle: Männer sind bis Mitte 80 häufiger von einem Schlaganfall betroffen als Frauen. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Diabetes, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel.

Mit einer Invaliditätsrate von 30 bis 35 Prozent ist ein Schlaganfall die häufigste Ursache für mittlere und schwere Behinderung.

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