Krankenhaus noch nicht an Pflege-Verordnung gebunden

Das Jahr ist mit zahlreichen Änderungen im Pflegesektor gestartet. Unter anderem gilt jetzt eine Personaluntergrenzen-Verordnung. Allerdings nicht am Stollberger Kreiskrankenhaus. Warum?

Stollberg.

Wieviel Personal in pflegesensitiven Bereichen von Krankenhäusern mindestens tätig sein muss - das legt die seit Jahresbeginn geltende Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung fest. Betroffen sind Bereiche, in denen Leistungen der Intensivmedizin, Geriatrie, Unfallchirurgie, Kardiologie, Neurologie und Herzchirurgie erbracht werden. Zunächst seien aber nur für die Intensivmedizin, Geriatrie, Unfallchirurgie und Kardiologie verbindliche Vorgaben gemacht worden, erklärt Christian Grimm, Sprecher des Kreiskrankenhauses (KKH) Stollberg. Bis auf den Bereich Geriatrie, das ist die Altersheilkunde, gibt es diese in Stollberg, allerdings müsse die Regelung vorerst trotzdem nicht auf das KKH Stollberg angewendet werden. Hintergrund ist, das in diesen Bereichen bislang zu wenige schwere Fälle behandelt wurden.

Denn die Grundlage für die Ermittlung der pflegesensitiven Bereiche durch das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (Inek) bildete ein Datensatz, den alle Krankenhäuser jährlich erstellen und übermitteln müssen. Dort sind sogenannte Abrechnungsschlüssel relevant und eben auch, wie häufig "fallschwere Leistungen" erbracht wurden. Denn, so Grimm, je schwerer beispielsweise ein Behandlungsfall ist, desto aufwendiger sind auch der Personal- oder Technikaufwand. Man habe durchaus schwere Fälle, aber nicht in einer so hohen Zahl, dass sie in Summe für die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung aktuell relevant sind.

Im Ergebnis der Prüfung durch das Inek sei man deshalb auch informiert worden, dass die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung für das hiesige Kreiskrankenhaus zum 1. Januar 2019 noch keine Wirkung habe. Christian Grimm: "Dies wird aber vermutlich ab 2020 der Fall sein, wobei die konkreten Regelungen für diesen Zeitpunkt noch nicht bekannt sind." Unbenommen dessen habe man die Anforderungen, die die Verordnung derzeit stellt, für das Stollberger Krankenhaus geprüft und festgestellt, dass sie bereits jetzt erfüllt werden.

Eine Meldepflicht bestehe aber aktuell nicht. Aber sie wird kommen. "Diese Meldepflicht ist ein wahres Bürokratiemonster und ohne zusätzliche Softwaremodule nicht zu bewältigen", sagt Christian Grimm. Insbesondere Pflegedienstleiterin Elke Köhler hat mit der neuen Verordnung und dem damit einhergehenden weiteren Dokumentsaufwand Probleme. "Insgesamt wird im Krankenhausbereich ein Mehrbedarf an Pflegekräften entstehen, den der Fachkräftemarkt aber objektiv nicht bedienen kann", sagt sie. Insofern stelle sich für sie die Frage nach dem faktischen Ziel der Verordnung. "Will man die Versorgung verbessern oder eher Kapazitäten reduzieren?" Denn durch die neue Verordnung legt die Anzahl der vorhandenen Pflegekräfte automatisch fest, wie viele pflegeintensive Leistungen erbracht werden dürfen.

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