Limited Edition inszeniert ein Jugendstück mit Jugendsprache

Seit Anfang dieses Jahres firmiert die Jugend-Theatergruppe unter dem Dach der Kulturellen Notlösung. Inhaltlich allerdings wollen sich die jungen Mimen treu bleiben.

Stollberg/Thalheim.

Für altväterliche oder verklemmte Zuschauer ist die neue Inszenierung der Theatergruppe Limited Edition wohl eher nicht geeignet. Das verdeutlicht schon der Titel des abendfüllenden Stückes: "Fick! Die! Henne!" Auch beim nunmehr fünften Stück bleibt das Ensemble seiner Linie treu: Erneut wird kein Fertiggericht, sondern ein komplett selbst geschriebenes Stück serviert. Die Idee dazu stammt von Erik Scheibler, dessen Textbuch Dilara Decker und Clara Kristen noch einmal gründlich umgeschrieben haben. "Das ist ein Jugendstück und wir verwenden Jugendsprache", so Regisseurin Dilara Decker. Co-Regisseurin Clara Kristen ergänzt: "Es geht um Probleme, die uns vertraut sind."

16 Mimen stehen auf der Bühne. 15 von ihnen verkörpern Jugendliche, denn die Handlung pendelt vor allem zwischen zwei Orten: dem Schulhof und den heimischen Kinderzimmern. "Hier kommen Jugendliche auf die Bühne, die sich wie Jugendliche verhalten", meint Erik Scheibler. Spannung entsteht vor allem durch die inneren Konflikte. Zentrales Thema ist das Auseinanderklaffen von öffentlicher Selbstdarstellung und den Gedanken und Gefühlen, die innerhalb der Gruppe nicht offenbart werden. "Jugend präsentiert sich heute praktisch immer in sozialen Netzwerken. Dieser Zwiespalt zwischen beobachtetem und unbeobachtetem Verhalten ist das ganz große Thema dieses Stücks", beschreibt Scheibler.


Seine Probenräume hat Limited Edition im Stollberger Schlachthof. Doch nachdem sich die Mimen dort bei Einzelproben in ihre Rollen gefunden haben, gab es nun ein dreitägiges Probenlager in der Tabakstanne Thalheim. Seit 2016 gehören diese Intensiv-Vorbereitungen zweimal pro Jahr fest zum Proben-Kalender. Im Herbst stehen theaterpädagogische Grundlagen im Fokus, im Frühjahr konzentriert sich das Ensemble auf die Vorbereitung der nächsten Premiere. Die soll in diesem Jahr am 22. Juni über die Bühne gehen. Auftrittsort ist der Schlachthof Stollberg. Uhrzeit und Eintrittspreise stehen noch nicht fest. Doch für solche organisatorischen Fragen gibt es tatkräftige Unterstützung: "Seit Januar gehören wir zur Kulturellen Notlösung. Die Verbindung ist zustande gekommen, weil die Mutter eines Mitspielers dort aktiv ist. Da bekommen wir beim Equipment viel Unterstützung", so Dilara Decker. Clara Kristen bestätigt: "Der Verein hilft uns viel beim Organisieren, lässt uns aber unsere künstlerische Freiheit."

Dass die neue Theatersparte der Kulturellen Notlösung ihre Ideen auch unter neuem Dach zwanglos umsetzen kann, tut dem Ensemble spürbar gut. Unverkrampft bringen die Darsteller alterstypische Probleme auf die Bühne. Es wird abgehangen, gelümmelt und geflätzt, doch bei aller Coolness plagt sich jeder der Protagonisten auf seine Weise mit dem Dilemma der permanenten Selbstdarstellung und seinen noch unausgegorenen sexuellen Wünschen. Das regt zum Nachdenken an, ist hie und da aber auch einfach nur unglaublich komisch. Man darf gespannt sein auf dieses Stück, das in einem Punkt auf jeden Fall schon ein Gewinn ist: Dieses erneute Wagnis, etwas selbst geschriebenes auf die Bühne zu bringen, ist echt und authentisch. Es ist Jugend pur.

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