Lust statt Luther: Westsachsens Erotik wandert nach Torgau

Liebeskult-Objekte eines Glauchauer Sammlers entzücken eine Museumsleiterein so sehr, dass sie im Reformationsjahr auf Verführung setzt. Pornografie soll dabei ausgeschlossen werden.

Glauchau.

Ein Besuch im Lichten- steiner Daetz-Centrum ist daran schuld, dass die Lust den Reformator Luther verdrängt - zumindest zeitweise. Denn Exponate des Glauchauer Erotiksammlers Dieter Krügel werden in Torgau zu sehen sein, in der sächsischen Lutherstadt schlechthin, wie sie sich selbst gern bezeichnet. "Aber immer nur Luther geht auch nicht", sagt Cornelia König. Sie ist die Leiterin des Torgauer Stadt- und Kulturgeschichtlichen Museums und setzt im Lutherjahr 2017 einen drauf. Am kommenden Donnerstag eröffnet dort die Ausstellung "Die Kunst der Verführung - 100 Jahre Dessous". Und ihm Rahmen dieser Schau historischer und aktueller Unterwäsche werden Krügels Erotikobjekte aus aller Welt in einem extra Bereich gezeigt. Westsachsens Erotik hat sich auf den Weg nach Nordsachsen gemacht.

Etwa 60 Objekte hat die Kulturwissenschaftlerin aus Krügels umfangreicher Sammlung herausgesucht. Keine pornografischen Darstellungen, wie sie betont, sondern der Schwerpunkt liege einzig und allein auf der Erotik. Schließlich sollten die Darstellungen zum Thema Verführung und Dessous aus alten und modernen Zeiten passen. Neben reinen Kunstobjekten mit Fruchtbarkeits- und Phallussymbolik sowie Darstellungen des Liebesaktes will König auch verschiedene Keuschheitsgürtel zeigen. Doch wie ist Cornelia König auf den Glauchauer Sammler aufmerksam geworden? "Ich habe Verwandte in Glauchau, und bei einem meiner Besuche habe ich die Ausstellung von Herrn Krügel im Lichtensteiner Daetz-Centrum gesehen", sagt sie. Dort hatte der Glauchauer mit einer Erotikschau vor knapp zwei Jahren für einen Besucherrekord gesorgt. Von der Ausstellung war sie sofort begeistert. Das könnte man auch in Torgau zeigen, meinte Cornelia König damals und nahm Kontakt zu Krügel auf. "Den Wunsch der Museumsleiterin habe ich gern erfüllt", sagt Krügel, der etwa 1300 Exponate mit erotischen Darstellungen aus aller Welt sein Eigen nennt. Gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Duy- Linh Molnar packte Cornelia König in Krügels Depot an der Alten Spinnerei die besten Stücke für die Ausstellung in Nordsachsen ein.

Für Dieter Krügel sind all seine Exponate kein Schweinkram, sondern erotische Kunstwerke sowie Objekte des Fruchtbarkeits- und Phalluskultes aus aller Welt. Exponate aus Afrika, Asien, Amerika, Europa und Ozeanien sind in seinem Besitz. Früher hat er viele Länder selbst bereist und die Stücke erworben. Heute tauscht und kauft der Rentner vornehmlich im Internet. Es handelt sich um eine private Sammlung, die er in all den Jahren zusammengetragen hat. Wer sie sehen will, muss sich vorher bei Krügel anmelden. Oder er wartet, bis der leidenschaftliche Sammler seine Objekte der Lust öffentlich zeigt. Das hat er zuweilen getan - sogar deutschlandweit. Neben der Schau in Lichtenstein zeigte Krügel seine Exponate auch schon im Stralsunder Kulturhistorischen Museum.

www.erotica-international.de

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