Mehr Sitzbänke, sichere Straßen: Seniorenbeirat nimmt Arbeit auf

Die Stadt Thalheim will die Erfahrungen ihrer älteren Bürger nutzen - um die Lebensqualität in der Drei-Tannen-Stadt zu verbessern. Doch wie ist der erste Arbeitstag des neuen Gremiums abgelaufen?

Thalheim.

In der Stadt Thalheim gibt es bald mehr Sitzbänke. Derzeit existieren etwa 20 - doch etwa ebenso viele sollen noch nach und nach aufgestellt werden. Wo genau, darüber haben am gestrigen Dienstag elf Senioren diskutiert - und eine Liste erstellt, welche Stellen passend sind. Der städtische Bauhof wird diese Liste abfahren, prüfen, abarbeiten.

Der Seniorenbeirat der Stadt Thalheim hat seine erste Sitzung abgehalten - mit ersten Ergebnissen. Bei Keksen und Kaffee, aber ein Blabla-Kaffeekränzchen war es nicht. "Die neuen Bänke sollten so gebaut sein, dass wir älteren Bürger bequem wieder aufstehen können", so eine Frau. Ein anderer: Um die neuen Sitzmöglichkeiten müsse es auch sauber sein. "Wir stellen überall Papierkörbe auf", verspricht Bürgermeister Nico Dittmann. Er sagte, eine Bank kostet 400 bis 800 Euro.

Auch Günther Schaarschmidt ist im Seniorenbeirat dabei. Ehrensache. Er kennt es sein Leben lang, dass sich die Dinge nur verbessern, wenn man mitmacht. Als er und seine Familie in den 1970er Jahren eine Neubauwohnung in Thalheim haben wollte, musste er auch ran. Mit Hacke und Schaufel habe er Kabel gelegt oder eine vier Meter tiefe Abwasserleitung gebaut. 550 Arbeitsstunden. Heute ist er Rentner, 66 Jahre, lebt in seinem Einfamilienhaus in der Grundstraße - und packt wieder mit an: Nachbarschaftshilfe - Rasen mähen, Schnee schippen. "In der Wasserwehr bin ich auch aktiv." Auch der Beirat war daher ein Muss.

Das elfköpfige Gremium besteht aus sechs Frauen und fünf Männern - grob zusammengerechnet 800 Jahre geballte Lebenserfahrung. Von dieser möchte der junge Rathauschef Nico Dittmann mit seinen etwas mehr als 30 Jahren nun profitieren. Im Thalheimer Rathaus ist ohnehin die Hälfte der Belegschaft jünger als 39 Jahre - die Stadträte sind im Durchschnitt 45. In der Stadt selbst aber leben knapp 2000 Menschen, die 65 Jahre und älter sind - das ist jeder dritte Einwohner. Deren Kompetenz will Dittmann nutzen.

"Früher bin ich mit dem Auto durch Thalheim. Dann bin ich mehr gelaufen. Jetzt, als Senior, laufe ich noch mehr, aber auch langsamer. Die Perspektive wird eine andere, man sieht die eigene Stadt ganz anders", so Schaarschmidt. Er sieht viel Papier auf den Wegen - aber auch die bunten Blumenfahrräder am Straßenrand. "Wir verschenken uns noch zu viel Potenzial hinsichtlich der vielen Gäste von außerhalb, deren Kinder in die Eubios-Sprachschule kommen. Das müssen wir mehr nutzen", sagt Schaarschmidt. Ein Thema, was sicherlich in der nächsten Beratung am 5. November auf die Tagesordnung kommt.

Neben den Bänken war auch die Sicherheit auf den Straßen ein diskutiertes Thema. Es ist eben ein Unterschied, ob ein Gymnasiast oder ein 80-Jähriger die Hauptstraße im Ort überqueren möchte. Die Trasse hat nur zwei Spuren, ist aber dicht befahren. Zwei besonders problematische Stellen gibt es aus Sicht des Beirates: Am Rathaus und nahe der Volksbank. Dort sind auf der Straße zwar Inseln eingebaut, aber das reiche nicht. Der Beirat will Fußgängerüberwege. "Ich habe es jüngst in Jachymov gesehen, dass dort vor drei Fußgängerüberwegen der Asphalt als Warnung rot angemalt werde", so Beiratsmitglied Erhard Pester.

Dittmann sagte, dass Veränderungen an der Hauptstraße schwer umzusetzen seien, da die Hauptstraße nicht der Stadt gehöre. Damit mussten sich die Senioren vorerst zufriedengeben. Sie forderten aber auch mehr Geschwindigkeits-Messungen und das Einrichten von temporären 30er-Zonen, wenn etwa Feste anstehen. Ausnahmen wären hierfür denkbar, bestätigte die Stadt.

Für Günther Schaarschmidt war diese erste Beratung ein guter Anfang. Es könnten ruhig noch mehr Senioren kommen sagt er. "Wir älteren Bürger haben jetzt die Chance, mitzugestalten."


Kommentar: Ideen sind der Anfang

Den Thalheimer Rathaussaal schmücken schöne alte, bunte Fenster. Diese findet man in der Region selten. Doch abends leuchten sie nur, wenn der Stadtrat tagt - einmal im Monat. Warum dies nicht jeden Abend nutzen, um Thalheim mehr Beschaulichkeit zu geben? Das ist nur eine von vielen Ideen, die am gestrigen Dienstag noch besprochen wurden. Vieles kann einfach umgesetzt werden - anderes vielleicht nie. Aber Ideen sind immer der Anfang, um etwas zu verbessern. Der Seniorenbeirat hat Potenzial, dies zu schaffen. Wichtig ist nun, die Anfangseuphorie in neue konstruktive Treffen zu tragen. Das kann gelingen, hat der Beirat doch mit Johannes Schädlich als einstigen Vize-Bürgermeister und Superintendent im Ruhestand einen Moderator, der die Gruppe als Team gut zusammenhalten kann.

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